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Tankerunfall: Ölteppich treibt auf der Elbe

Nach dem Schiffsunfall auf der Elbe bei Hamburg bilden rund 120 Tonnen Diesel einen schmierigen Film auf dem Fluss. Die Feuerwehr konnte von dem Teppich noch nichts abfischen und wartet jetzt auf neue Anweisungen aus der Umweltbehörde.

Nach der Schiffshavarie vor den Toren Hamburgs trieben am Donnerstag weiterhin bis zu 120 Tonnen Diesel in der Elbe. "Wir haben noch gar nichts abfischen können", sagte Hamburgs Feuerwehrsprecher Peter Braun. Einen Tag, nachdem der Tanker "Undine" mit dem Frachter "Aldebaran" kollidiert war, lagen zahlreiche Ölsperren auf dem Fluss, eine Umleitung des schwimmenden Treibstoffs in einen Hafen bei Hamburg scheiterte bisher. "Der Wind hat den Diesel aufgehalten", sagte Braun. Die Feuerwehr unterbrach ihren Einsatz und wartete auf Informationen der verantwortlichen Umweltbehörde. "Man muss uns sagen, welche Strategie verfolgt werden soll", sagte Braun.

Der Ölteppich bedroht nach Einschätzung der Umweltbehörde besonders die am Fluss lebenden Vögel. Zwar verklebe Diesel im Gegensatz zu Schweröl nicht deren Gefieder, sagte die Hamburger Senatorin Anja Hajduk auf einer Pressekonferenz am Hafen Oortkaten bei Hamburg. Doch sei zu befürchten, dass die Tiere den hochgiftigen Treibstoff mit der Nahrung aufnähmen. Am Uferrand gebe es teils erhebliche Verschmutzungen, die nun so weit wie möglich gereinigt würden. "Wir gehen davon aus, dass Menschen nicht gefährdet sind", sagte Hajduk. Der Treibstoff habe sich auf einer "sehr, sehr breiten Fläche" verteilt.

Der Film, der sich auf der Wasseroberfläche gebildet habe, sei aber dünn und löchrig. Eines von zwei angeforderten Ölbekämpfungsschiffen könne deshalb nach Cuxhaven zurückkehren. Nach dem Unfall entnommene Wasserproben würden derzeit noch untersucht. Frühwarnsysteme für Verschmutzungen in tiefer gelegenen Wasserschichten hätten aber nicht angeschlagen, hieß es.

Für die Einsatzkräfte sei ein solcher Einsatz größtenteils Neuland, so Feuersprecher Braun. Wind und der Wechsel zwischen Ebbe und Flut verzögerten den Kampf gegen den Dieselteppich. Warum es zu dem folgenschweren Zusammenstoß der beiden Schiffe kam, bei dem die "Undine" 120 ihrer 920 geladenen Tonnen Diesel verlor, war auch am Donnerstagmittag noch unklar. Im Gegensatz zu früheren Kollisionen auf der Elbe war bei den Kapitänen kein Alkohol im Spiel. Möglicherweise war ein Fahrfehler der Grund für den Unfall, wurde vermutet.

Die Rettungskräfte sperrten schon am Mittwoch Naturschutzgebiete ab, die von dem Ölteppich bedroht wurden. Für die Gesundheit der Menschen in Hamburg besteht nach Behördenangaben keine Gefahr: Der Gestank könne zwar Kopfschmerzen auslösen, sei aber gesundheitlich unbedenklich. Dagegen sei das Ausmaß der Schäden für die Natur noch nicht abzusehen. Mit Ebbe und Flut sollte ein Teil des Diesels auch in die Hamburger Innenstadt vordringen.

Die Elbe wurde für den Schiffsverkehr auf dem Gebiet gesperrt. Die Schiffe stauen sich vor Geesthacht. Nach Behördenangaben werden aber Hochseeschiffe voraussichtlich ungehindert den Hamburger Hafen anlaufen können. Wie es zu der Kollision kam, war zunächst unklar.

Sorgen bei Umweltschützern

Die Umweltschutzorganisationen BUND, WWF und NABU fürchten Folgen für die Natur und das Ökosystem der Elbe. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr habe sich der Diesel großflächig im Elb-Strom verteilt. "Wir konnten uns vor Ort überzeugen, dass sich entgegen ersten Einschätzungen auch am Südufer der Elbe ein übelriechendes Diesel-Wassergemisch ausgebreitet hat und hier wertvollen Lebensraum bedroht", sagte Hamburgs BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Man befürchte, dass Wasservögel geschädigt werden könnten. "Wenn die betroffenen Vögel ihr verschmutztes Gefieder wieder reinigen, werden die Verunreinigungen vom Organismus aufgenommen und in der Folge können die Tiere eingehen", meinte Braasch.

Greenpeace: Keine Umweltkatastrophe

Die Schiffshavarie hat dagegen nach Einschätzung von Greenpeace keine großen Auswirkungen auf die Natur. "Es gibt keine Umweltkatastrophe auf der Elbe", sagte der Greenpeace-Teamleiter für Katastrophen und Unfälle, Christian Bussau, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Inspektion des Flusslaufes habe ergeben, dass der Diesel weitgehend verdampft sei und sich an vielen Stellen verflüchtigt habe. "Es gibt bisher keine toten Fische oder Vögel", sagte Bussau. "Das Ganze ist nicht zu vergleichen mit Tankerunfällen, wo Schweröl austritt."

DPA/AP / AP / DPA