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Indien: Tests falsch ausgewertet? Zahlreiche Schüler begehen Suizid, nachdem sie durch Prüfung fallen

Im indischen Bundesstaat Telangana tobt seit Monaten eine Debatte um möglicherweise falsch ausgewertete Abschlussprüfungen an Schulen. Mindestens 23 Durchgefallene nahmen sich seitdem das Leben. Mehr als Tausend Prüfungen waren falsch bewertet worden.

Abgebildet ist eine Prüfungssituation an einer Schule in Kerala.

Die Abschlussprüfungen an indischen Schulen sind essentiell für den weiteren Lebensweg der Schüler. Abgebildet ist eine Prüfungssituation an einer Schule in Kerala.

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"Wie konnte ich nur durchfallen?", habe ihre Tochter immer und immer wieder gefragt, berichtet die Inderin Sunitha Vennela der britischen BBC. Wenig später war das junge Mädchen tot. Offenbar, weil sie durch die Abschlussprüfung an ihrer Schule gefallen war, nahm sie sich das Leben. Mit ihr scheiterten im April 320.000 Schüler im indischen Bundesstaat Telangana an den entscheidenden finalen Prüfungen, wie damals auch CNN berichtete. Mindestens 23 davon haben seitdem Suizid begangen. Und womöglich sind sie nur durchgefallen, weil Fehler bei der Auswertung gemacht wurden.  

So erging es laut der BBC zumindest mehr als 1100 Schülern. Ihre Prüfungen seien nach einer entsprechenden Anordnung durch ein Gericht neu ausgewertet worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass sie alle eigentlich bestanden haben. Bereits direkt nach den Tests im April protestierten laut BBC und CNN zahlreiche Eltern und Schüler gegen die Ergebnisse und bezweifelten, dass die große Anzahl an Durchgefallenen korrekt sei. Manche behaupten auch, sie seien bei Prüfungen als nicht anwesend gelistet worden, obwohl sie mitgeschrieben hätten.

Indien: Aus null Punkten werden 99

Sein Sohn habe in Mathe und Physik im Vorjahr noch jeweils die volle Punktzahl erreicht, zitiert die BBC einen Vater. Im Abschlussjahr habe er dann in den beiden Fächern null und einen Punkt erzielt. Auch bei den neu ausgewerteten Tests war demnach ein Schüler dabei, der null Punkte in einem Fach erzielt hatte. Im zweiten Durchgang sei er nun mit 99 von 100 Punkten bewertet worden. Unter den nachträglich neu bewerteten Prüfungen sei keine von einem Schüler gewesen, der zuvor Suizid begangen hatte.

Bei der Kontroverse geht es laut vor allem um eine private Softwarefirma, Globarena Technology. Diese hatte 2017 den Auftrag bekommen, die Tests durchzuführen und auszuwerten. Die Suizide der gescheiterten Schüler seien nicht auf technische Fehler zurückzuführen, zitiert die BBC die Schulbehörde des Bundesstaates. Die Firma selbst habe eingeräumt, dass es Fehler bei der Auswertung gegeben habe.

Die Abschlussprüfungen sind entscheidend dafür, auf welche Universitäten die Absolventen gehen können und haben damit großen Einfluss auf den weiteren Lebensweg der Schüler. Gerade solche aus finanziell schwachen Verhältnissen investieren sehr viel Zeit und Arbeit in ihre schulische Ausbildung, weil es die einzige Möglichkeit ist, ihren widrigen Lebensumständen zu entkommen.

Quellen: BBC / CNN

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Auch eine Beratung per E-Mail ist möglich.

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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