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Japan: Wie überlebt ein kleiner Junge sechs Tage in der Wildnis?

Japanische Eltern wollten ihr Kind bestrafen und setzten ihren Sohn in einem Wald aus. Fast eine Woche war er verschwunden - nun tauchte er unverletzt auf.

Yamato Tanooka war eine Woche lang im japanischen Wald verschwunden

Yamato Tanooka war eine Woche lang im japanischen Wald verschwunden

Zuletzt schwanden die Hoffnungen immer mehr, den siebenjährigen Yamato Tanooka noch lebend zu finden. Vor fast einer Woche setzten die Eltern ihren Sohn in einem Wald auf der nördlichen Insel Hokkaido aus. Es sollte eine Strafe für sein ungezogenes Verhalten sein, die Eltern kamen nach wenigen Minuten zurück - doch da war der Junge verschwunden. 

Das fortan ungewisse Schicksal des kleinen Yamato nahm nicht nur die Menschen in Japan mit. Auf der ganzen Welt wurde über den Fall berichtet. Das Kind war in Gefahr, der Wald auf der Insel ist bergig und von wilden Bären bewohnt. 

Knapp 200 Rettungskräfte und Polizisten begannen die Suche nach dem Jungen. Nach zwei Tagen hatten sie immer noch keine Spur, danach weiteten sie das Suchgebiet aus, setzten Spürhunde und Pferde ein. Doch alle Anstrengungen blieben vergeblich. Polizei und Helfer fürchteten bereits das Schlimmste. 

Eine Woche ohne Nahrung

Am Freitagmorgen kam es dann auf einem Militärgelände innerhalb des Waldgebiets zu einer überraschenden Begegnung. "Einer unserer Soldaten wollte sich auf eine Trainingseinheit vorbereiten und öffnete die Tür eines Gebäudes. Und da war er", sagte ein Mitglied der Streitkräfte dem japanischen TV-Sender NHK zufolge. Der kleine Yamato war eingerollt in zwei dünne Matratzen, er hatte in der Hütte Zuflucht gesucht.

"Bist du Yamato?", fragte der Soldat. Der Junge bejahte das und sagte, er sei sehr hungrig. Der Soldat gab ihm Wasser, Brot und Reisbällchen.

Der Polizei zufolge gab der Junge an, "durch die Berge gelaufen" zu sein, bevor er die Hütte entdeckte. Das Gelände liegt etwa vier Kilometer von der Stelle entfernt, wo Yamato ausgesetzt worden war. Seit mehreren Tagen will er sich in dem Unterschlupf aufgehalten haben. 

Die Hütte gehört dem Militär, wurde aber in letzter Zeit nicht mehr genutzt, berichtet "CNN". Der Junge konnte demnach Wasser aus einem Hahn trinken, der sich unter freiem Himmel befand. Gegessen hat er offenbar die ganze Zeit über nichts. 

Vater entschuldigt sich öffentlich

Dass Yamato nach fast einer Woche noch am Leben ist, gleicht einem Wunder. Denn abgesehen davon, dass der Siebenjährige weder etwas zu Essen noch zu Trinken bei sich hatte, trug er keine warme Kleidung, mit der er sich vor den nächtlichen Temperaturen hätte schützen können.

Der Junge wies Kratzer auf, war aber sonst unverletzt. Er kam dennoch zu einer Untersuchung ins Krankenhaus. Dort traf der Siebenjährige seine Eltern wieder - die nun das schlechte Gewissen plagt.

Mit reumütiger Miene trat der Vater vor dem Krankenhaus vor Reporter und entschuldigte sich. "Meine Überreaktion hat meinem Sohn eine schmerzhafte Zeit bereitet", sagte er. "Ich bitte seine Schule, die Rettungskräfte, und jeden, der Ärger damit hatte, um Entschuldigung." Er wolle seinem Sohn von nun an mehr Liebe geben.

Der Vater des kleinen Yamato entschuldigte sich vor Reportern

Der Vater des kleinen Yamato entschuldigte sich vor Reportern


Kritik am Verhalten der Eltern

Die Eltern hatten am Wochenende zunächst bei der Polizei angegeben, ihr Sohn sei verschwunden, als die Familie gemeinsam wandern war. Später räumten sie ein, den Jungen zur Bestrafung in dem Wald zurückgelassen zu haben, weil er Steine auf Autos und Menschen geworfen habe.

Sie seien aber nur etwa 500 Meter mit dem Auto weggefahren und dann sofort umgekehrt, sagten die Eltern. Der Kleine sei da aber schon verschwunden gewesen. In den sozialen Medien kritisierten Menschen das Verhalten der Eltern scharf. Es geht in Diskussionen auch um die Frage, wie viel Disziplin Kindern gegenüber angemessen ist.

Für die Eltern könnte der Fall ein Nachspiel haben: Der "BBC" zufolge droht ihnen eine Anzeige wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht.

kis
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