HOME

Demütigung in Mexiko: Polizisten müssen vor Demonstranten knien

In Mexiko demonstrieren Lehrer gegen eine Bildungsreform der Regierung. Dabei blockieren sie Autobahnen und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Zwei Bundespolizisten gerieten dabei besonders ins Visier.

Das Portal "El Arsenal" veröffentlichte das Foto mit den knienden Polizisten in Mexiko auf seiner Internetseite

Das Portal "El Arsenal" veröffentlichte das Foto mit den knienden Polizisten in Mexiko auf seiner Internetseite

Streikende Lehrer haben im Süden von Mexiko zwei Polizisten zwölf Stunden lang festgehalten und sie in aller Öffentlichkeit gedemütigt. "Sie haben uns gezwungen, niederzuknien und eines ihrer Transparente hochzuhalten", sagte einer der Beamten am Mittwoch im Radiosender Fórmula. Die Demonstranten hätten gedroht, sie in Brand zu stecken. Bilder von den niederknieenden Polizisten gingen in Mexiko durch die Medien. Die Menschenrechtskommission verurteilte den Vorfall.

Die beiden Bundespolizisten waren am Montag im Bundesstaat Oaxaca von streikenden Lehrern gestoppt worden, als sie einen Tanklastwagen mit Trinkwasser zu ihrer Kaserne begleiteten. Seit Tagen blockieren die streikenden Lehrer zahlreiche Fernstraßen in Oaxaca.

Lehrerposten teilweise verkauft oder vererbt

Die Lehrer protestieren gegen eine Bildungsreform der Regierung. Der Plan sieht vor, dass sich alle Lehrer einer fachlichen Prüfung unterziehen müssen. Bestehen sie den Test mehrfach nicht, könnten sie die Unterrichtsbefugnis verlieren und in die Verwaltung versetzt werden. Viele Lehrer in Mexiko sind schlecht ausgebildet.

Über die Bildungsreform, die bereits 2013 verabschiedet wurde, sollen zudem die Privilegien der mächtigen Lehrergewerkschaft beschnitten werden. Sie entschied bislang über die Postenvergabe, verteilte die Gehälter und leitete im Fall von Oaxaca sogar das regionale Bildungsministerium. Lehrerposten wurden teilweise verkauft oder vererbt.

Ziel ist es, das Bildungsniveau in der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas zu heben. Beim Pisa-Test liegen die mexikanischen Schüler deutlich unter dem Durchschnitt der Industrieländerorganisation OECD. 2012 erreichten 55 Prozent nicht das Mindestniveau in Mathematik, bei der Lesekompetenz fielen 41 Prozent durch und an Naturwissenschaften scheiterten 47 Prozent.


Blockade kappt Lebensader des Bundesstaats

Die Sektion 22 aus Oaxaca gilt als der radikalste Flügel der Lehrergewerkschaft. Sie errichtet immer wieder Straßensperren, steckt Gebäude in Brand, demütigt Streikbrecher in der Öffentlichkeit und hält Polizisten fest. Vor knapp zwei Wochen kamen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei in der Ortschaft Nochixtlán acht Menschen ums Leben und rund 100 weitere wurden verletzt.

In Oaxaca geht jetzt die Angst um. Die Blockade der Lehrer kappt die Lebensader des armen Bundesstaats. Ende Juli beginnt das Folklorefest Guelaguetza, das normalerweise Tausende Touristen anzieht. "Wir befürchten, bei der Guelaguetza nur 40 Prozent oder weniger Auslastung zu haben", sagt der Präsident des regionalen Hotellerieverbandes, Jaime Bautista.

jek / DPA
Themen in diesem Artikel