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Bundeswehr-Skandal: Strafmarsch in Munster: Staatsanwälte sehen Verdacht auf Körperverletzung

Während eines Marsches in Munster waren im Juli 2017 mehrere Soldaten mit Hitzeschlägen zusammengebrochen, ein Soldat starb Wochen später. Nun geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung nach. 

Bundeswehr-Soldaten bei einer Übung

Soldaten bei einer Übung in Munster. Hier starb im Sommer ein Bundeswehrangehöriger in der Hitze (Symbolbild)

DPA

Fast ein Jahr nach dem tödlich endenden Übungsmarsch von Offiziersanwärtern im niedersächsischen Munster geht die Lüneburger Staatsanwaltschaft nun dem Anfangsverdacht nach, dass sich zwei Ausbilder der mehrfachen fahrlässigen schuldig gemacht haben könnten. Damit rückt ein Strafprozess gegen die Vorgesetzten näher. Im Juli 2017 waren mehrere Soldaten während des Marsches mit Hitzeschlägen zusammengebrochen und auf Intensivstationen verlegt worden, ein Soldat starb Wochen später, ein anderer befindet sich bis heute in ärztlicher Behandlung.

Ob Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest. Die Beschuldigten haben nun die Möglichkeit, gegenüber den Ermittlern Stellung zu beziehen. Der Pressesprecher der Lüneburger , Jan Christoph Hillmer, sagte gegenüber dem stern, dass die Ermittlungen bislang keinen Verdacht auf fahrlässige Tötung des verstorbenen Soldaten ergeben hätten. "Sein Tod war nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht vorhersehbar, wir sehen bislang nur den Anfangsverdacht auf Körperverletzung."

Im vergangenen Jahr gab es mehrere ähnliche Vorfälle in der Truppe, bei der Ausbilder mit drakonisch Straf- und Trainingsmaßnahmen auffielen. Mehrfach kam es bei jungen Bundeswehrsoldaten zu Zusammenbrüchen. In der Truppenführung wird seitdem eine Diskussion über eine Reform der Ausbildung geführt.

Der Marsch in Munster

Der berichtete in der Vergangenheit über Einzelheiten des Marsches in Munster. Den Soldaten war demnach befohlen worden, einen Strafmarsch in unangemessener Kleidung zu absolvieren. Sie trugen bei sommerlichen Temperaturen 2,5 Kilogramm schwere Splitterschutzwesten unter ihren Feldjacken, was dem Wärmeaustausch deutlich erschwerte. Zudem mussten einige von ihnen Liegestützen machen. Nachdem der erste Soldat kollabiert und seine Körpertemperatur auf mehr als 40 Grad angestiegen war, empfahl ein Truppenarzt, die Splitterschutzwesten abzulegen. Stattdessen mussten die Offiziersanwärter auf Befehl der Ausbilder einen Gefechtshelm überziehen. In der Folge fielen weitere Soldaten aus. Dennoch brachen die Ausbilder den Marsch nicht ab.

Für Deutschland geht der Leopard 2A6 bei der Strong Europe Tank Challenge an den Start.