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Thailand: So erlebten die Jungen den Moment, als sie in der Höhle entdeckt wurden

Acht Tage ist es her, seitdem sie aus einer Höhle in Thailand befreit wurden. Die ganze Welt verfolgte ihre Rettung. Jetzt schilderten die Jungen selbst ihre Erlebnisse.

"Titan" Chanin Vibulrungruang (M.), einer der Jungen der geretteten Fußballmannschaft, weint bei einer Pressekonferenz als ein Bild des Tauchers, der an der Rettungsaktion beteiligt war und dabei starb, gezeigt wird

"Titan" Chanin Vibulrungruang (M.), einer der Jungen der geretteten Fußballmannschaft, weint bei einer Pressekonferenz als ein Bild des Tauchers, der an der Rettungsaktion beteiligt war und dabei starb, gezeigt wird

DPA

Sie tranken Regenwasser, das von den Höhlenwänden tropfte, und versuchten vergeblich, sich selbst aus der Höhle zu befreien: Nach ihrer gefährlichen und aufwühlenden Rettung aus der Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands haben die zwölf Jungen und ihr Trainer das Drama zum ersten Mal aus ihrer Sicht geschildert. Zuvor war die Mannschaft aus dem Krankenhaus entlassen worden. Nun können die Jungen endlich wieder nach Hause.

Die 13 Fußballer des "Wildschweine"-Teams machten einen gesunden und zufriedenen Eindruck, als sie Fragen zu den neun Tagen beantworteten, die sie in völliger Dunkelheit verbrachten. Nach Angaben der Ärzte sind alle 13 nach dem mehr als einwöchigen Krankenhausaufenthalt in guter körperlicher und seelischer Verfassung. Laut Informationen der Ärzte haben sie nach den Tagen in der Höhle im Durchschnitt wieder drei Kilogramm Gewicht zugenommen.

Die Pressekonferenz wurde von vielen thailändischen Fernsehsendern live übertragen. Die Sendung hatte das Motto "Thailand kommt voran". Zu Beginn wurde die Nationalhymne gespielt. Als Beweis dafür, dass es ihnen inzwischen wieder gut geht, dribbelten die Jungen mit Bällen in den Saal.

Plötzlich hörten die Jungen Stimmen in der Dunkelheit - und schöpften Hoffnung

"Plötzlich haben wir Leute sprechen gehört", schilderte Adul Sam-on den Augenblick der Entdeckung und sprach von einem "Wunder". Der 14-Jährige hatte den britischen Tauchern auf Englisch geantwortet, als diese die zwölf Jungen und ihren Trainer nach neun Tagen endlich lebendig und unversehrt in den Tiefen der Höhle aufspürten.

"Titan" Chanin Vibulrungruang (M.), einer der Jungen der geretteten Fußballmannschaft, weint bei einer Pressekonferenz als ein Bild des Tauchers, der an der Rettungsaktion beteiligt war und dabei starb, gezeigt wird

"Titan" Chanin Vibulrungruang (M.), einer der Jungen der geretteten Fußballmannschaft, weint bei einer Pressekonferenz als ein Bild des Tauchers, der an der Rettungsaktion beteiligt war und dabei starb, gezeigt wird

DPA

"Wir haben Wasser getrunken, das von den Felsen herunterlief", erzählte der 15-jährige Pornchai Khamluan. Sie hätten nichts zu essen gehabt. "Wir haben versucht zu graben, dachten, dass wir nicht einfach auf die Behörden warten können", berichtete der 25-jährige Trainer Ekkapol Chantawong, der einzige Erwachsene in dem Team. Er hatte mehrere Jahre in einem buddhistischen Kloster verbracht und betete in der Höhle viel mit den Jungen.

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach ihrer Rettung und dem Krankenhausaufenthalt trugen die Jungen ein Fußballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein - passend zum Namen ihres Teams. Mit der Pressekonferenz sollte - zumindest vorläufig - das große Interesse der Öffentlichkeit am Schicksal des Fußballteams gestillt werden.

Anschließend sollen die Jungen und ihr Trainer endlich zu ihren Familien zurückkehren. "Dies ist der glücklichste Tag meines Lebens", sagte Khameuy Promthep, die Großmutter des 13-jährigen Dom, dem Kapitän der Fußballmannschaft.

Die zwölf Fußballer im Alter zwischen elf und 16 Jahren und ihr 25-jähriger Trainer waren am 23. Juni in der Tham-Luang-Höhle von rasch steigenden Wassermassen überrascht und eingeschlossen worden. Neun Tage später wurden sie gefunden, mit Lebensmitteln versorgt, medizinisch betreut und schließlich nach gut zwei Wochen in der Höhle am 10. Juli gerettet. Die ebenso riskante wie dramatische Rettungsaktion sorgte weltweit für Aufsehen.

Die zwölf Jungen des "Wildschwein"-Teams und ihr Trainer (r.) bei der Pressekonferenz am Mittwoch

Die zwölf Jungen des "Wildschwein"-Teams und ihr Trainer (r.) bei der Pressekonferenz am Mittwoch

Getty Images

Thailand ehrt verunglückten Rettungstaucher

Bei der Rettungsaktion war ein Taucher ums Leben gekommen. Saman Kunan hatte am Aufbau einer Sauerstoffleitung zu der eingeschlossenen Fußballmannschaft mitgearbeitet. Auf dem Rückweg aus der Höhle war ihm selbst nicht genügend Sauerstoff geblieben und er war ertrunken. Die Verehrung für ihn ist groß in Thailand: Der 38-jährige Ex-Militär wurde posthum vom Thailändischen König um sieben Ränge nach oben befördert. So etwas gab es in der jüngeren Geschichte des Landes noch nie. Die Kinder hatten erst nach ihrer Rettung von seinem Tod erfahren. Mit einem Porträt in Goldrahmen erinnerten sie auch am Mittwoch an ihn. Es war der traurigste Moment bei der Pressekonferenz.

Die Fragen der Journalisten wurden vorab von Psychologen gesichtet. Der Chef der Militärregierung, Prayut Chan-o-Cha, forderte die Medien auf, "vorsichtig mit unwichtigen Fragen" zu sein, da diese Schaden anrichten könnten.

Ärzte rieten den Eltern der Jungen, mindestens einen Monat keine Interviews zu geben, um mögliche posttraumatische Belastungsstörungen zu vermeiden.

Elon Musk entschuldigt sich für Twitter-Ausfälle

Unterdessen entschuldigte sich der US-Unternehmer Elon Musk bei dem britischen Höhlenforscher Vernon Unsworth, den er nach der Rettung der Fußballmannschaft als "Pädo-Typen" bezeichnet hatte. "Ich entschuldige mich bei Herrn Unsworth und bei den Unternehmen, die ich repräsentiere", schrieb der Tesla-Chef auf Twitter.

Unsworth war an der Rettungsaktion in Thailand beteiligt und hatte ein von Musk angebotenes Mini-U-Boot zur Rettung der Fußballmannschaft abgelehnt und als "PR-Trick" bezeichnet. Musk reagierte auf die Ablehnung mit einer Reihe von Tweets. Er nannte Unsworth nicht beim Namen, sondern sprach von einem "Pädo-Typen". Später löschte Musk die Tweets wieder. Seine Äußerungen lösten weithin Entrüstung aus.

anb / DPA / AFP
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