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Uganda: Späte Gerechtigkeit: Auf dieses Urteil hat ein Anwalt gewartet, seit er sechs Jahre alt ist

Viele Menschen in Uganda haben mit Rechtsstreitigkeiten um ihre Grundstücke zu kämpfen. Auch die Familie von Jordan Kinyera. Nach über zwei Jahrzehnten wird der Fall zu ihren Gunsten entschieden – dank Jordan, der nun Anwalt ist.

Uganda: Auf diesen Tag hat ein Anwalt gewartet, seit er sechs Jahre alt ist

In Uganda landen immer wieder Streitigkeiten um Grundstücke vor Gericht (Symbolbild)

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Jordan Kinyera wurde Anwalt aus Überzeugung. Er war, seit er sechs Jahre alt war, davon überzeugt, dass seine Familie ungerecht behandelt wurde. Dagegen wollte er etwas tun. "Ich habe die Entscheidung, Anwalt zu werden, später im Leben getroffen", sagt Kinyera dem Sender BBC, "aber die Entscheidung ist auf die Umstände, Erfahrungen und Frustration zurückzuführen, die ich und meine Familie erfahren mussten."

Eine Erfahrung, die viele Menschen in Uganda machen

Die Umstände, Erfahrungen und die Frustration, von der Kinyera spricht, durchleben einer Erhebung der Nichtregierungsorganisation Namati zufolge 33 bis 50 Prozent der Landbesitzer in Uganda: Sie verlieren ihr Grund und Boden, aus unterschiedlichsten Gründen. Laut Kinyera beschäftige sich in dem ostafrikanischen Land auch deshalb ein ganzer Bereich des Obersten Gerichtshofs mit Streitfragen, die Landeigentum betreffen. 

Damals, vor 23 Jahren, wurde Kinyeras Vater von Nachbarn verklagt. Der Klage ist ein Streit um das Grundstück vorausgegangen, nähere Angaben zu dem Konflikt macht Kinyera allerdings nicht. Der Fall landete 1996 vor Gericht, fortan wurde auf offiziellem Weg gestritten – über zwei Jahrzehnte lang. "Mein Vater war im Ruhestand und hatte nicht die Mittel, sich zu wehren", sagt Kinyera der BBC. Darin habe er etwas Entmenschlichendes gesehen. "Das hat mich am meisten inspiriert."

Er sagt aber auch: "Gerechtigkeit vertagt ist Gerechtigkeit verweigert." Durch die ungeklärte Rechtslage habe sein Vater in 23 Jahren keinen einzigen Samen einpflanzen oder Baustein auf dem Gelände legen können. Bis jetzt: Kinyera hat sich des Falles angenommen – und ihn am Montag zugunsten seiner Familie gewonnen. Das Land gehört nun wieder – und vom Obersten Gerichtshof entschieden –, seiner Familie. "Mein Vater ist jetzt 82 Jahre alt und kann nicht mehr viel mit dem Land anfangen", sagt Kinyera. "Es liegt nun an uns Kindern, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat." 

Quelle: BBC

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fs
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