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US-Bundesstaat Der US-Staat, in dem Wunderkerzen per Gesetz verboten sind - aber Schrotflinten erlaubt

Bundesstaat Delaware in den USA: Waffen erlaubt, Wunderkerzen verboten
Im Bundesstaat Delaware (USA) sind Wunderkerzen sozusagen illegal - woran liegt das?
© picture alliance / Bildagentur-o / Picture Alliance
Keine Lizenz, keine Genehmigung, lediglich ein Backgroundcheck - und schon darf man im US-Bundesstaat Delaware eine Waffe besitzen und mit sich führen. Nur Wunderkerzen werden gar nicht gern gesehen. Warum?

Wer hier eine Waffe erwerben und mit sich führen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein und einen Backgroundcheck hinter sich bringen. Wer beispielsweise seine neu erworbene Schrotflinte in Delaware gebührend feiern möchte, muss dabei allerdings auf Wunderkerzen verzichten - außer, man möchte ein saftiges Bußgeld von bis zu 100 Dollar riskieren, wie die "BBC" berichtet. Denn Wunderkerzen sind in dem Bundesstaat an der US-Ostküste illegal.

Nur wer eine offizielle Genehmigung hat, darf in Delaware Feuerwerk verkaufen oder besitzen. Dazu gehören auch Wunderkerzen, deren Verbot explizit im Gesetz festgeschrieben ist. So heißt es im Gesetzbuch: "Keine Person darf in diesem Staat Feuerwerk lagern, anbieten oder verkaufen, besitzen mit dem Gedanken es zu benutzen oder zu verkaufen (...) es entzünden oder in anderer Weise benutzen, jegliches Feuerwerk, Kracher, Raketen, Wunderkerzen, römische Lichter (...) oder anderes Feuerwerk, das für den pyrotechnischen Gebrauch hergestellt oder angedacht wurde, bedarf einer Genehmigung (...)." Man könnte meinen: Die Auflagen für den Feuerwerkbesitz sind in Delaware strikter als für den Waffenbesitz. Warum ist das so?

Feuerwerk in den USA - da knallt's (fast) überall

Generell herrschen in den USA hohe Auflagen für Feuerwerk, wie die "BBC" berichtet. Das absolute Verbot in Delaware ist dabei eine Ausnahme. Doch auch in Bundesstaaten wie Ohio oder Illinois ist Feuerwerk aller Couleur untersagt, mit Ausnahmen wie vermeintlich harmlosen Wunderkerzen.

In Delaware ist man da offensichtlich anderer Meinung, allein im vergangenen Jahr kam es zu 17 Verhaftungen wegen illegalem Feuerwerkbesitz, berichtet die "BBC". "Ich kann Ihnen das in wenigen Worten erklären", sagt Michael Chionchio dem britischen Rundfunk. "Feuerwerk ist unsicher", so der Co-Chef der Feuerwehr in dem US-Bundesstaat. So seien Wunderkerzen eine Art "gateway" - sozusagen eine Einstiegsdroge - zu gefährlicherem Feuerwerk. Zumal: "Eine brennende Wunderkerze kann 980 Grad heiß werden."

"Ich möchte nicht, dass Sie denken, wir wären prüde"

So seien 11.100 Behandlungen in US-Krankenhäusern im Jahr 2016 auf Unfälle mit Feuerwerk zurückzuführen gewesen. "Wir können Feuerwerkskörper nicht einfach legalisieren (...), wir sind Feuerwehrmänner", sagt Chionchio der "BBC". "Wir schützen Menschen vor Feuer. Und wir können nichts unterstützen, dass jemandem schaden könnte." Kritiker bemängeln, dass ein Verbot das Verlangen nach Feuerwerk unnötig hochjazzt - und eine Legalisierung sogar sicherer sei. Aber das spielt kaum keine Rolle.

"Ich möchte nicht, dass Sie denken, wir wären prüde", sagt Peter Schwartzkopf zur "BBC". Der Sprecher des Repräsentantenhauses in Delaware, der 25 Jahre lang Polizist gewesen ist, ist eigentlich ein Fan von Feuerwerk. "In meiner Stadt Rehoboth gibt es jedes Jahr am 4. Juli (Unabhängigkeitstag in den USA, Anm. d. Red.) ein großes Feuerwerk. Es ist genehmigt, eine fantastische Show", so Schwartzkopf. "Es ist nicht so, dass wir gar kein Feuerwerk haben. Aber es wird meistens von Experten durchgeführt." Er selbst habe nichts gegen Wunderkerzen, doch sei eben jene Expertenlobby sehr mächtig in Delaware. Darüber hinaus glaube er "an das Recht, eine Waffe zu tragen und dich zu verteidigen. Aber ich glaube, wir sind da in mancher Hinsicht zu weit gegangen", erklärt Schwartzkopf. Es seien Waffen im Umlauf, mit denen man eigentlich in den Krieg zieht, die legal getragen werden können." Daher wäre er für eine Verschärfung der Waffengesetze.

Nur: "Es ist ein schwieriger Prozess", so Schwartzkopf zur "BBC". "Und wir haben hier eine sehr starke Waffenlobby."

fs

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