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Nach Blutbad in Kalifornien: Amerika streitet über schärfere Waffengesetze

Nach dem Blutbad in Kalifornien ist in Amerika die Debatte über die Waffengesetze erneut entflammt. Unter die Befürworter schärferer Gesetze mischt sich auch die "New York Times". Es sei "eine nationale Schande", dass Zivilisten in den USA legal Waffen kaufen könnten, heißt es in einem Leitartikel.

Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags von San Bernardino, Kalifornien.

Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags von San Bernardino, Kalifornien. Das Attentat hat auch die Debatte über schärfere Waffengesetze wieder entfacht.

Sollen bestimmte Waffen und Munition für Privatleute verboten werden? Das fordert die renommierte US-Zeitung "New York Times", die zum ersten Mal seit fast hundert Jahren einen Leitartikel auf ihrer Titelseite veröffentlicht hat. In dem Artikel "Beendet die Waffen-Epidemie in Amerika" spricht sie sich nach dem Attentat in Kalifornien mit 14 Toten für schärfere Waffengesetze aus.

Es sei ein "moralisches Verbrechen und eine nationale Schande", dass Zivilisten in den USA legal Waffen kaufen könnten, die "in brutalem Tempo und mit brutaler Effizienz" Menschen töten, schrieb die Zeitung. Sie forderte ihre Leser auf, nach der Bluttat in San Bernardino ihre "Aufmerksamkeit und Wut" auch auf Politiker zu richten, denen die Waffenlobby wichtiger sei als die Sicherheit der Bürger. Diese Politiker unterstützten "Möchtegern-Killer, indem sie Waffenmärkte für sie schaffen". Die Wähler erlaubten diesen Politikern, "ihre Jobs zu behalten".

Konkret forderte die "New York Times" ein Verbot von Waffen wie den leicht veränderten Sturmgewehren, die auch die Attentäter von San Bernardino verwendeten, für den privaten Besitz.

Am Mittwoch hatte der 28-jährige Syed Farook, ein pakistanischstämmiger US-Bürger, zusammen mit seiner Ehefrau Tashfeen Malik eine Weihnachtsfeier in San Bernardino bei Los Angeles gestürmt. Das Paar tötete 14 Menschen und verletzte 21 weitere, bevor es von der Polizei erschossen wurde. Die Attentäter hinterließen eine sechs Monate alte Tochter. Am Freitag stufte das FBI die Tat als "Terrorakt" ein. Der Angriff war der blutigste in den USA seit dem Amoklauf in einer Grundschule in Newtown, bei dem vor drei Jahren 20 Kinder und sechs Erwachsene getötet worden waren.  

Obama fordert schärfere Waffengesetze

Präsident Barack Obama hat vor dem Hintergrund des Blutbads in San Bernardino seine Forderung nach einer Verschärfung der US-Waffengesetze erneuert. Diese Tragödie zeige wieder einmal, dass es zu einfach für gefährliche Menschen sei, an Waffen zu kommen. Derzeit könnten Personen, deren Name auf einer Flugverbotsliste stehe, ohne Probleme Waffen kaufen. "Das ist wahnwitzig. Wenn man zu gefährlich ist, um an Bord eines Flugzeugs zu kommen, ist man - per Definition - zu gefährlich für eine Waffe", sagte Obama in seiner am Samstag verbreiteten wöchentlichen Ansprache. Der Kongress müsse dieses Schlupfloch sofort schließen.

Obama war in der Vergangenheit immer wieder mit Initiativen für schärfere Waffengesetze im Kongress gescheitert, wo vor allem die Republikaner nicht am in der US-Verfassung verankerten Recht auf Waffenbesitz rütteln wollen. 

lea/DPA/AFP