HOME

Editorial: Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Doch, doch, auch in meinem Küchenschrank ruht ein Päckchen Entschlackungstee, irgendwas mit Ingwer. Es tut einfach gut, hin und wieder statt eines üppigen Abendessens nur dieses Gebräu zu sich zu nehmen.

Der medizinische Nutzen? Vermutlich null. Der Nutzen fürs Wohlbefinden? Großartig. Und schon befinden wir uns mitten in einem der ärgsten Dilemmata der Gesundheitskunde: Was zählt für den Erfolg einer Therapie, die wissenschaftliche Studienlage oder die individuelle Erfahrung? Beides.

Natürlich ist die Studienlage nicht egal, im Gegenteil: Methodisch einwandfreie wissenschaftliche Studien sind der einzige seriöse Maßstab, den wir haben, um die allgemeine Wirksamkeit von Therapien zu beurteilen. Das schließt aber nicht aus, dass Verfahren, deren medizinischer Effekt nicht nachgewiesen ist, im Einzelfall dennoch helfen können. Und sei es, weil sie uns das befreiende Gefühl geben: Ich tue etwas für mich. Oder weil sie uns helfen, mit Gewohnheiten zu brechen, die wir als schädlich erkannt haben - etwa zu viel, zu fett, zu unausgewogen zu essen. Mag der Begriff "Entschlacken" aus streng wissenschaftlicher Sicht Humbug sein, von erheblichem gesundheitlichem Wert können Kuren, die damit werben, dennoch sein.

Hat menschliche Medizin ein Gesicht? Ja, es ist das Gesicht von Dr. Jana Rolletschek, 36, Landärztin im brandenburgischen Schlepzig. Entgegen dem in ihrer Zunft sonst üblichen Jammern, macht sie ihren Job in dieser verödeten Region Ostdeutschlands gern und mit Hingabe. Unser Mitarbeiter Michael Kraske durfte sie im vergangenen Herbst einige Tage begleiten, seine Reportage veröffentlichten wir in Heft 05/2005. Jetzt erhielt Kraske dafür den Journalistenpreis "Ostenergie", der unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck jedes Jahr für Beiträge verliehen wird, die sich besonders eindrucksvoll mit dem gesellschaftlichen Wandel in den ostdeutschen Bundesländern auseinander gesetzt haben.

Noch ein Mann, den wir Ihnen gern präsentieren: Pedro Gonzalez, Sportwissenschaftler von der Universität Hamburg, fand mit seiner Studie über das mangelhafte Konditionstraining in deutschen Profifußballvereinen viel Aufmerksamkeit in den Medien. Wir haben ihn gewonnen, mit uns zu trainieren. In diesem und in den nächsten Heften zeigt er höchst effektive Übungen fürs Muskelwerk. Und da wir fast alle wenig Zeit haben, macht er's kurz - mehr als zehn Minuten täglich sind nicht nötig.

print
Themen in diesem Artikel