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Astronomie: Auspuff-Untersuchung am Schwarzen Loch

Kosmische Abgasuntersuchung: Mit einem Netzwerk von Radioteleskopen haben Astronomen tief in den "Auspuff" eines gigantischen Schwarzen Lochs geblickt. Sie wollen klären, wie manche Schwarzen Löcher kosmisches Gas fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All schleudern, statt es zu verschlucken.

Die internationale Gruppe um Alan Marscher von der Universität Boston (USA) nahm das Objekt BL Lacertae ins Visier. Im Zentrum dieser rund eine Milliarde Lichtjahre entfernten Galaxie im Sternbild Eidechse (Lacerta) haust ein extrem massereiches Schwarzes Loch. Um in dessen "Auspuff" zu schauen, mussten die Forscher mehrere Radioteleskope zu einem virtuellen Teleskop zusammenschalten. Ihre Ergebnisse stellen die Astronomen im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 452, S. 966) vor.

Bevor das gigantische Schwarze Loch Materie aus seiner Nachbarschaft verschluckt, sammelt sich diese auf einer sogenannten Akkretionsscheibe - ähnlich wie Wasser um den Badewannenabfluss kreist - und strahlt intensive Röntgenstrahlung aus. Ein Teil dieses heißen kosmischen Gases wird mit 99 Prozent der Lichtgeschwindigkeit in zwei gigantischen, eng gebündelten Strahlen ins Weltall hinausgeschleudert. Von der Erde aus blickt man nahezu direkt in einen dieser beiden gegenüberliegenden "Auspuffe" des Schwarzen Lochs.

Wegen der großen Entfernung erscheint dieser "Auspuff", der in Wahrheit den Durchmesser unseres gesamten Sonnensystems hat, allerdings nur so groß wie ein etwa 50 Zentimeter großer Stein auf dem Mond. Daher mussten die Forscher Radioteleskope in den ganzen USA zu einem virtuellen Teleskop zusammenschalten, um wenigstens einige Details im Inneren von BL Lacertae zu erkennen. Dabei konnten sie beobachten, wie eine frische Abgaswolke den "Auspuff" entlang schoss. Die Art und Weise wie sich diese Gaswolke ausbreitete, stützt eine der verschiedenen Vorstellungen, die Astronomen von den sogenannten Blazaren (BL-Lac-Objekte) entwickelt haben, für die BL Lacertae der Prototyp ist.

Der "Auspuff" wird demnach von eng verdrehten Magnetfeldlinien geformt, die nicht nur das elektrisch geladene Gas fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, sondern den Abgasstrahl auch scharf bündeln. Zu der Beobachtung trugen auch Analysen von Röntgenstrahlung, Gammastrahlung und sichtbarem Licht des aktiven Galaxienkerns bei. Von dem Start verschiedener neuer Astronomie- Satelliten erhoffen sich die Forscher nun ein detaillierteres Bild aus dem Inneren des Blazars.

DPA / DPA
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