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Astronomie: Milchstraße schluckt Nachbargalaxien

Unsere Heimatgalaxie hat einen großen Appetit. Nach und nach verleibt sie sich die benachbarten Zwerggalaxien ein, unter anderem die neu entdeckte "Canis Mojar".

Astronomen haben den bislang nächsten Nachbarn unserer Heimatgalaxie Milchstraße entdeckt. Doch die Tage der Zwerggalaxie mit dem Namen "Canis Major" (Großer Hund) sind gezählt. Die Milchstraße verleibt sich nach und nach die Sterne der etwa 25 000 Lichtjahre entfernten Nachbar-Galaxie ein. Dies berichtet ein Forscherteam um Rodrigo Ibata von der Sternwarte Straßburg auf der Internetseite von "Nature". Die Galaxie umfasse rund eine Milliarde Sterne und sei somit 100 Mal kleiner als die Milchstraße.

Bisher hielten Astronomen eine kleine Galaxie im Sternbild des Schützen für unseren nächsten Nachbarn Diese ist aber rund doppelt soweit entfernt wie "Canis Major". Eine Staubwolke hatte bislang den Blick auf "Canis Major" vernebelt. Rodrigo Ibata und seine Kollegen entdeckten die Zwerggalaxie mit Hilfe von Infrarot-Technologie, denn sie ermöglichte ihnen erstmals einen Blick hinter die Staubschleier. "Das ist so, als würde man eine Infrarot-Nachtbrille aufsetzen", sagt Ibata.

Kein freundlicher Nachbar

Die Forscher stellten fest, dass "Canis Major" allmählich zerfällt. Ursache dafür ist der Schwerkraftsog unserer Heimatgalaxie. "Canis Major wird wahrscheinlich nicht mehr lange durchhalten", meinte Michele Bellazzini, ebenfalls Mitglied der Forschergruppe. "Die Milchstraße hat ihr nach und nach Sterne entrissen und rupft sie auseinander." Diese nicht gerade gute nachbarschaftliche Beziehung besteht vermutlich seit mindestens zwei Milliarden Jahren. In einigen Milliarden Jahren dürfte sich "Canis Major" völlig aufgelöst haben.

Die Einverleibung der Nachbargalaxie wird nach Ansicht der Astronomen die Milchstraße kaum verändern. "Canis Major" wird insgesamt nur ein Prozent zu den 100 Milliarden Sternen unserer Heimatgalaxie beitragen. Aber der Appetit der Milchstraße ist noch nicht gestillt: Auch die Zwerggalaxie im Sternbild Schützen fällt dem Schwerkraftsog zum Opfer. Diese Entdeckung erhärtet wissenschaftliche Theorien über den Ursprung der Milchstraße. Forscher gehen davon aus, dass sie zur Hälfte aus fremden Zwerggalaxien besteht.

In der Umgebung der Milchstraße befinden sich rund 30 weitere Galaxien. Alle gemeinsam bilden sie die "lokale Gruppe". Dazu zählen Zwerggalaxien wie "Canis Major", aber auch Riesen, wie der Andromedanebel.

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