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Venustransit: Mini-Sonnenfinsternis am Mittwochmorgen

Wer sich am Mittwoch früh aus den Federn quält, wird mit einem Jahrhundertschauspiel belohnt: Dem Venustransit. Mit bloßem Auge sollte aber niemand das Spektakel bestaunen.

Diese Chance kommt zu Lebzeiten für kaum einen Menschen wieder: Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden lässt sich ein äußerst seltenes Himmelsschauspiel beobachten: Der #link;http://eclipse.gsfc.nasa.gov/OH/transit12.html;Planet Venus zieht dann vor der Sonne vorbei#. Es ist erst der sechste sogenannte Venustransit seit der Erfindung des Fernrohrs. Wer das Spektakel verpasst, kann es erst wieder im Jahr 2117 auf eine Wiederholung hoffen.

Die Venus ist der innere Nachbarplanet der Erde und überholt uns regelmäßig auf der Innenbahn. Meist zieht sie dabei am irdischen Himmel allerdings ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur sehr selten stehen Erde, Venus und Sonne so exakt in einer Reihe, dass die Venus genau über die Sonnenscheibe wandert. Während eines solchen Venustransits verdeckt unser Nachbarplanet dann für ein paar Stunden einen winzigen Teil der Sonne. Das Ergebnis ist eine Mini-Sonnenfinsternis.

Ein Punkt in der Sonne

Wer das nicht gezielt beobachtet, bekommt es allerdings gar nicht mit. Denn die schwarze Venusscheibe erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe und wandert als kleiner Fleck über die Sonne. Um das Schauspiel aus Mitteleuropa beobachten zu können, muss der Wecker allerdings früh gestellt sein. Denn die Mini-Finsternis neigt sich bei Sonnenaufgang bereits ihrem Ende zu. Der Venustransit beginnt kurz nach Mitternacht und endet gegen 7 Uhr morgens.

Bei klarem Himmel und freiem Blick nach Osten lässt sich von Deutschland aus nach Sonnenaufgang - je nach Ort zwischen 4.45 Uhr und 5.25 Uhr - noch beobachten, wie die Venus das letzte Stück über die Sonnenscheibe wandert und sie dann verlässt. Mit ungeschützten Augen oder gar durch Feldstecher oder Teleskop sollte allerdings niemand in die Sonne blicken, sonst drohen schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung. Am einfachsten lässt sich das Himmelsschauspiel mit einer Sonnenfinsternis-Brille verfolgen, gewöhnliche Sonnenbrillen bieten hingegen keinen ausreichenden Schutz. Doch es gibt auch eine völlig ungefährliche Variante: die zahlreichen Live-Übertragungen des Ereignisses im Internet.

Logenplatz im All

Venustransite treten stets paarweise im Abstand von acht Jahren auf. Danach dauert es abwechselnd 105 und 121 Jahre bis zum nächsten Transit. Zuletzt fand 2004 ein Transit statt. Den besten Logenplatz für das diesjährige Spektakel haben vermutlich die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. "Die Mitglieder der Expedition 31 werden die ersten Menschen in der Geschichte sein, die einen Venustransit aus dem All zu sehen bekommen", sagt Mario Runco vom Johnson Space Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Zwar gab es auch beim Transit von 2004 eine Besatzung auf der ISS, aber erst Astronaut Don Pettit hat daran gedacht, einen Sonnenfilter mitzunehmen. "Ich wusste, dass der Venustransit sich während meines Einsatzes ereignen würde, daher habe ich einen Sonnenfilter mitgebracht, als meine Expedition zur ISS im Dezember 2011 startete." Mit einem starken Teleobjektiv will Pettit Bilder von dem Schauspiel aufnehmen und live ins Internet stellen.

Till Mundzeck, DPA/DPA

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