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Fitness: Draußen ist der Sport gesünder

Kälte und Nässe treiben Sportler im Herbst und Winter in die Halle. Doch Zähigkeit im Freien zahlt sich aus.

Von Ingo Froboese

Jedes Jahr das gleiche Bild auf deutschen Wiesen und Wegen: Wird es draußen nass, kalt und dunkel, verschwinden die Sportler. Wo im Sommer Jogger und Spaziergänger um jeden Quadratzentimeter kämpften, kommt jetzt nur noch gelegentlich ein vermummter Läufer vorbei. Die anderen überwintern, wenn sie nicht gleich zu Hause auf der Couch bleiben, in den Fitnessstudios. Doch ist das genauso gesund? Welchen Einfluss nehmen Sonne, Wind und Wetter beim Sport überhaupt auf unseren Körper?

Wer sich draußen bewegt, kennt das belebende Gefühl der frischen Luft. Den angenehmen Duft des feuchten Waldbodens oder den Geruch des Herbstlaubs in der Nase. In Fitnessstudios strömt aus den Belüftungsanlagen dagegen meist trockene Luft, die den Körper gerade bei körperlicher Anstrengung und tiefen Atemzügen auf Dauer für Infekte anfällig macht, weil sie den Schleimhäuten in der Nase zusetzt. Auf einem funktionierenden Schleimfilm bleiben Erkältungsviren und andere Erreger schon beim Einatmen kleben und werden abgewehrt. Kühle Luft beim winterlichen Sport im Freien regt hingegen die Schleimbildung an.

Der Sauerstoffgehalt liegt an der frischen Luft gewöhnlich deutlich höher als in geschlossenen Räumen. Da der Körper im Freien bei jedem Atemzug mehr Sauerstoff aufnehmen und zur Energiegewinnung einsetzen kann, ist er dort leistungsfähiger.

Wind und Wetter nützen

dem Organismus noch aus einem weiteren Grund meist mehr, als sie schaden: Sie reizen ihn zusätzlich zu der sportlichen Belastung. Infolgedessen passt sich der Körper den Bedingungen an, durchblutet stärker und bildet mehr Abwehrstoffe. Je öfter wir unter kälteren Bedingungen trainieren, desto besser gewöhnt sich unser Organismus an die unterschiedlichen Verhältnisse, und die Abhärtung setzt ein.

Auch das Licht ist - zumindest tagsüber - ein Vorteil von Sport im Freien. Denn die natürliche Helligkeit wirkt sich positiv direkt auf Körper und Psyche aus: Die UV-Strahlen auf der Haut bewirken die Bildung von Vitamin D, das den Kalziumhaushalt im Blut reguliert und für die Knochenbildung unverzichtbar ist. Das Sonnenlicht fördert die Bildung von Serotonin. Das Hormon macht uns wach, aktiviert den Körper und hebt die Stimmung. Gerade im Winterhalbjahr ist das wichtig, in dem viele Menschen, die kaum ans Tageslicht kommen, unter einer saisonal abhängigen Depression (SAD) leiden. Sie klagen über Müdigkeit, Antriebslosigkeit sowie übermäßige Traurigkeit, viele haben mehr Appetit, vor allem auf Süßes. Rund 800.000 Menschen sind in Deutschland von SAD betroffen.

Bereits ein 20-minütiger Spaziergang im Sonnenlicht kann die Symptome einer Winterdepression mindern. Dabei müssen allerdings mindestens die Hände und das Gesicht unbedeckt sein, um die Lichtstrahlen mit der Haut aufzunehmen. Selbst ein grauer Himmel liefert deutlich mehr Helligkeit als jeder gut beleuchtete Innenraum. So herrscht an einem bedeckten Wintertag morgens eine Lichtstärke von 1000 Lux, am Mittag sind es sogar bis zu 3000 Lux. Im Vergleich dazu müssen wir uns in Büros mit künstlicher Bestrahlung mit 100 bis 400 Lux zufriedengeben – die reicht nicht aus, um die Glückshormonproduktion anzuschieben.

Bessere Luft, mehr Licht, abwechslungsreichere Kulisse: Draußen ist der Sport meist nicht nur schöner, sondern auch gesünder als drinnen. Und dank moderner Sportkleidung gilt die Ausrede, es sei zu kalt, zu nass, zu dunkel, schon lange nicht mehr. Deshalb: wetterfest anziehen – und raus!

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