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Fußball-WM in Russland: Mythos Leistungskiller: Darf unsere Mannschaft während der WM Sex haben?

Bei der Fußball-WM in Russland will das deutsche Nationalteam den WM-Titel verteidigen. Dem wird jetzt alles untergeordnet. Ist Sex deshalb verboten? Sportwissenschaftler haben dazu eine klare Meinung.

Mannschaftsfoto für die Fußball-WM in Russland

Sex vor der WM-Partie: Kraftschub oder Leistungskiller für Spieler?

Getty Images

Seit Jahrzehnten hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Profisportler vor Wettkämpfen keinen mehr haben sollten. Sportwissenschaftler klären pünktlich zur Fußball-WM über den Erotik-Mythos auf: Stimmt das Gerücht tätsächlich? Schadet Sex vor einem großen Spiel der Leistung?

"Sex ist an sich immer gesund, aber natürlich haben wir es mit
körperlicher Anstrengung zu tun", sagt von der Deutschen Sporthochschule Köln. Was passiert? "Der Kreislauf fährt sich hoch, Muskeln werden beansprucht, eine Stoffwechsel-Aktivierung tritt ein und ein Energieverbrauch." Die Hormone mischen mit. "Zu Beginn wird vor allem Testosteron ausgeschüttet und während des Prozesses auf einem hohen Niveau gehalten. Dann verschwindet das Testosteron und Melatonin und Serotonin übernehmen - die Hormone, die uns entspannen."

Sex - ja. Aber bitte keine Orgie.

"Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem, wenn es nicht gerade eine wahnsinnige Orgie darstellt", betont der Leiter des Zentrums für Gesundheit durch und Bewegung. Aber Achtung: "Der Schlaf als wichtigste Regenerationsphase sollte nicht für Sex geopfert werden. Sex als Einschlafhilfe zu nutzen, ist okay. Vor einer WM-Partie ist eine Limitierung ratsam, also keine Ausdauerleistung."

Der Sportpsychologe René Paasch bringt es auf eine einfache
Formel: "Wenn man seine Frau oder Freundin lieb hat und alles
ganz normal läuft, dann ist auch alles gut. Dann sollen die Jungs
Jungs sein dürfen." Die angeblich leistungsschwächende Wirkung von Sex auf Spitzensportler sei inzwischen durch Untersuchungen
widerlegt, meint Paasch, der für den VfL Bochum tätig ist. Ein oder
zwei Stunden vor dem Spiel sei Sex allerdings nicht ratsam. Aus
psychologischer Sicht positiv zu sehen: ein intimes Zusammensein
könne Stress und Nervosität abbauen.

Sex als Teil des Trainingsprogramms

Froböse empfiehlt: Regelmäßige Kontakte zu den Partnerinnen sollten ermöglicht werden. Weiterer Tipp des Fitness-Experten: "Sex einfach ins Trainingsprogramm einbauen." Eine gewisse Reglementierung hält er grundsätzlich für richtig: "Wir haben junge Menschen vor uns. Die sind eben schon mal eher triebgesteuert als kopfgesteuert."

Wenn das Nationalteam südwestlich von Moskau im noblem WM-Quartier "kaserniert" wird, müsse Prinzip sein - ebenso wie etwa bei
Ernährungsfragen oder Alkohol: "Alles, was auf dem Platz negative
Auswirkungen haben könnte, sollte beschränkt werden. Alles muss der Leistung untergeordnet werden, dafür werden die Nationalspieler ja auch bezahlt." Zugleich ist Froböse zufolge zu beachten: Zuneigung, körperliche Wärme, Kuscheln könnten Ventile sein bei starker Anspannung und könnten auch helfen im Falle eines "Lagerkollers". 

"Sex gehört zu unserer Biologie"

Paasch rät, den Ball in der Debatte flach zu halten. "Jeder
Profisportler weiß doch selbst ganz genau, worum es geht." In der
Regel reisen Familien und Frauen bei wichtigen Turnieren mit und sind in der Nähe. "Erfahrene und moderne Trainer wie Jogi Löw legen viel Wert auf Zwischenmenschliches, lassen den Spielern ausreichend Freiraum und vertrauen ihnen."

Froböse kritisiert, dass Sexualität im Zusammenhang mit
Leistungssport noch immer ein Tabuthema sei - völlig unverständlich, wie er findet. "Viele Spitzensportler sind junge Leute, und Sex gehört zu unserer Biologie dazu."

Die DFB-Auswahl rund um Mats Hummels, Thomas Müller, Jérome Boateng, Mario Gomez oder Toni Kroos hat ihre erste WM-Begegnung an diesem Sonntag und hofft beim Finale am 15. Juli den WM-Titel zu verteidigen.

Yuriko Wahl-Immel/ikr / DPA

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