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Bewegtes Leben: Dem Leid einen Schritt voraus

Wer es am Kopf hat, sollte es auch an den Beinen haben: Denn Ärzte empfehlen Sport als Schutz vor Schmerzen im Schädel. Allerdings sind dabei einige Regeln zu beachten.

Von Ingo Froboese

Mehere Studien weisen darauf hin, dass moderates Ausdauertraining zu einer Linderung der Schmerzen führt

Mehere Studien weisen darauf hin, dass moderates Ausdauertraining zu einer Linderung der Schmerzen führt

Davon träumen viele Kopfschmerzgeplagte: einmal schneller zu sein als die Pein, die in ihrem Schädel wütet, und den Schmerzen einfach davonlaufen zu können. Kein Training der Welt kann diesen Wunsch Wirklichkeit werden lassen. Dennoch empfehlen Ärzte ihren Kopfschmerzpatienten häufig, sich ausgiebig zu bewegen - um den Qualen vorzubeugen. Aber schützt körperliches Training tatsächlich vor Kopfschmerzen?

Noch streiten die Wissenschaftler, wie viel der Sport bewirken kann. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass moderates Ausdauertraining zu einer Besserung der Schmerzen führt und zu einer Verkürzung der Migränedauer um rund 50 Prozent. Kritiker bezweifeln die Aussagekraft der Arbeiten, weil diese nicht strengsten Anforderungen genügen.

Ergebnis der Studien macht Mut

Obwohl ein wissenschaftlich wasserdichter Nachweis fehlt, macht ein Ergebnis aus den Studien Mut: Viele Probanden sagten, dass sie infolge des Trainings weniger Schmerzen gespürt hätten. Das entspricht den Erkenntnissen, die wir in der praktischen Arbeit im Zentrum für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule gesammelt haben. 90 Prozent der von uns betreuten Kopfschmerzpatienten berichten von guten Erfahrungen mit regelmäßiger Bewegung.

Dabei profitieren sie auf unterschiedliche Weise davon. Sport baut Stresshormone ab und bringt das vegetative Nervensystem in die Balance, das im unausgeglichenen Zustand Migräneanfälle begünstigt. Außerdem hebt moderates Training die Stimmung, vor allem draußen bei Tageslicht. Viele Patienten spüren durch ihre Aktivität zudem, selbst etwas für ihr Wohlbefinden tun zu können, statt dem Schmerz ausgeliefert zu sein. Training in einer Gruppe lenkt im besten Fall auch von den Schmerzen ab.

Für Kopfschmerzpatienten gelten beim Sport besondere Regeln. Vor allem Migräniker sollten moderat trainieren, weil zu schnelle Bewegungen, Übermüdung und Übersäuerung Anfälle auslösen können. Am besten belasten sie sich so, dass sie stets das Gefühl haben, etwas unterfordert zu sein. Maximal-Krafttraining ist nicht empfehlenswert, weil hohe Belastungsspitzen den Blutdruck steigern und so Belastungskopfschmerzen auslösen können. Ideal sind dagegen Ausdauerdisziplinen wie Laufen, Walken, Radfahren und Schwimmen - am besten mit zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche; dazu möglichst jeden Tag eine halbe Stunde spazieren gehen. Während einer Attacke sollten Migräniker jedoch besser pausieren, denn üblicherweise verstärkt Bewegung den Schmerz.

Bewegung ja, aber nur moderat

Dagegen sollten sich Patienten mit Spannungskopfschmerzen bei akuten Beschwerden erst recht bewegen - aber nur moderat. In schmerzfreien Phasen hilft neben Ausdauersport Krafttraining, Muskeln für schwere Belastungen fit zu machen, die bislang Verspannungen und damit Kopfschmerzen ausgelöst haben.

Achtung: Bewegung ist für alle Kopfschmerzpatienten wichtig, aber die Regeneration sollte nicht vergessen werden. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Yoga bieten einen perfekten Ausgleich zum Training. Und sie lassen nicht nur Körper und Geist, sondern auch Schmerzen zur Ruhe kommen.

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