Genforschung Dem Altern auf der Spur

Eine Genvariante lässt Menschen schneller altern, haben Wissenschaftler jetzt entdeckt
Eine Genvariante lässt Menschen schneller altern, haben Wissenschaftler jetzt entdeckt
© Colourbox
Ewig zu leben ist einer der ältesten Träume der Menschheit. Ob dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird, ist zwar fraglich. Zumindest haben Forscher jetzt eine Genvariante identifiziert, die Menschen schneller altern lässt.

Ein bestimmter Abschnitt auf dem Chromosom 3 regelt offenbar, wie schnell die Körperzellen und damit der Organismus altern. Wer von nur einem Elternteil eine bestimmte genetische Variante geerbt hat, kann mit einer um 3,6 Jahre verkürzten Lebenserwartung rechnen. Britische und niederländische Forscher haben diese Ergebnisse ihrer Studie jetzt im Magazin "Nature Genetics" veröffentlicht. Laut Studienleiter Tim Spector vom Londoner King’s College gibt es also Menschen, die genetisch darauf programmiert sind, schneller zu altern.

Menschen mit dieser Genvariante haben sehr kurze Enden der Chromosomen, auch Telomere genannt. Letztes Jahr hatten die Biologen Elisabeth Blackburn, Carol Greider und Szostak für die Entdeckung der Telomere den Nobelpreis für Medizin erhalten. Telomere bestehen aus einer langen Reihe von Wiederholungen der immer gleichen Bausteinabfolge. Bei jeder Zellteilung verschwindet ein Stück, weil nicht beide Stränge der DNA-Doppelhelix vollständig kopiert werden können. Das macht bis zu einer bestimmten Länge des Telomers nichts. Ist die kritische Schwelle aber erreicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass bei der nächsten Teilung wichtige genetische Informationen verloren gehen. Die Zellen altern und sterben dann ab.

Kurze Telomerstränge, schnelles Altern

Deswegen war die Telomerlänge für die Forscher der Universitäten Leicester, Groningen und des King’s College von besonderem Interesse. Sie suchten im Erbgut von knapp 3000 Menschen nach genetischen Besonderheiten, die nur bei ungewöhnlich kurzen Telomersträngen auftreten. So sollten die für das Altern zuständigen Erbgutabschnitte ausgemacht werden. Tatsächlich fanden sie vier verdächtige Genvarianten, deren Verbindung mit der Telomerlänge sie anhand von weiteren 9000 Datensätzen überprüften. Sie entdeckten, dass eine Region auf Chromosom 3 eindeutig mit der Telomerlänge in Zusammenhang steht. Dieser Bereich liegt in der Nähe eines Gens, dass die Telomerlänge beeinflusst und einen Teil des Bauplans für das Enzym Telomerase trägt. Dieses Enzym sorgt in bestimmten Zelltypen wie zum Beispiel Stammzellen dafür, dass die Telomere immer wieder verlängert werden.

Anscheinend erhöht die genetische Variante auf dem Chromosom 3 tatsächlich das biologische Alter. Organe von Menschen mit dieser Variante könnten also älter und damit auch anfälliger für altersbedingte Krankheiten sein, als das Lebensalter dieser Menschen vermuten ließe. Es könnte jedoch auch dazu führen, dass der Körper äußeren Einflüssen gegenüber, die das Altern fördern, empfindlicher reagiert. Dazu zählt zum Beispiel die UV-Strahlung. Die Forscher wollen jetzt Möglichkeiten finden, um diesen Effekt gezielt zu unterdrücken und das schnellere Altern aufzuhalten.

DDP DDP

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