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Hirnforschung: Vertrauen aus der Spraydose

Der Stoff, aus dem das menschliche Vertrauen ist, heißt offenbar Oxytocin. Schweizer Forscher untersuchten die Wirkung dieses Hirnbotenstoffs. Dafür verpassten sie Versuchsteilnehmern eine Dosis per Nasenspray und ließen sie dann an Verteilungsspielen teilnehmen - mit erstaunlichem Ergebnis.

Von Frank Ochmann

Vertrauen - da ist der Botenstoff Oxytocin im Spiel

Vertrauen - da ist der Botenstoff Oxytocin im Spiel

Wieder einmal hat das Forscherteam um Ernst Fehr an der Universität Zürich in Fragen der Moral zur Spraydose gegriffen: Oxytocin heißt der versprühte Stoff, aus dem das Vertrauen ist. Bei allen Formen enger menschlicher Bindung spielt Oxytocin zusammen mit seinem "männlichen" Verwandten, dem chemisch fast identischen Vasopressin, eine wichtige Rolle. Oxytocin wirkt zwischen Liebenden, Eltern und Kindern, Freunden. Es ist dieser Hirnbotenstoff, der sonst womöglich aufkommende Sorgen und Befürchtungen bei der Begegnung mit anderen reduziert und damit statt Stress ein Gefühl der Geborgenheit verbreitet. Allerdings vielleicht auch dann, wie sich jetzt in einer Untersuchung der Schweizer Wissenschaftler zeigte, wenn das ganz und gar nicht angebracht ist. Die spannende Studie zur Vertrauen bildenden Wirkung des Oxytocins ist eben im Fachjournal "Neuron" erschienen.

Ein Spiel war es nur, auf dass sich die Probanden einlassen sollten. Geld oder Ehre, raffen oder teilen, war die Entscheidung, vor der jeder stand, wenn es darum ging, eine kleine Summe Geldes aufzuteilen. Fifty-fifty, und schon verdreifachte die "Bank" das Grundkapital. Den stattlichen Gewinn allerdings durfte der verteilen, dem das Vertrauen als Investition entgegengebracht worden war. Wenn der sein Gegenüber also jetzt enttäuschte und alles einstrich, konnte er einen anständigen Reibach machen. Andererseits musste er aber damit rechnen, dass eine Kooperation fortan kaum noch möglich war - es sei denn, die Forscher griffen zum Wundermittel, sprühten Oxytocin in die Nasen der betuppten Versuchsfreiwilligen und warteten dann kurz auf die erstaunliche Wirkung.

Unangemessene Vertrauensseligkeit

Solche Botenstoffe dringen nämlich durch die Nasenschleimhäute direkt ins Gehirn ein und entfalten dort - wenigstens im Fall des Oxytocins - eine manchmal völlig unangemessene Vertrauensseligkeit. Auch wenn die Erfahrung lehren musste, dass der "Partner" im Spiel ein übler Schummler war, ließ - paff, paff - das Vertrauensspray nicht zu, dass im Betrogenen Rache oder auch nur Misstrauen aufkeimte. Hirnaufnahmen zeigten sogar, dass die entsprechenden Areale unter dem Einfluss von Oxytocin ebenso angeregt reagierten wie bei der Annahme, es mit einem hoch anständigen, moralisch gefestigten Menschen zu tun zu haben. Das Oxytocin glättete also nicht nur mögliche Aversionen gegen den Raffzahn, es setzte dem aus der Sicht des besprühten Beobachtergehirnes sogar noch einen biochemischen Heiligenschein auf.

Man muss sich wohl nicht lange fragen, ob dieses Experiment bald Interessenten aus dem wahren Leben finden wird.

Der Psychologe Mauricio Delgado von der Rutgers University in Newark, New Jersey, hat die Arbeit der Züricher Forscher in derselben Ausgabe von "Neuron" kommentiert und dabei angeregt, bei künftigen Studien auch zu untersuchen, ob Frauen vielleicht anders reagieren als Männer. Fehrs Gruppe hatte diese interessante Frage erst einmal offen gelassen und nur Männer untersucht, um diesen - da ja noch zu entdeckenden - Effekt des Oxytocins nicht durch einen womöglich sogar größeren Geschlechterunterschied zu überdecken oder wenigstens zu verwischen.

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