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Laufprogramm, Teil 2: Meter für Meter dem Ziel entgegen

Den ersten Schritt haben sie gemacht, jetzt sollen viele tausend weitere folgen: Seit Dezember trainieren drei Einsteiger ein halbes Jahr lang unter professioneller Anleitung. Ihr Ziel: Regelmäßig Sport treiben - und dabei auch noch Spaß haben.

Von Torben Müller

Ein Rest-Feierabend nach einem angespannten Arbeitstag sah für Sabine Kartte früher so aus: nach Hause kommen, eine Stulle im Stehen essen, sich aufs Sofa vor den Fernseher hauen und eine halbe Stunde zappen. Jetzt hat die Journalistin das gewohnte Programm variiert: nach Hause kommen, Sportklamotten anziehen, rausgehen und loslaufen, egal, wie spät es schon ist.

Seit Kartte im Dezember ins Laufprogramm von stern GESUND LEBEN und dem Institut für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg eingestiegen ist, hat sich ihr Leben verändert. Vier Wochen lang hat sie mit Trainer Pedro Gonzalez zunächst Rumpf- und Beinmuskulatur aufgebaut und mit dem Ausdauertraining begonnen. Danach trainierte sie allein.

Inneren Schweinehund überwinden

"In den ersten zwei Wochen fiel mir die Umstellung verdammt schwer", sagt die 46-Jährige. "Plötzlich kam wieder der innere Schweinehund aus seinem Versteck." Doch sie gab der Verführung zum Faulsein nicht nach. Jetzt läuft sie am liebsten nach der Arbeit ("nichts entspannt besser"); bei gutem Wetter im Park, bei schlechtem auf dem Laufband. Hielt sie zu Beginn des Programms maximal 20 Minuten am Stück durch, schafft sie heute bei lockerem Tempo bereits eine Dreiviertelstunde. Vor allem dank der extensiven Intervalleinheiten, die eine wichtige Rolle im Konzept von Trainer Gonzalez spielen. Kartte: "Die sind zwar anstrengend, machen aber Spaß und bringen viel."

Wie gut sich dadurch ihre Kondition entwickelt hat, wurde ihr im zweiwöchigen Wanderurlaub auf Kuba bewusst: "Da bin ich stundenlang bergauf und bergab marschiert, das hätte ich früher nie geschafft."

Petra Bunjes, die zweite Teilnehmerin, ist ohnehin nur im Hellen unterwegs. Weil sie sich Arbeit und Freizeit einteilen kann, trainiert sie auch manchmal vormittags im Hamburger Stadtpark oder an der Alster, wenn nur wenig Menschen auf den sonst so bevölkerten Wegen unterwegs sind. Auch sie musste sich nach dem Ende der Einführung mit Trainer Gerd Martin Fischer von Mollard umstellen. Um sich nicht so sehr auf die Anstrengung zu konzentrieren, probierte sie es unterwegs mit Musik. "Das hat aber nicht geklappt", sagt die 36-Jährige. "Die Stöpsel haben nicht abgelenkt, sondern nur von der Umwelt abgeschnitten." Seitdem genießt sie das Rauschen des Windes - solange er von hinten kommt - oder die Kinderstimmen im Park.

Müde, aber nicht völlig erschöpt

Und dennoch: Wenn Petra Bunjes nicht allein laufen muss, fällt ihr die Anstrengung noch leichter. So schaffte sie im Februar zum ersten Mal die 7,4 Kilometer um die Außenalster (mit zwei kurzen Gehpausen) in Begleitung eines Bekannten, der sie vom Start bis zum Ziel unterhielt. Bunjes: "Der hat so viel geredet, dass ich vom Laufen fast gar nichts mehr gemerkt habe." Nach der Runde sei sie zwar müde, aber nicht völlig erschöpft gewesen - "das hat mich wirklich erstaunt".

Trainer Fischer von Mollard, dem Bunjes von Zeit zu Zeit am Telefon berichtet, ist mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden. "Petra ist eine fleißige Biene und enorm vorangekommen", sagt er. Auch die Ergebnisse der Krafttests im Januar bestätigen das: An der Beinpresse verbesserte sie sich innerhalb eines Monats von 50 auf 70 Kilogramm; an der Brustpresse legte sie von 7,5 auf 12,5 Kilogramm zu. Fischer von Mollard: "Wenn sie auf der Strecke und an den Geräten so weitermacht, ist der Zehnkilometer-Lauf am Ende des Programms für sie kein Problem."

Beeindruckt ist der Trainer aber besonders von Alexander Kratschmayr. Im Dezember schaffte der einstige Sportvermeider kaum sechs Minuten auf dem Laufband. Muskelprobleme am Schienbein und sein Übergewicht machten ihm zu schaffen. Aber vor allem Kratsch-mayrs Einstellung ließ zunächst am Erfolg zweifeln: "Mir fehlt die Selbstdisziplin, mich regelmäßig zum Training aufzuraffen und die Zeit dafür neben den rund 60 Stunden Arbeit pro Woche zu reservieren", sagte er damals.

Im Wochenplan fest eingebettet

Inzwischen hat der selbstständige Versicherungsmakler den Sport in seinen Wochenplan fest eingebettet und seine Bequemlichkeit ausgetrickst: Weil er weiß, dass er noch nicht allein durchhält, hat er Fischer von Mollard weiterhin gebucht.

"Das Training ist super anstrengend", sagt der 25-Jährige. "Aber dadurch fühle ich mich fitter und frischer als früher." Das bleibt auch anderen nicht verborgen: So staunte sein Tennistrainer unlängst über Kratschmayrs zuvor ungekannte Beweglichkeit.

Aus den einstigen sechs Minuten auf dem Laufband ist eine runde halbe Stunde geworden. Mehr als vier Kilometer hat der Einsteiger bereits geschafft. Noch läuft er auf der Maschine, weil er davon jederzeit absteigen kann und nicht kilometerweit zum Start zurückgehen muss. "Wenn ich die fünf Kilometer knacke, laufe ich draußen", sagt Kratschmayr. Und es hört sich so an, als habe er auch diesen Termin schon ganz fest eingeplant.

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