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London: Archäologen graben 3000 Skelette in Innenstadt aus

Bei Bauarbeiten für einen neuen Bahnhof wurde der Bedlam-Friedhof 2013 wiederentdeckt. An die 3000 Skelette, viele von ihnen Opfer der Pest, sollen nun von Archäologen ausgegraben werden.

Der wiederentdeckte Bedlam-Friedhof wurde zwischen 1569 und 1738 genutzt

Der wiederentdeckte Bedlam-Friedhof wurde zwischen 1569 und 1738 genutzt

Dutzende Archäologen sollen in London in den kommenden Wochen rund 3000 menschliche Skelette ausgraben, die unter einem Baugrundstück für ein neues Bahnhofsgebäude in der britischen Hauptstadt liegen. Am Dienstag begannen die Experten der Archäologie-Abteilung des Museum of London auf dem früheren Friedhof Bedlam in der Nähe des Bahnhofs Liverpool Street mit den Grabungsarbeiten. Im Auftrag der Bahngesellschaft Crossrail, die eine neue Ost-West-Verbindung in London baut, sollen rund 60 Archäologen in wechselnden Schichten an sechs Tagen pro Woche die Knochen ausgraben.

Der Bedlam-Friedhof wurde 2013 im Rahmen der Baumaßnahmen entdeckt. Er wurde zwischen 1569 und 1738 genutzt - in diese Zeitspanne fielen etwa der Große Brand von London und mehrere Pest-Epidemien. Seinen Namen verdankte der Friedhof dem nahe gelegenen ältesten psychiatrischen Krankenhaus der Welt, dem Bethlem Royal Hospital, genannt "Bedlam". Er war der erste städtische Friedhof in London und wurde von Bewohnern benutzt, die sich keine kirchliche Beerdigung leisten konnten oder die aus religiösen oder politischen Gründen nicht auf einem kirchlichen Friedhof beigesetzt werden durften.

Knochen werden untersucht

Das Unternehmen Crossrail will die Knochen nach der Ausgrabung untersuchen lassen, bevor sie auf einem anderen Friedhof begraben werden. Demnach sollen die Tests Aufschluss geben über "Wanderungsbewegungen, Ernährung, Lebensgewohnheiten und die Demographie" der Londoner der damaligen Zeit. "Archäologen hoffen, dass die Tests ausgegrabener Pestopfer dabei helfen werden, die Entwicklung des Bakterienstamms der Pest zu verstehen", fügte Crossrail hinzu.

Nach der Entfernung der Knochen sollen die Grabungen in einer tieferen Schicht weitergehen, insgesamt bis zu sechs Meter tief. Laut dem Bahnunternehmen dürften dabei die Überreste einer römischen Straße zum Vorschein kommen. Mehrere Gegenstände, darunter Hufeisen und Urnen, seien bereits gefunden worden. Nach den Ausgrabungen soll eine neue Schalterhalle am Bahnhof Liverpool Street gebaut werden. Im Zuge der Bauarbeiten an der Bahnverbindung, welche die Londoner City unter anderem mit dem Flughafen Heathrow verbinden soll, wurden an mehreren Standorten bereits rund 10.000 Gegenstände ausgegraben.

amt/AFP / AFP
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