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Mumien: Fit für die Ewigkeit

Die alten Ägypter konservierten ihre Toten fürs nächste Leben. Aber auch im 21. Jahrhundert kann man zur Mumie werden.

Was Nofretete recht war, ist Donna Gray billig. Sie will eines Tages zur Mumie werden. Mit ihren 60 Jahren hat die Amerikanerin damit - wenn alles gut geht - noch ein ganzes Weilchen Zeit. Aber die Vorbereitungen laufen schon. Gray hat ihre Lebensversicherung einer Firma überschrieben, die im Gegenzug ihren Körper nach ihrem Ableben für die Ewigkeit haltbar machen soll.

Summum Mummification heißt das in Salt Lake City (US-Staat Utah) ansässige Unternehmen, das diesen nach eigenen Angaben weltweit einzigartigen Mumien-Service anbietet. Insgesamt rund 1400 Menschen haben sich bereits angemeldet. Aber nicht nur Amerikaner seien Kunden bei dem Unternehmen. Auch mehrere Deutsche und andere Europäer interessierten sich für die Mumifizierung, erklärt Firmengründer und -leiter Corky Ra. Sie alle zahlen zu ihren Lebzeiten monatliche Beiträge an eine Lebensversicherung, deren Nutznießer eines Tages Summum sein wird.

Sarkophage mit Gold und Juwelen

Der Wert der Policen liegt zwischen 75 000 und 2,5 Millionen Dollar, erläutert Ra. Die Kosten pro Mumifizierung beziffert er auf ein Minimum von 100 000 Dollar, inklusive der einfachsten Ausführung einer "Mummiform": ein schlichter bronzener Sarkophag und ein Mausoleums- oder Gruftplatz auf einem Friedhof. Aber das Ganze kann Ra zufolge noch viel teurer werden, wenn Summum den Sarkophag exklusiv für den Kunden anfertigt. Einige Mumien-Anwärter ließen sich ihre künftige Behausung mit Gold und Juwelen verzieren.

Würden Sie sich nach Ihrem Tod mumifizieren lassen?

Mehrere Millionen Dollar seien einige Sarkophage wert. Hollywood-Größen, Politiker und Sportstars zählten zu den Klienten von Summum. Diese könnten sich nicht nur exklusive Ruhestätten leisten, sondern auch Extra-Würste. Football-Spieler hätten den Wunsch geäußert, sich in athletischer Pose konservieren zu lassen. Ein Talk-Master wolle in alle Ewigkeit ein Mikrofon in seiner Hand halten. Und die Hollywood-Stars? "Das verrate ich nicht", sagt Ra. "Dann wüssten Sie genau, um wen es sich handelt."

Spirituelles Erwachen

Ra hieß einst Nowell mit Nachnamen und war früher einmal - unter anderem - Aerobic-Lehrer, reisender Vertreter, Mormonen-Missionar und Besitzer der ersten Weinkellerei im puritanischen Utah. Nach der Arbeit, so schildert er, pflegte er die Meditation und erlebte eines Tages sein "persönliches spirituelles Erwachen", eine "Begegnung mit den Geheimnissen der Schöpfung". Als Folge wuchs sein Interesse an der Mumifizierung im Sinne der alten ägyptischen Tradition in dem Glauben, dass die Seele eines Tages in den Körper zurückkehren werde.

Zum ägyptisch klingenden Ra geworden, begann der heute 59-jährige 1980 in Anlehnung an die antiken Mumifizierungsmethoden mit der Entwicklung eines eigenen Rezeptes, das er nach eigenen Angaben bis 1990 perfektionierte und mehrfach patentieren ließ. Unterstützt wurde und wird er weiterhin von John Chew, dem früheren Leiter der Abteilung für Leichenkonservierung an der Lynn University in Boca Raton, Florida.

Beerdigung ist out

Die ganze Sache hat nur einen Haken: Niemand von Summums zahlender Kundschaft hat bisher das Zeitliche gesegnet. Die Mumien-Anwärter stecken im Schnitt in den noch recht knackigen Vierzigern. Eine ganze Reihe der Klienten sei sogar gerade erst Anfang oder Mitte 20, erzählt Ra. Was ihm zufolge auch schon etwas aussagt über die Motive für das künftige Mumien-Dasein. Viele Kunden, zumal die Jüngeren, hielten sich im Leben fit und in Form und wollten ihre Körper auch nach dem Ableben "möglichst frisch" erhalten. Andere schreckten ganz einfach vor den herkömmlichen Bestattungsmethoden - Beerdigung oder Krematorium - zurück, und wiederum andere glaubten wie die alten Ägypter an eine Rückkehr der Seele in den Körper.

Dennoch haben Ra & Co ihre Methode immerhin schon an 30 Toten ausprobieren können. "Freunde und Gönner stellten ihre Körper großzügig zur Verfügung", sagt Ra. Darüber hinaus hat Summum bereits fast 5000 Tiere konserviert - vom kleinen Fink über die Haus-Maus bis zum Dobermann. So leistet denn auch die längst verblichene Katze "Oscar" ihrem Herrchen Ra noch heute Gesellschaft - in Bronze gegossen und fit für die Ewigkeit.

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