Olympia in Peking Wie der Smog den Sportlern schadet


Die Chinesen strengen sich an, die Luft in Peking zu verbessern. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Wie der Smog sich auf die Gesundheit und Leistungen der Sportler auswirkt, weiß niemand genau. Atemmasken für die Athleten wären jedenfalls keine Lösung, sagen Fachleute.
Von Martina Janning

Wer blauen Himmel liebt, ist in Peking falsch. Die meiste Zeit versinkt Chinas Hauptstadt in dichtem grauem Nebel, der an guten Tagen immerhin gelb schimmert. Die obersten Stockwerke von Pekings Hochhäusern lassen sich nur erahnen, oft liegen die Sichtweiten unter 50 Metern, so stark ist der Smog. Die meisten Sportler werden trotzdem zur Olympiade fahren, doch wohl ist vielen dabei nicht.

Zu Recht, sagen Experten. Die verschmutzte Luft verursacht Reizhusten und Atemprobleme. Asthmatiker werden anfälliger für Attacken, die Anfälle dauern zudem länger, berichtet der Umweltmediziner Thomas Eikmann von der Universität Gießen-Marburg. "Besonders belastet sind Athleten, die über einen relativ langen Zeitraum Hochleistungen bringen müssen, also zum Beispiel Marathonläufer, Kanuten und Ruderer."

Der Weltrekordler Haile Gebrselassie, der an Asthma leidet, hat seine Teilnahme beim Olympia-Marathon in Peking bereits abgesagt. Die Luftverschmutzung gefährde seine Gesundheit und es falle ihm schwer, in seiner gesundheitlichen Verfassung 42 Kilometer zu laufen, begründete der Äthiopier seinen Entschluss. Gebrselassie will stattdessen über die Distanz von 10.000 Metern antreten.

Langfristige Schäden nicht ausgeschlossen

Sportmediziner Hans-Georg Predel vermutet, dass der Smog in Peking den Wettkämpfern mehr schaden kann als den Touristen. "Die Ausdauersportler sind zwar gesund und hoch belastbar. Sie sind aber eher weniger geschützt, weil sie extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind und die Schadstoffe bis in die kleinsten Verästelungen der Bronchien gelangen", sagt der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Wie sich Luftschadstoffe langfristig auf die Gesundheit von Leistungssportlern auswirken, weiß man nicht. "Das hat noch niemand systematisch über Jahre hinweg erforscht ", berichtet Predel. Die Olympischen Spiele böten eine gute Gelegenheit. Der Professor überlegt, dem Internationalen Olympischen Komitee eine Untersuchung zu möglichen Langzeitfolgen vorzuschlagen. Die Europäische Union wird in jedem Fall Wissenschaftler nach Peking schicken, die analysieren, wie asthmakranken Sportlern die verschmutzte Luft in Peking bekommt.

Dass Luftschadstoffe nicht nur den Atemorganen zu schaffen machen, zeigte eine Untersuchung von Freizeitjoggern in Los Angeles. Durch den Verkehrsdreck bekamen die Läufer häufiger Herz-Kreislaufkrankheiten wie Arteriosklerose oder Bluthochdruck und erlitten öfter Herzinfarkte als die Menschen in der Kontrollgruppe. "Die negativen Wirkungen hoben jeglichen Nutzen auf, den Sport bringen soll", kommentiert Predel. Schuld daran könnte die Kombination aus Feinstaub und anderen Schadstoffen sein. Smog und Ozon erhöhen wie UV-Strahlen, Rachen und Alkohol den sogenannten oxidativen Stress: So bezeichnen Mediziner den Zustand, wenn der Körper aggressive Moleküle nicht mehr ausreichend abfangen kann und deshalb auf Zellebene geschädigt wird.

Hohe Ozonkonzentration ist ein Problem

Die Olympiafunktionäre sorgen sich besonders wegen der hohen Ozonkonzentration, die im August in Peking herrschen wird. Das Gas, das sich vor allem an heißen Tagen in der Luft bildet, reizt die Augen, Schleimhäute und oberen Atemwege. Hinzu kommt ein anderer großer Luftverschmutzer: der Feinstaub. Einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms Unep zufolge beträgt der jährliche Feinstaub-Mittelwert in Peking 141 bis 166 Mikrogramm pro Kubikmeter. Laut der Weltgesundheitsorganisation stellen bereits Werte über 20 Mikrogramm eine echte Strapaze für das Herz-Kreislauf-System und die Atmung dar. Zwar hat der Sprint-Bundestrainer Klaus Jakobs angekündigt, dass die Sportler notfalls mit Atemmasken laufen, um Feinstaub abzuhalten. "Im Wettkampf bekommen die Läufer damit jedoch nicht genug Luft", urteilt Umweltmediziner Eikmann. Die Folgen wären schlechte Leistungen.

Die Chinesen tun einiges, um die Luftqualität pünktlich zur den Spielen zu verbessern. So müssen alle Fabriken im Umkreis von 120 Kilometern rund um Peking schon in der Trainingsphase sowie während der Wettkämpfe und noch danach ihre Produktion einstellen. Zudem soll der Verkehr in der Stadt drastisch beschränkt werden, indem mehr als ein Drittel der Autos Fahrverbot erhält. Der Effekt ist jedoch fraglich. Denn ein zweiwöchiger Test im vergangenen August hatte die Luftschadstoffe nur um 15 bis 20 Prozent mindern können. Ungewiss ist auch, wie Luftqualität die Wettkampfleistungen der Athleten beeinflusst. Sportmediziner Predel glaubt jedenfalls, dass "wir bei dieser Olympiade keine großen Weltrekorde zu feiern haben werden".


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker