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Tutanchamun: Neue Theorie zur Todesursache des Kinderpharaos

Woran ist der wohl bekannteste ägyptische Pharao Tutanchamun gestorben? Eine schwere Malaria sei der Grund für seinen plötzlichen Tod gewesen, berichtete ein internationales Forscherteam im Februar. Wissenschaftler aus Hamburg stellen dies nun infrage.

Er ist der wohl bekannteste ägyptische Pharao, seine goldene Totenmaske ist weltberühmt: Mit nur neun Jahren bestieg der Kinderpharao Tutanchamun, der vor rund 3300 Jahren lebte, den Thron. Zehn Jahre dauerte seine Herrschaft, dann starb er. Seit sein im Tal der Könige gelegenes Grab 1922 weitgehend unberührt gefunden wurde, ranken sich viele Rätsel um den Herrscher. Auch über die Todesursache wurde viel spekuliert, sogar Mord war im Gespräch.

Erst im Februar waren Wissenschaftler beim Rätselraten um den Todesgrund einen großen Schritt vorangekommen: Eine schwere Malaria in Kombination mit einer Knochenerkrankung sei der Grund für den plötzlichen Tod gewesen, berichtete ein internationales Forscherteam. Nun haben Hamburger Wissenschaftler Zweifel an der Theorie. Tutanchamun sei möglicherweise doch nicht an Malaria in Kombination mit einem seltenen Knochendefekt, sondern an einer erblich bedingten Blutkrankheit gestorben, meinen die Mediziner Christian Timmann und Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI).

Sichelzellenkrankheit statt Malaria

Die Malaria-Theorie stützt sich auf genetische Untersuchungen: Das Wissenschaftlerteam um den Ägyptologen Zahi Hawass hatte im Auftrag der ägyptischen Altertumsverwaltung genetische Profile Tutanchamuns und seiner Verwandten erstellt. Dabei fanden sie die Bestätigung dafür, dass der Herrscher aus einer Inzestbeziehung seines Vaters, des berühmtem Pharaos Echnaton, mit einer seiner Schwestern stammte. Bei der Analyse kamen die Experten zudem zu dem Schluss, dass eine schwere Malaria zusammen mit der Schwächung durch die Köhlersche Knochenkrankheit für den frühen Tod des jungen Pharaos verantwortlich war.

"Malaria in Kombination mit der Köhler-Krankheit als Grund für den frühen Tod Tutanchamuns erscheint uns eher unwahrscheinlich", erklärten Timmann und Meyer. In einem in der US-Fachzeitschrift "The Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Kommentar äußerten die Hamburger Forscher die Vermutung, Tutanchamun sei womöglich eher an der Sichelzellenkrankheit gestorben. Bei dieser nehmen die roten Blutkörperchen eine Sichelform an, verschließen Blutgefäße und schädigen Organe und Knochen.

Weitere DNA-Tests sollen folgen

Es handle sich um eine Erbkrankheit, die insbesondere in Malariegebieten wie Ägypten vorkomme und zudem ähnliche Befunde wie die Köhlersche Knochenkrankheit hervorrufe, teilten Timmann und Meyer mit. Die Sichelzellenkrankheit passe zudem gut zu Tutanchamuns Abstammung aus einer Inzestbeziehung und seinem Tod als junger Erwachsener. Todesfälle in Folge von Malaria träten nach Erfahrung von Tropenmedizinern dagegen meist im Kindesalter auf, später nur noch sehr selten. Zur endgültigen Klärung der Todesursache sollten weitere DNA-Tests an der Mumie Tutanchamuns veranlasst werden.

Schlag auf den Kopf als Ursache ausgeschlossen

Die Spekulationen über die Todesursache gehen damit in die nächste Runde. Vor den Hawass-Ergebnissen hatte ein internationales Forscherteam per Computertomographie eine möglicherweise schon vor dem Tod vorhandene Fraktur des Oberschenkelknochens festgestellt. Dabei könnte es sich um eine offene Wunde gehandelt haben, die sich infiziert und damit zum Tod des Königs geführt habe, sagt der Radiologe Ashraf Selim von der Universität Kairo 2006 auf einer Fachtagung in Chicago.

Eine ältere Hypothese ging davon aus, dass Tutanchamun nach einem Schlag auf den Kopf gestorben war, erwies sich schon damals als nicht haltbar. Die am Kopf gefundenen Knochensplitter, die zu dieser Annahme geführt hatten, stammten laut Selim vom ersten Halswirbel. Dort seien sie vermutlich abgebrochen, als die Expedition um Howard Carter 1922 das Grab im Tal der Könige gefunden und versucht habe, eine Goldmaske zu lösen.

lea/AFP/APN