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Ältester Baum in Großbritannien: Baum ändert sein Geschlecht - nach Tausenden Jahren

Diese Eibe ist nicht nur sehr alt, sondern auch männlich. Oder besser: war es. Ein Zweig überraschte nämlich die Botaniker und outete sich als weiblich. Die Blüten sind eindeutig: Der Baum hat plötzlich zwei Geschlechter.

Die Fortingall-Eibe hatte einst einen Umfang von 17 Metern. Mittlerweile ist sie etwas eingefallen und ihr Stamm hat sich aufgespalten. Nichtsdestotrotz erfreut sie sich bester Gesundheit - und nun auch zweier Geschlechter.

Die Fortingall-Eibe hatte einst einen Umfang von 17 Metern. Mittlerweile ist sie etwas eingefallen und ihr Stamm hat sich aufgespalten. Nichtsdestotrotz erfreut sie sich bester Gesundheit - und nun auch zweier Geschlechter.

Ein bisschen kommt man sich vor wie im Zoo: In einem kleinen schottischen Dorf  stehen die Besucher hinter einer Steinmauer, durch Gitter hindurch dürfen sie einen Blick auf das Lebewesen dahinter werfen. Allerdings sind es nicht die Besucher, die durch diese Begrenzung geschützt werden sollen, auf der anderen Seite wartet auch kein wildes Tier: Ein riesiger Nadelbaum, der als Fortingall-Eibe bekannt wurde, soll vor skrupellosen Souvenirjägern bewahrt werden.

Er ist aber auch eine imposante Erscheinung - im Jahr 1769 hatte er einen Umfang von 17 Metern. Ein Stück vom ältesten Baum Großbritanniens, vielleicht sogar Europas, das scheint einen gewissen Reiz zu haben. Und es ist kaum vorstellbar, was diese Eibe schon alles erlebt haben dürfte. Denn die Forscher sind sich sicher, dass der Baum mehrere Tausend Jahre alt ist. Sein genaues Alter lässt sich allerdings nicht mehr bestimmen: Die Jahresringe im Inneren des Baumes sind schon verrottet. 2000 Jahre alt ist er aber auf jeden Fall, vielleicht sogar bis zu 5000. Zu diesem Zeitpunkt standen noch keine Cheops-Pyramide und auch die Steinkreise von Stonehenge gab es noch nicht.

Nach all den Jahren war im Leben dieses Baumes aber anscheinend die Zeit für Veränderungen gekommen - und er wechselte sein Geschlecht.

Männlich? Weiblich? Beides!

Auch Max Cole vom Botanischen Garten in Edinburgh staunte da nicht schlecht: Jedes Jahr im Winter bildete die Fortingal-Eibe kleine Blüten, grün-gelb und rund  - die Eibe war eindeutig männlich. Sobald sie reif waren, ließen sie ausgiebige Mengen Pollen in die Umgebung frei, damit der Wind sie zu einer weiblichen Pflanze tragen könnte. Dieses Jahr aber gibt es auf diesem durch und durch männlichen Baum einen Ast, der leuchtend rote Früchte trägt - das Markenzeichen von weiblichen Eiben. "Wie es scheint, hat bei der Fortingall-Eibe ein kleiner Zweig am äußeren Rand der Krone umgeschaltet und verhält sich jetzt weiblich.", erklärt Cole und fügt hinzu: Auch wenn es  merkwürdig klinge: Eiben, genau wie andere Nadelbäume, die eigentlich nur ein Geschlecht pro Baum haben, seien in der Lage ihr Geschlecht zu wechseln. 

Die Gründe  dafür können ganz unterschiedlich sein, manchmal reichen schon veränderte Umweltbedingungen aus. Dass die Fortingall-Eibe sich nun nach mehreren Tausend Jahren einer vollständigen Geschlechtsumwandlung unterziehen wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Meistens beschränke sich dieser Wechsel nur auf einen Teil der Krone, so Cole. Wie stark der Baum seine weibliche Seite in den nächsten hundert Jahren ausprägen wird, kann man nicht vorhersagen - da er aber bei bester Gesundheit ist, besteht eine gute Chance, dass Botaniker auch in entfernter Zukunft noch ein Auge auf das Geschlecht des Baumes haben werden. 

vs