Ameisenforschung Sexpolizistinnen auf Eier-Patrouille

Auch im Ameisenstaat gibt es eine Polizei - und sie hat eine delikate Aufgabe: Sie kontrolliert, welche der Arbeiterinnen sich illegal fortpflanzen wollen. Spüren die Polizistinnen Gesetzesbrecherinnen auf, gehen sie wenig zimperlich vor.

Auch in einem Ameisenstaat darf nicht jeder die Polizeiarbeit machen. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-dänisches Forscherteam: Lediglich einige wenige Arbeiterinnen sind dafür zuständig, Artgenossinnen zu bestrafen, die sich illegal fortpflanzen. Interessanterweise, so die Beobachtung der Biologen, nutzen die Polizeistreifen dabei ihre Stellung nicht aus, etwa um selber eigenen Nachwuchs zu produzieren. Bisher seien solche uneigennützigen Kontrolltruppen lediglich bei Affen beobachtet worden, schreiben Jürgen Heinze von der Universität Regensburg und seine Kollegen. Sie stellen ihre Arbeit in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" vor.

Das enge Zusammenleben in einem Ameisenstaat funktioniert nur, weil alle Aufgaben einer strikten Arbeitsteilung unterliegen: Die Königin ist dafür zuständig, Eier zu legen, während die Arbeiterinnen alle anderen Tätigkeiten untereinander aufteilen. Einige spezialisieren sich dabei auf die Nahrungssuche, andere auf die Brutpflege und wieder andere auf die Verteidigung des Nestes. Das geht allerdings nur dann gut, wenn alle Arbeiterinnen zugunsten der Gemeinschaft auf eigenen Nachwuchs verzichten - eine Bedingung, die bei den meisten sozialen Insekten strikt kontrolliert wird. Dabei gibt es vor allem zwei Mittel, mit denen die Tiere illegalen Nachwuchs zu verhindern suchen: Sie fressen alle Eier, die nicht von der Königin stammen, und greifen alle fortpflanzungswilligen Arbeiterinnen mit Bissen und Stichen an.

Polizistinnen ohne Fortpflanzungsorgane

Obwohl alle Individuen im Staat ein großes Interesse an solchen Kontrollen haben, obliegt ihre Ausübung nicht allen Arbeiterinnen, haben Heinze und sein Team nun bei einigen Völkern tropischer Stachelameisen beobachtet. So ergriffen von 142 Tieren mit Kontakt zu renitenten Arbeiterinnen nur 68 tatsächlich Maßnahmen, und von den 150 Ameisen, die auf ein illegales Ei trafen, fühlten sich nur 50 dafür zuständig, es auch zu fressen. 14 von ihnen waren dabei besonders aktiv und fraßen zusammen mehr als die Hälfte der insgesamt beseitigten Eier.

Was die Polizistinnen genau von den anderen Arbeiterinnen unterschied, können die Forscher noch nicht sagen. Möglicherweise können sie Eier und fortpflanzungsbereite Arbeiterinnen einfach besser aufspüren als andere, spekulieren sie. Vielleicht seien sie aber auch deswegen für die Polizeiarbeit zuständig, weil diese zu ihren sonstigen Aufgabenbereichen passt. Die aggressiven Kämpferinnen könnten etwa zu den Wächterinnen und die eierfressenden Aufräumtruppen zu den Brutpflegerinnen gehören. Auf keinen Fall diente die Polizeiarbeit jedoch dazu, unbehelligt selbst illegale Eier zu produzieren, wie es etwa bei einigen Wespen der Fall ist, betonen die Forscher: Keine einzige der Polizistinnen besaß voll entwickelte Fortpflanzungsorgane.

DDP DDP

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