Brainwalking Fitness fürs Hirn


Durch deutsche Parks und Seminarräume rollt eine neue Fitnesswelle: Nach Jogging und Walking, Yoga und Wellness wird jetzt zunehmend Training fürs Gehirn angeboten - wie beim "Brainwalk".

Training fürs Gehirn soll das Gedächtnis, die Konzentration und die Kreativität fördern. In der "Gesellschaft für Gehirntraining" propagieren deutsche Psychologen ein "Mentales Aktivierungstraining". Die Psychologin Stefanie Probst (37) ist Hamburger Landesvorsitzende und bietet seit Anfang des Jahres den "Brainwalk" an. Zum Start des Gehirnlaufs im Botanischen Garten finden sich ein knappes Dutzend Teilnehmer an, einige junge, vor allem aber ältere Leute darunter. Die Gruppe folgt im Spazierschritt der Trainerin durch den sommerlichen Park.

Mit kleinen Gummibällchen mit Noppen müssen die Teilnehmer verschiedene Bewegungen machen, die bestimmten Begriffen zugeordnet sind. Immer wieder muss man sich manche Begriffe oder andere Sachen schnell merken. Ohne hinzugucken sollen die "Brainwalker" verschiedene frische Kräuter mit Fingern und Nase erkennen oder beliebige Wörter mit bestimmten Anfangsbuchstaben aufsagen. "Fenchel - Fichte - Finanzamt", schallt es durch den Botanischen Garten. Andere Parkbesucher gucken neugierig oder amüsiert.

Im Gehen lernen wir besser

"Die geistige Leistungsfähigkeit ist beim Gehen um 20 Prozent höher als im Sitzen", sagt Probst. "Das Gehirn ist extrem sauerstoffraubend." Die alten Griechen philosophierten deshalb gerne per pedes. In deutschen Schulen dagegen, so kritisiert Probst, lernten die Schüler oft unter denkbar ungünstigen Bedingungen - im Sitzen, ohne Bewegung. Selbst das fürs Denken durchaus günstige Kaugummikauen ist oft verboten. Doch die verschiedenen Übungen können nicht nur Schülern helfen - sie sollen wahre kleine Wunder auch bei Erwachsenen bewirken.

In der so genannten SIMA-Studie hat das Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen die Wirksamkeit bestimmter Übungen fürs Gehirn nachgewiesen. 375 Versuchspersonen zwischen 75 und 93 Jahren nahmen teil. "Eine Kombination aus Gedächtnis- und Bewegungstraining wirkt dem Hirnalterungsprozess entgegen", bilanzierten die Forscher. Auch Jüngeren helfen die Übungen nach Überzeugung der "Gesellschaft für Gehirntraining", sich besser zu konzentrieren oder Dinge sicherer merken zu können - täglich zehn Minuten sollen reichen.

Gehirn-Jogging oder Neurobic

Im Schwarzwald und auch vielerorts sonst in Deutschland haben so genannte Barfuß-Parks aufgemacht, über die der Fußsohlen-Tastsinn durch entsprechende Spaziergänge gekitzelt werden kann. Nicht zuletzt die entsprechenden Hirnregionen sollen mitgekitzelt werden. Und was im Hamburg "Brainwalk" heißt, wird andernorts auch unter "Gehirn-Jogging" oder "Neurobic" angeboten. Probst betont dabei, dass ihr "Brainwalk" - bei allem medizinischen Background - nichts mit oft nervenaufreibender Therapie zu tun haben soll: "Das soll den Leuten Spaß machen und sie anregen."

Basil Wegener/DPA DPA

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