Dicke Haustiere Die fetten Jahre sind vorbei


Nicht nur die Amerikaner werden immer dicker, sondern auch ihre Haustiere. Mehr Bewegung und Light-Produkte sollen bei Bello und Miezi die Pfunde purzeln lassen.

"Diät-Rinderscheiben in pikanter Soße" stehen auf dem Therapieplan des 8- jährigen Husky-Mischlings Fletch, dazu ein 30-minütiger Spaziergang. "Es hilft alles nichts, die Kilos müssen runter", sagt sein Herrchen, denn Fletch ist zu dick. Nicht nur Amerikaner kämpfen gegen die Fettleibigkeit. Auch ihre Haustiere plagen sich mit überflüssigen Pfunden herum. Spezielle Abspeckprogramme sollen die Vierbeiner wieder fit machen.

Fettleibige "Appartment-Tiere" schon in den 80ern

"Früher ist ein Hund den ganzen Tag auf dem Hof herumgelaufen, heute ist er oft nur noch in der Wohnung", begründet die Präsidentin des Amerikanischen Tierarztverbandes (American Veterinary Medical Association), Dr. Bonnie Beaver, das wachsende Problem. Rund ein Viertel aller Hunde und Katzen in den USA ist schon übergewichtig, wie eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften (National Academy of Sciences) in Washington belegt.

Fettleibige "Appartment-Tiere" sind keine neue Erscheinung. "Wir beobachten dieses Phänomen vermehrt seit Ende der achtziger Jahre", sagt Tony Buffington, Professor für Veterinärmedizin an der Ohio- Universität. Die Gewichtszunahme sei nahezu parallel zu der Entwicklung beim Menschen verlaufen. Heute sind zwei Drittel aller Amerikaner nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums zu schwer.

"Zu viel Kalorien und zu wenig Bewegung", lautet der Grund für das Gewichtsproblem sowohl bei den Zwei- wie bei den Vierbeinern. "Wir registrieren vermehrt übergewichtige Tiere in Städten, aber das Phänomen hat längst auch Hunde und Katzen in ländlichen Gegenden erreicht", sagt Buffington.

Light-Produkte für Tiere erobern die Regale der Tierhandlungen

Die Folgen sind gravierend. "Krankheiten wie Diabetes, Arthritis oder Herzprobleme sind bei übergewichtigen Hunden und Katzen keine Seltenheit", sagt Tierärztin Christine Merle von der Universität Illinois. Wie fettleibige Menschen litten die Tiere oft unter starken Rücken- und Hüftschmerzen. Mit zu vielen "Leckerlis" täten die Halter den Tieren keinen Gefallen. "Fettleibige Tiere sterben im Schnitt zwei Jahre früher als ihre schlanken Artgenossen."

Einen direkten Zusammenhang zwischen den Speckrollen des Herrchens und dem Übergewicht des Tieres konnten die Forscher bislang zwar nicht nachweisen. "Tendenziell neigen übergewichtige Menschen jedoch eher dazu, auch ihrem Haustier zu viel Futter zu geben", erklärt Beaver vom US-Tierarztverband.

Inzwischen hat in den USA der "gemeinsame Kampf" gegen die Pfunde begonnen. In den Regalen der Tierhandlungen finden sich "gemahlene Diät-Gourmet-Pasta" für die Katze oder "Hühnchenstücke light" für den Hund, dazu hunderte von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamine, Proteine und Minderalien.

Zahlreiche Institute bieten Kurse für Mensch und Tier an. So können Betroffene in einem individuellen "Gewichts-Reduktions- Programm" in der Tierklinik der Universität Ohio lernen, jeden Tag 30 Minuten Sport zu treiben und gemeinsam gesünder zu essen. Ausgewogene Zutaten, reduzierte Fette und ausreichend Ballaststoffe - dieser Grundsatz gilt für beide. "Der beste Weg ist jedoch, Übergewicht von vornherein zu vermeiden", sagt Dr. Merle. Dann bleiben Fletch und seinem Herrchen strenge Diätpläne und Sport-Therapien erspart.

Tanja Trenz, DPA


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