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Genforschung: Methusalem-Protein entdeckt

Ein Eiweiß, das die Insulinfreigabe im Körper kontrolliert, schenkt Mäusen ein längeres Leben. Doch die erhöhte Lebenszeit hat einen hohen Preis.

Männliche Nager lebten bis zu 31 Prozent länger, wenn sie mehr von dem Protein produzierten. Mäuseweibchen gewannen rund 20 Prozent an Lebenszeit hinzu. Das berichtet Makoto Kuro-o von der Universität von Texas am Freitag in der Onlineausgabe von "Science". Das Hormon Insulin steuert den Zuckerhaushalt und spielt unter anderem eine große Rolle bei Diabetes. Das Team um Kuro-o nannte den neuen Eiweißstoff Klotho nach der griechischen Göttin, die der Mythologie zufolge den Lebensfaden spinnt.

Nachteil: Diabetesgefahr und weniger Nachwuchs

Allerdings hat die zusätzliche Lebenszeit auch Schattenseiten. Mäuse, die durch einen gentechnischen Trick mehr Klotho produzieren, neigen zu Diabetes. Außerdem haben sie nur etwa die Hälfte des Nachwuchses, den andere Nager mit natürlichem Klotho-Spiegel hervorbringen.

Dessen ungeachtet begrüßen andere Wissenschaftler das Klotho-Gen als Bereicherung der kurzen Liste lebensverlängernder Gene. "Ich glaube nicht, dass wir jemals ein Gen finden werden, das wie ein Hauptschalter die Lebensspanne reguliert", merkte der Genforscher Harry Dietz von der Johns Hopkins Universität in Baltimore in einem "Science"-Kommentar an. "Aber dieses Gen kommt der Erwartung bisher am nächsten". Dietz untersucht das menschliche Gen, das dem Klotho- Gen von Mäusen entspricht.

Mäuse mit Klotho-Mangel sterben früh an Arterienverkalkung und anderen Alterskrankheiten, hatten Forscher schon Ende der 1990er Jahre berichtet. Deshalb züchteten Kuro-o und Kollegen in den USA und Japan jetzt Nager, die Klotho vermehrt produzieren. Dass sie in den Insulin-Haushalt eingreifen, bestätigt andere Studien, die in der Insulinsteuerung ebenfalls den ausschlaggebenden Faktor für die Lebensspanne entdeckt hatten. Normalerweise wird eine Labormaus etwas zwei Jahre alt.

DPA

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