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Kluge Überlebensstrategie: Stachelmäuse ziehen blank, um Angreifern zu entkommen

Einige Mäuse entgehen ihren Feinden mit einer besonderen Taktik: Sie werfen Haut und Haar vollständig ab. Die Wunden heilen schnell und ohne Narben. Das könnte als Grundlage für neue Therapien dienen.

Von Panzer über Sich-Totstellen bis hin zu Mimikry – die Palette tierischer Abwehrmechanismen beinhaltet ganz unterschiedliche Strategien. Auch einige Arten afrikanischer Stachelmäuse entgehen ihren Angreifern mit einer List: Sie werfen Teile ihrer Haut ab. Dabei können großflächige Wunden entstehen, die aber innerhalb kurzer Zeit vollständig heilen, berichten Forscher aus Kenia und den USA in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 489, S. 561). Das Besondere: Die Haut der Mäuse vernarbt nicht, sondern wächst komplett mit Drüsen und Haaren nach. Möglicherweise lassen sich mit Hilfe der Stachelmäuse Wege finden, auch beim Menschen nach einer Verletzung die Neubildung von Haut und anderen Geweben anzuregen, hoffen die Wissenschaftler.

Von einigen Tieren ist bekannt, dass sie bei Gefahr Teile ihres Körpers abwerfen und diese dann regeneriert werden. Fachleute nennen das Autotomie. Eidechsen zum Beispiel opfern ein Stück ihres Schwanzes, um Angreifer abzulenken und zu fliehen. Der Schwanz wächst dann - wenn auch meist in verkürzter Form - nach. Auch von Stachelmäusen (Acomys) ist bereits bekannt, dass sie die Haut ihres Schwanzes abwerfen können. Das Team um Ashley Seifert von der University of Florida (Gainesville/US-Staat Florida) untersuchte nun einzelne Hinweise darauf, dass zwei afrikanische Stachelmausarten (Acomys kempi und Acomys percivali) auch am Rücken ihre Haut leicht loswerden können.

Nach vier Wochen sind die Wunden verheilt - und zwar ohne Narben

Dass diese Hinweise stimmen, stellten die Forscher augenblicklich fest, als sie einige Exemplare in Kenia im Freiland fangen wollten: In der Hand der Wissenschaftler ließen die Stachelmäuse buchstäblich die Hüllen fallen. Große Hautflächen gingen verloren, so dass das Fleisch darunter sichtbar wurde. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Haut der Stachelmäuse ausgesprochen brüchig ist und sehr leicht reißt. Ihre Festigkeit ist etwa 20 Mal geringer als bei einer gewöhnlichen Hausmaus (Mus musculus). Eine Art Sollbruchstelle fanden die Wissenschaftler aber nicht.

Die Heilung der Wunde setzte schnell ein: Schon nach einem Tag war die Wundfläche deutlich kleiner geworden. Innerhalb eines Monats war die Haut samt Haaren regeneriert - und das ohne jegliche Narben. Für die Bildung der neuen Haarfollikel hatten die Mäuse Signalwege aktiviert, die normalerweise während der Embryonalentwicklung ablaufen. Schließlich stanzten die Forscher Löcher in die Ohrmuscheln der Stachelmäuse. Selbst diese Wunden schlossen sich sehr schnell. Es bildeten sich Haut, Talgdrüsen, Knorpel und wiederum Haarfollikel. Lediglich eine Regeneration von Muskelgewebe stellten die Forscher nicht fest. Die Vorgänge auf Zellebene ähnelten denen bei Salamandern, wie weitere Untersuchungen zeigten.

as/DPA / DPA
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