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Kreationisten-Museum: Und Gott schuf Adam, Eva und T-Rex

Kreationisten haben ein Museum in den USA eröffnet, das die biblische Schöpfungsgeschichte wissenschaftlich darstellen soll. So sollen Adam und Eva mit Dinosauriern zusammen im Garten Eden gelebt haben. Wissenschaftler laufen Sturm.

Nichts ist echt im ersten "Creation Museum" der USA - bis auf ein paar Schildkröten im Teich. Adam trägt seinen dichten Bart in einem wachsfarbenen Gesicht. Eva entspringt perfekt frisiert und selig lächelnd aus einer seiner Rippen. Kain beugt sich - auch er elektronisch gesteuert - über seinen gerade erschlagenen Bruder Abel. Andere Figuren in Lebensgröße sägen und hämmern an der Arche Noah, und Methusalem ruft mit warnender Stimme: "Mit jedem Tag rückt das jüngste Gericht näher."

Im Jahr 4004 vor Christus soll die Erde erschaffen worden sein

5000 Quadratmeter füllt das Kreationismus-Museum in Petersburg bei Cincinnati mit Szenen aus der Bibel. Ihnen käme aber nicht etwa nur allegorische Bedeutung zu, sagt Museumsdirektor Ken Ham. Vielmehr wiesen sie die Schöpfungsgeschichte nunmehr "wissenschaftlich" nach. Der Bibel zufolge war die Erde in sechs Tagen geschaffen worden - der Berechnung eines Bischofs im 17. Jahrhundert nach im Jahr 4004 vor Christus. Es behauptet sogar, dass Adam und Eva bis zum verhängnisvollen Biss in den Apfel mit - hier friedlich Pflanzen fressenden - Tyrannosaurus-rex- Dinosauriern Seite an Seite im Garten Eden lebten.

Tausende amerikanischer Forscher und Lehrer sehen in dem am Montag eröffneten Museum die jüngste Attacke von Kreationisten und Anhängern der Theorie vom "Intelligenten Design" gegen Darwins Evolutionslehre. Das US-Nationale Zentrum für naturwissenschaftliche Erziehung nennt es "das Disneyland der Kreationisten". Tatsächlich entstand das "Creation Museum" unter der kreativen Federführung des Designers Patrick Marsh, der in Floridas Universal Studios die Attraktionen zu den Kinohits "Jaws" und "King Kong" entworfen hatte.

20 Dollar Eintritt

Gründer der neuen Einrichtung ist eine Gruppe von Evangelisten, die sich "Answers in Genesis" (AiG) nennt. Sie sammelte private Spenden von insgesamt 27 Millionen Dollar (20 Millionen Euro), die meisten in Höhe von je 100 Dollar, für ihr Projekt. Mit seiner strategisch ausgeklügelten Lage im Zentrum der USA ist das Museum laut AiG für Zweidrittel der amerikanischen Bevölkerung in weniger als sechs Stunden Autofahrt erreichbar.

Es soll zwischen 2000 und 3000 Besucher pro Tag in ihrem Glauben zur göttlichen Schöpfung bestärken - oder auch dazu bekehren. Sonst würde demnächst auch noch die Jungfrauengeburt oder die Auferstehung von Jesus Christus angezweifelt werden, begründet Direktor Ham die Botschaft seines Museums. Diese kommt aber keineswegs umsonst. Mit einem Eintritt von knapp 20 Dollar pro Erwachsenem trauen sich die Kreationisten auf das Preisniveau des New Yorker Metropolitan Museums mit seinen Originalen aus ebenfalls Tausenden von Jahren.

Adam und Eva, friedlich neben Dinos

Zur offiziellen Einweihung am Montag demonstrierten Anhänger einer Gruppe, die sich DefCon oder Campaign to Defend the Constitution (Kampagne zur Verteidigung der Verfassung) nennt, vor dem Museum. US- Medien wie die "New York Times" und die "Washington Post" berichteten ungläubig spöttelnd über den historischen Rahmen der Kreationisten- Ausstellung: Sie scheue sich nicht, Adam und Eva neben Dinosauriern zu platzieren, die nach wissenschaftlicher Erkenntnis bereits seit gut 60 Millionen Jahren nicht mehr die Erde bevölkern.

Gisela Ostwald/DPA / DPA
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