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Luftverschmutzung: Umweltzonen verlängern Leben

Stinker müssen draußen bleiben: Seit dem 1. März gelten in acht Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg Umweltzonen für PKW. Ohne Feinstaubplakette darf kein Auto mehr in die Innenstadt. Dass sich damit Luftqualität und Lebenserwartung der Anwohner verbessern lassen, zeigt eine britische Studie zu den Auswirkungen der Londoner City-Maut.

Vor fünf Jahren hatte Londons Bürgermeister genug von der schlechten Luft in der Innenstadt und nahm die Autofahrer in die Pflicht. Zwar erließ er kein striktes Fahrverbot, dafür aber eine City-Maut, die Autos aus der Innenstadt fernhalten sollte. Wer mit seinem PKW während der Arbeitszeit in die City fahren will, muss seither acht Pfund (derzeit 10,50 Euro) am Tag zahlen.

Wie sich die Maut auf die Luftqualität und Gesundheit der Anwohner auswirkt, haben Umweltmediziner vom Londoner King's College analysiert. Sie werteten Messdaten zur durchschnittlichen Stickstoffdioxid- und Feinstaubkonzentration aus und wiesen nach, dass sich die Luftverschmutzung in ganz London verringert hat. "Die beträchtlicheren Reduktionen gab es aber in der Maut-Zone", erklärt Cathryn Tonne, eine Forscherin der Environmental Research Group am King's College. Vor allem die Stickstoffdioxid-Belastung sei sehr stark gesunken. Zudem habe sich die Luftqualität in den ärmsten Gegenden Londons am stärksten verbessert.

Welchen Einfluss es auf die Lebenserwartung der Londoner hat, dass sie nun bessere Luft einatmen, ermittelten die Wissenschaftler mithilfe einer Computersimulation, in die sie die Messwerte einfließen ließen. Für die 21 Quadratkilometer große Maut-Zone errechneten sie einen Zugewinn an 183 Lebensjahren pro 10.000 Einwohner. Für die Gesamtstadt ergab sich ein geschätzter Gewinn von 1888 Jahren - bislang also eine eher dürftige Bilanz, wie die Forscher selbst zugeben. Doch sie kommen zu dem Schluss: "Maßnahmen, die größere geografische Gebiete und Bevölkerungen betreffen, und direkt darauf abzielen, Autoabgase zu mindern, haben sicher größere Auswirkungen auf die Gesundheit."

Der erste Schritt dafür ist bereits getan: Seit Februar bittet Londons Bürgermeister Ken Livingstone LKW-Fahrer zur Kasse, die mit einem schadstoffintensiven Vehikel durch den Großraum London fahren wollen. 200 Pfund (derzeit 261 Euro) kostet die Tour. In den kommenden zwei Jahren sollen auch Busse und Kleintransporter ebenso wie Wohnmobile mit einer Maut belegt werden. Nach Angaben des Bürgermeisters soll die "Low Emission Zone" bis 2012 Einsparungen von 250 Millionen Pfund im Gesundheitswesen bringen.

Auch in vielen deutschen Großstädten soll die Luft besser werden, vor allem die Feinstaubbelastung sinken. Den Anfang machten Berlin, Hannover und Köln, die im Januar Umweltzonen in ihren Innenstädten einführten. Seither dürfen nur noch solche Autos in der City herumfahren, die nicht zu viel Schadstoffe ausstoßen und dies mit einer Feinstaubplakette nachweisen können. Alle anderen haben Fahrverbot. Seit dem 1. März gilt diese Regelung auch in den Innenstädten von Stuttgart, Mannheim, Tübingen, Ludwigsburg, Leonberg, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd und Ilsfeld.

wüs/DPA / DPA
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