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Neandertaler: Forscher setzen Gen-Puzzle zusammen

Erstmals haben Forscher größere Teile des Neandertaler-Genoms entschlüsselt. Das Erbgut des Urmenschen verrät ihnen auch einiges über die Wurzeln des Homo sapiens.

Auf dem Weg zur Entschlüsselung des Neandertaler-Erbguts sind zwei internationale Forscherteams einen großen Schritt weitergekommen: Zum ersten Mal gelang es ihnen, größere Stücke aus dem Genom des Frühmenschen zu analysieren und sie zudem mit Erbgutteilen von Schimpanse und modernem Menschen zu vergleichen. Demnach begann die Trennung der Linien von Homo sapiens und Neandertaler vor 700.000 bis 500.000 Jahren und war vor etwa 400.000 Jahren abgeschlossen.

Der aktuelle Erfolg zeige, dass eine vollständige Sequenzierung des Neandertalergenoms entgegen früherer Befürchtungen möglich sei, berichteten die beiden Studienleiter Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Edward Rubin vom Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley auf einer Pressekonferenz.

Eine Million Basenpaare sequenziert

Bislang scheiterte die Entschlüsselung der Neandertaler-DNA hauptsächlich am schlechten Zustand der Proben und dem Problem, dass fast alle Neandertaler-Überreste mit DNA-Proben der Menschen übersät sind, die sie gefunden oder untersucht haben. Pääbo und sein Team identifizierten nun jedoch ein 38.000 Jahre altes Oberschenkelknochenfragment aus einer Höhle in Kroatien, das gut erhalten und gleichzeitig kaum mit menschlichem Erbgut verunreinigt war. "Wir hatten Glück, dieser Knochen war so klein und uninteressant, dass er wenig angefasst wurde", sagte Pääbo.

Die Analyse zeigte, dass der größte Teil des Erbmaterials von Pflanzen und Mikroorganismen stammte, die den Knochen im Lauf der Zeit besiedelt hatten, und nur etwa sechs Prozent von einem Neandertaler. Rubins Gruppe gelang es, davon rund 65.000 Bausteinpaare zu entschlüsseln, während Pääbos Team mit einem etwas anderen Ansatz ungefähr eine Million Basenpaare sequenzierte.

Das ist bei einer geschätzten Gesamtgröße des Neandertalergenoms von mehr als drei Milliarden Bausteinpaaren zwar immer noch recht wenig, zeigt aber, "dass die Methode prinzipiell funktioniert", betonten beide Forscher. Sie sind zuversichtlich, in etwa zwei Jahren einen groben Entwurf des gesamten Erbguts vorliegen zu haben. "Dazu bräuchten wir schätzungsweise zwei bis vier Gramm Knochenmaterial", sagte Pääbo.

Extrem hohe Übereinstimmung

Von der Entschlüsselung versprechen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber, was den modernen Menschen von seinem weniger erfolgreichen Verwandten unterscheidet und wie sich die Menschen seit der Abspaltung vom Affen entwickelt haben. Erste Schlüsse können die Forscher jedoch schon aus den aktuellen Ergebnissen ziehen. "Die Übereinstimmung zwischen Neandertaler und modernem Menschen liegt extrem hoch - bei etwa 99,5 bis 99,9 Prozent", sagte Rubin. Eine Vermischung der beiden Arten nach ihrer Trennung können sie zwar nicht vollständig ausschließen, bislang gebe es aber keinerlei Hinweise darauf, sagte Pääbo.

DDP / DDP