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Tierwelt: Riesentukan kühlt Körper über den Schnabel

Die großen und farbigen Schnäbel der Tukane sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern dienen den Vögeln als ein riesiger Kühler. Wie kanadische Forscher nun herausgefunden haben, können die Tiere damit kurzfristig bis zu viermal mehr Wärme abgeben, als ihr Körper gerade produziert. Ein Rekord im Tierreich.

Der große, gelb-orange Schnabel des Riesentukans ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern zugleich ein riesiger Kühl-Apparat. Durch feine Adern unter seiner Oberfläche können die Vögel damit Wärme abgeben und so ihre Körpertemperatur regulieren. Dies berichtet ein kanadisches Forscherteam im Fachmagazin "Science".

Bislang hatten Wissenschaftler ganz unterschiedliche Theorien, wieso Tukane so große und lange Schnäbel haben, die fast ein Drittel ihrer Körperlänge ausmachen. Charles Darwin vermutete, dass sie auf das jeweils andere Geschlecht attraktiv wirken könnten. Andere Forscher sahen in den Riesenschnäbeln einen Warnhinweis für andere Tiere, gut geformte Werkzeuge, um Früchte zu picken und zu schälen, oder eine Waffe, um sich Nistplätze zu erobern. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass die Vögel ihren Schnabel als riesigen Kühler benutzen. Ähnlich wie Elefanten überschüssige Wärme über ihre großen, von Adern durchzogenen Ohren abgeben.

Die Wissenschaftler um Glenn Tattersall von der Brock Universität in St. Catharines untersuchten die Schnäbel des Riesentukans mit Hilfe von Wärmebildkameras. Dabei fanden sie heraus, dass die Tiere in der beginnenden Kühle des Abends oft viel mehr Wärme über den Schnabel abstrahlen als über den gesamten restlichen Körper. Innerhalb von Minuten kann der Schnabel sich um zehn Grad abkühlen. Im Durchschnitt betrug der Anteil des Wärmeverlusts über den Schnabel 30 bis 60 Prozent. Ausgewachsene Tukane können diese Abgabe in einem Bereich von fünf bis knapp hundert Prozent steuern, schreiben die Forscher.

Ihre Untersuchung zeigte, dass die Schnabeltemperatur durch die Aktivität des Körpers beeinflusst wird. Musste die Wärme im Körper gehalten werden, etwa weil der Vogel ruhte oder schlief, sank die Schnabeltemperatur ab. Erhitzte sich der Tukan aber durch Flugbewegungen, so war der Schnabel wärmer, um die Wärme an die Umgebungsluft abzugeben. Im Extrem können die Vögel kurzfristig sogar viermal mehr Wärme abgeben, als der Körper gerade produziert. Das ist im Tierreich einmalig.

Ermöglicht wird die Abgabe durch feine Adern unter der Oberfläche des Schnabels, die ein charakteristisches Wärmemuster bilden. Die Forscher mutmaßen, dass verschiedene, getrennt steuerbare Adersysteme beteiligt sind, die bei kühler Witterung sogar im Gegenstromprinzip arbeiten. Dabei sind die Blutgefäße parallel angeordnet und liegen eng aneinander, sodass die Wärme zwischen ihnen besonders effektiv ausgetauscht werden kann. Sie bleibt im Körper und die Tukane müssen nicht frieren.

DDP/DPA / DPA
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