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DHM-Ausstellung: Ein "deutsches Fotoalbum"

Unter dem Titel "Das XX. Jahrhundert. Fotografien zur deutschen Geschichte 1880 bis 1989" zeigt das Deutsche Historische Museum in Berlin kleine und große Momente der deutschen Geschichte. Die Ausstellung ist vom 1. April bis zum 27. Juni zu sehen.

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts lässt sich anhand von Fotografien fast lückenlos dokumentieren. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts begaben sich sowohl Professionelle als auch Hobbyfotografen auf der Suche nach Motiven durch Stadt und Land und hielten die Zeit und ihre Zeitgenossen auf Glasplatten oder Zelluloid fest.

Historische und alltägliche Momente

Das Deutsche Historische Museum Berlin dokumentiert jetzt mit der Ausstellung "Das XX. Jahrhundert. Fotografien zur deutschen Geschichte 1880 bis 1989" fotografierte deutsche Geschichte. 400 Motive erzählen von historischen, aber auch alltäglichen Momenten vom Deutschen Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung. Das Museum habe die Ausstellung aus seiner insgesamt 1,8 Millionen Foto-Negative und 400 000 Abzüge umfassenden Sammlung zusammengestellt, sagte Kurator Dieter Vorsteher am Mittwoch. Die Schau im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums ist vom 1. April bis 27. Juni zu sehen. Der Katalog kostet 25 Euro.

Die ausgestellten Bilder entstanden in den Jahren 1880 bis 1990, sie zeigen außer dem Leben in Deutschland auch die technische Entwicklung der Fotografie. Werke von Berufsfotografen sind ebenso zu sehen wie Schnappschüsse aus privaten Fotoalben. Viele Bilder wird der Besucher wieder erkennen: die Steinfigur, die 1945 vom Dresdner Rathaus auf die im Bombenhagel zerstörte Stadt blickt oder die "Rosinenbomber" der amerikanischen Luftbrücke über Berlin in den Jahren 1948/49, den 1967 beim Schah-Besuch in Berlin getöteten Studenten Benno Ohnesorg oder Wolf Biermann 1976 bei seinem legendären Konzert in Köln, das die DDR zum Anlass für seine Ausbürgerung nahm.

Andere Fotos zeigen einen zu Geschichte gewordenen, oft grausamen Alltag. Es gibt Bilder von den Auswanderern, die zu Beginn des Jahrhunderts in Hamburg auf die Schiffe stiegen. Schnappschüsse von Soldaten zeigen das harte Leben an den Fronten des Ersten Weltkrieges. Walter Ballhause dokumentierte als Vertreter der Arbeiterbewegung die soziale Lage von Arbeitern und Arbeitslosen.

"Führerkult" vor der Kamera

Mit Beginn der NS-Zeit fand die Vielfalt der Fotografie ein jähes Ende. Für Bildpropaganda und "Führerkult" posierte Adolf Hitler vor der Kamera von Heinrich Hoffmann. Zu sehen sind außerdem Fotografien des für die NS-Bildpropaganda tätigen Raumbild-Verlags Otto Schönstein oder von Gerhard Gronefeld, der sowohl die Kriegs- als auch die Nachkriegszeit mit eindringlichen Bildern dokumentiert hat. Seltene, farbige Dias zeigen Aufnahmen aus den jüdischen Gettos in Polen. Vor allem Fotojournalisten der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, wie der Russe Jewgeni Chaldej oder die Amerikanerin Lee Miller, hielten den Schrecken und das Ende der Nazi-Herrschaft fest.

Mit der Teilung Deutschlands ging auch die Fotografie getrennte Wege - im Westen wurde für den Konsum geworben, im Osten gab es vor allem offiziell parteilichen Bildjournalismus. Neben der "Gebrauchsfotografie" entwickelte sich die so genannte Autorenfotografie. Die Ausstellung zeigt dazu Beispiele von Barbara Klemm, Will McBride, Stefan Moses und Michael Ruetz. Am Brandenburger Tor feiernde Menschen bei der deutschen Wiedervereinigung und der von dem Künstler Christo verhüllte Reichstag sind am Schluss des Ausstellungsrundgangs zu sehen.

"Große Fotografen" und private Aufnahmen

Aber nicht nur die "großen Fotografen" haben Spuren der Erinnerung hinterlassen. Genauso eindrücklich, wenn nicht sogar durch den persönlichen Bezug eindringlicher, verhält es sich mit privaten Aufnahmen, welche die Ausstellung in Form von Fotoalben in nahezu jedem Abschnitt begleiten. Denn sowohl das private als auch das offizielle Motiv ist ein kleines Spiegelbild der vergangenen Zeit: mal amüsant oder kurios, mal gewaltig und brutal, erschütternd oder sentimental.

Aus diesen Bildquellen öffnet sich dem heutigen Betrachter ein "deutsches Familienalbum", das einen Einblick in die großen und kleinen Ereignisse der Geschichte und die kollektiven wie persönlichen Erinnerungen der Deutschen im letzten Jahrhundert ermöglicht.

Zeit und Ort

1. April bis 27. Juni 2004, Pei-Bau
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin
Telefon: +49 - (0)30 - 20304 – 0
Telefax: +49 - (0)30 - 20304 – 543

Elke Vogel / DPA
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