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"Colossos" / Heide-Park: "Colossos" / Heide-Park

Die "Colossos" im Heide-Park Soltau hat es mit einem Gefälle von 61 Grad sogar ins Guinness-Buch der Rekorde als "steilste Holzachterbahn" geschafft.

Wow, was für eine Aussicht. Der Zug gleitet dahin. Eine weite Rechtskurve, der Blick geht über die ausgedehnte Parklandschaft, das Tempo ist angenehm. Dann der Absturz: Ein Wagen nach dem anderen verschwindet aus dem Blickfeld, der Zug beschleunigt und plötzlich ist auch der letzte Wagen in der "fast" Senkrechten. Die Arme gehen reflexartig gen Himmel, es folgt ein Wahnsinnsfall – Schweben!

Datenblatt "Colossos"

Höhe

60

Schienenlänge

1.344 Meter

Höchstgeschw.

120 km/h

Beschleunigung

4,3 g

Neigung erster Drop

61 Grad

Bremsen

Wirbelstrombremse

Hersteller

Intamin

Kosten

ca. 23 Millionen Euro

Ein Gigant, der Rekorde bricht

Inmitten der Lüneburger Heide erhebt sich seit 2001 Deutschlands höchste Holzachterbahn, und selbst internationale Rekorde werden gebrochen: In Europa sucht man Seinesgleichen vergebens, selbst in den USA, dem Mutterland der „Woodies“, wird der Koloss aus Deutschland nur einmal in der Höhe übertroffen. Höhe ist aber nicht alles, der Fahrspaß auf einer Holzachterbahn wird vor allem durch ein entscheidendes Merkmal beträchtlich gesteigert: Airtime - kurze Augenblicke, in denen der Fahrgast seinen Sitz nicht mehr spürt, Augenblicke des Schwebens, nur noch von einem Bügel nebst zusätzlichem Gurt gehalten. In Zahlen bedeutet dies, dass die Erdanziehungskraft von 1G deutlich unterschritten wird. Der Fahrgast wird "spürbar" leichter bis hin zum Empfinden von Schwerelosigkeit und des Extrems darüber hinaus. Colossos bietet davon reichlich und übertrifft sogar alles bisher Dagewesene. Erreicht wird dies durch ein klassisches „Out & Back Design“: Lange, geradlinige Streckenabschnitte, bei denen einer Abfahrt sogleich wieder der nächste Hügel folgt - nur eben eine Dimension größer als üblich. Vom konstruktiven Standpunkt her eine wahre Airtime-Maschine!

750.000 Nägel verbraucht

Für die Konstruktion wurden 175.000 laufende Meter Holz und 750.000 Nägel verbraucht. Am Bau waren mehr als 30 Firmen, Zulieferer und Dienstleister beteiligt. Konzipiert wurde die Anlage von dem Münchener Ingenieur Werner Stengel, der weltweit bereits mehr als 400 Achterbahnen konstruierte. Rund 145 Sekunden dauert die Fahrt auf den 1.344 Meter langen Spezialschienen. Dabei werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreicht. Die 23 Millionen Euro teure Anlage ist 60 Meter hoch, die Abfahrten haben ein maximales Gefälle von 61 Grad.

Insgesamt werden zwei Züge gleichzeitig eingesetzt. Während der eine Strecke entlangbraust, wird der andere be- und entladen. Der Kettenlift zieht den 5-gliedrigen Zug mit einem ungeheuren Tempo den 35 Grad steilen Lifthill hinauf, so dass dieser gut 110 Sekunden nach Ausfahrt aus der Station in die Abschlussbremse einfährt. Eine halbe Minute nach Verlassen der Station befindet sich der Zug am höchsten Punkt, 52 Meter über dem Erdboden.Es folgt der schon bekannte weite Rechtsbogen, der Blick auf den Großteil der Strecke wirkt furchteinflößend. Dann geht es abwärts, der First Drop bietet 61 Grad Gefälle, der steilste Drop auf einer Holzachterbahn überhaupt.

Abfahrt der Extreme

Man hebt ab, Airtime total, das Gefühl des Schwebens - so intensiv, wie bisher auf keiner anderen Holzachterbahn. Stellenweise wirken -1,5 g, die Fahrgäste werden also mit der eineinhalbfachen Erdbeschleunigung aus ihrem Sitzen gen Himmel katapultiert, die üppig dimensionierten Rückhaltevorrichtungen wissen dies aber zu verhindern. Am Boden angekommen, keine zwei Meter über der planierten Fläche, bekommt man das andere Extrem der G-Keule zu spüren: Mit berechneten 4,3 g, also dem fast viereinhalbfachen des eigenen Körpergewichtes, wird der Fahrgast in den Sitz gepresst gepresst - Der Zug ist zu diesem Zeitpunkt rund 110 Stundenkilometer schnell.

Nach Passieren des First Drop folgt der zweite Hügel. Ungemein steil geht es hoch und wieder hinab, dazwischen wieder das Abheben aus dem Sitz - alle Reihen sind hier gleichgestellt. Der nächste Hügel wartet direkt dahinter: Der Zug donnert hinauf, oben wieder Airtime. Wieder geht es abwärts und hinauf, dann der erste Richtungswechsel bei voller Fahrt: Keine erhöhte Steilkurve auf gleichbleibendem Höhenniveau, die mit gebremster Geschwindigkeit durchfahren wird - nein, die 180 Grad Wende ist ein Drop erster Güte! Mehr als dreißig Meter geht es hinab, eine Querneigung von 67 Grad ist erforderlich, um die lateralen Kräfte für die Fahrgäste erträglich zu halten. Fast senkrecht nach rechts geneigt wird wieder der Boden berührt, dann ein ausgleichender Schlenker nach links. Nun liegt die Strecke wieder parallel zum Hinweg. Erneut geht es hinauf, zwar nicht so steil ansteigend wie die drei Male zuvor, aber trotzdem noch gewaltig. Dann der nächste Drop, gefolgt von einem sehr flach gehaltenen Hügel. Pfeilschnell rast der Zug darüber hinweg, die mittlerweile liebgewonnene Airtime wird einem aber versagt. Wieder geht es aufwärts, zudem wieder ungemein höher als auf dem vorangegangenen "Hügelchen". Zusätzlich etwas Ungewöhnliches: Es folgt keine direkte Abfahrt, sondern der Zug fährt mehrere Meter mit gebremstem Tempo geradeaus, vor einem erhebt sich die gewaltige Holzstruktur des Lifthills.

Rauf, runter, rauf und wieder hinab...

Dann geht es langsam abwärts, die einzige Helix der Strecke schließt sich an: Fast 500 Grad dreht der Zug im Kreis nach links. Ungefähr 40 Meter misst diese "Todesspirale" im Durchmesser. Immer schneller drehen die Laufrollen aus Vulkollan. Am Boden angekommen ist die fast eineinhalbfache Kreisdrehung beendet. Wieder folgt eine gerade Strecke, gespickt mit drei kleineren, aufeinanderfolgenden Hügeln. Die Speed Bumps oder auch Bunny Hops genannten Gebilde versprechen wieder eines: Airtime! Rauf, runter, rauf und wieder hinab - ein leichter Blick nach rechts zeigt das Stationsgebäude. Der letzte Hügel. Ein letztes Mal geht es hinauf, wieder dieses Grummeln, verursacht durch die an der Unterkante der Holzschiene angreifenden Räder. Dann noch eine 180 Grad Rechtskurve und schließlich die Abbremsung. Mittels Permanentmagneten, basierend auf dem physikalischen Prinzip einer Wirbelstrombremse, wird der Zug abgebremst.

Colossos, einfach kolossal

Es ist vollbracht: 70 Sekunden High Speed Fahrt, die gerade einmal eine kleine Erholungspause bot.Die Fahrgäste sind begeistert. Ein Erlebnis, welches nicht so schnell vergessen wird - Viele wollen und werden es sofort wiederholen. Eine Wahnsinnsbahn, eine der besten Holzachterbahnen der Welt.Mehr über Achterbahnen bei www.coastersandmore.de

Daniel Schoppen
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