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Adventszeit Glühwein to go statt Weihnachtsmarkt: "Homeoffice muss nicht trocken sein"

Advent in Zeiten der Pandemie: Kein gemeinsames Aufwärmen mit Glühwein, Bratwurstessen am Stand oder Naschen von gebrannten Mandeln.
Advent in Zeiten der Pandemie: Kein gemeinsames Aufwärmen mit Glühwein, Bratwurstessen am Stand oder Naschen von gebrannten Mandeln.
© Jens Wolf / DPA
Corona-Zeiten erlauben keine gesellige Glühweinrunde am Stand. Winzer und Händler hoffen, das Geschäft mit dem heißen Wein in anderen Formaten zu erhalten. Zu den kreativen Vertriebsideen gehört das Glühweintaxi.

Die Absage von Weihnachtsmärkten in vielen Städten ist ein schwerer Schlag für das Saisongeschäft mit Glühwein. Die Beschicker der Glühweinstände auf den Weihnachtsmärkten haben alternative Vertriebswege entwickelt, was den Umsatzausfall aber nur teilweise ausgleichen kann. 

Nach einer Branchenschätzung werden in Deutschland mindestens 50 Millionen Liter Glühwein pro Jahr getrunken - pro Kopf der Bevölkerung fast eine Flasche. Die Zahl des allein über den Handel verkauften Glühweins stieg nach Daten des Marktforschungsinstituts IRI im vergangenen Jahr von 58,6 Millionen auf 61,2 Millionen 0,75-Liter-Flaschen - das entspricht einer Zunahme um knapp zwei Millionen auf nahezu 46 Millionen Liter.  

"Die Weihnachtsmärkte sind fast alle abgesagt, da haben wir gar keine Hoffnung mehr", sagt der rheinhessische Winzer Meik Dörrschuck, der bislang gut ein Viertel seiner Ernte für Glühwein verwendet und diesen bundesweit sowie in Nachbarländer vertrieben hat - meist in 30- oder 50-Liter-Behältnissen an die Betreiber von Weihnachtsmarktständen. "Wir sind in einem herausfordernden Jahr, da muss man kreativ sein", sagt Dörrschuck. 

Glühweintaxis und Weihnachtsmarkt@home

Seine Familie habe daher schon im Sommer überlegt, was noch alles passieren könne und dann die Idee mit Glühwein-Lieferungen nach Hause entwickelt: In einem Paket für den "Weihnachtsmarkt@home" werden zwölf Flaschen Winzerglühwein mit zwei Tassen von Oma Trude verschickt, dem Markenzeichen des Glühweins vom Schlossgartenhof in Lörzweiler. 

Dieses Angebot werde bundesweit gut angenommen, könne das Geschäft mit den Ständen der Weihnachtsmärkte aber nicht ersetzen, sagt Dörrschuck. Er schätzt, dass 30 bis 40 Prozent des Weihnachtsmarkt-Umsatzes damit abgedeckt werden könnte. Außerdem setze sein Betrieb auf Angebote zur Online-Weinprobe - "Homeoffice muss nicht trocken sein." Damit komme das Weingut im Corona-Jahr 2020 über die Runden - "ein zweites Corona-Jahr soll aber bitte nicht sein". 

Für die Lieferung ins Haus schickt eine Event-Agentur in Niedersachsen sogar ein besonderes Glühwein-Taxi auf die Straßen rund um Nordhorn (Landkreis Grafschaft Bentheim). Und in Berlin wird an mehreren Orten coronaregelkonform "Glühwein to go" angeboten.

Winzer Dörrschuck hofft auf einen kalten Winter, so dass wenigstens der Frost die Nachfrage nach dem heißen Wein stärkt, wenn schon die Weihnachtsmärkte ausfallen.

"Drive-In"-Weihnachtsmarkt im Freizeitpark Wunderland

Eigentlich eröffnen die meisten Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum nach Totensonntag, also ab diesem Montag (23. November). Viele Märkte sind aber schon abgesagt worden wegen eines zu hohen Infektionsgeschehens, darunter der weltberühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg und der Dresdner Striezelmarkt als einer der ältesten Weihnachtsmärkte der Welt.

"Die Weihnachtsmärkte waren die letzte Chance der Schausteller, in diesem Jahr noch mit der eigenen Hände Arbeit Geld zu verdienen, nachdem fast all unsere circa 10.000 Volksfeste den verordneten Schließungen zum Opfer gefallen sind", sagt Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Schaustellerbund. Das diesjährige Verbot von Festen und Weihnachtsmärkten komme "in seiner Wirkung einem Berufsausübungsverbot gleich" und bedeute für die Mehrzahl der Vereinsmitglieder einen kompletten Einnahmeausfall. Vielen drohe der Untergang.

Den Kommunen gehen dabei auch erhebliche Einnahmen verloren. Die Stadt Hannover zum Beispiel büßt einem Sprecher zufolge rund 440.000 Euro ein. Auch der Einzelhandel leidet, da sich Weihnachtsmärkte normalerweise belebend auf die Innenstädte auswirken und zusätzliche Besucher in die stationären Geschäfte ziehen.

Mancherorts gibt es indes kreative Lösungen, um Weihnachtsmärkte doch möglich zu machen. Am Niederrhein ist ab 10. Dezember in Kalkar ein "Drive-In"-Weihnachtsmarkt auf dem weitläufigen Gelände des Freizeitparks Wunderland geplant. Die Besucher sollen auf einer rund 2,5 Kilometer langen Strecke in ihren Autos bleiben und auf dem einstigen Kraftwerksgelände Kunstschnee, Musik, Eintopf und Glühwein sowie eine Krippe mit echten Kamelen geboten bekommen.

tib mit DPA

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