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Auswüchse des City-Tourismus: Betreutes Saufen auf der Pub-Crawl-Tour

Touristen nerven die Anwohner - vor allem, wenn sie damit beschäftigt sind, sich non-stop Bier und Schnaps einzufüllen. Damit das perfekt funktioniert, gibt es längst organisierte Sauftouren.

Hamburg und Berlin gelten als billige Städte für Sauftouristen.

Hamburg und Berlin gelten als billige Städte für Sauftouristen.

Manche Städte ersticken im Tagestourismus. Das führt allein schon zu Problemen, aber richtig heftig wird es erst, wenn die eigene Stadt zum Mekka der Sauftouristen wird. In dieser Liga spielen Städte wie Prag und Dublin mit - und in Deutschland sind Hamburg und Berlin ganz vorn mit dabei. Regenland Deutschland wird beim Spring Break nie richtig mitmischen können, aber beim Dauersaufen sind wir ganz vorn mit dabei. Allein trinken, macht keinen richtigen Spaß. Wer schlau ist, bucht anstelle der bildungsbeflissenen Stadtführung eine Sauftour mit Guide. Pup crawl - eine touristische Dienstleistung, die inzwischen in jeder deutschen Großstadt angeboten wird und die wesentlich dazu beiträgt, dass Städtetourismus mit Sauftourismus übersetzt wird. Erklärtes Ziel der Führung ist, den Abend nicht auf zwei Beinen durchzustehen . 

Manche Anbieter bieten einen trink- und barerfahrenen Guide, der mehr kann, als seine Gäste in die größten Touristenhöllen zu schleppen. Andere Anbieter locken ihre männliche und einsame Kundschaft mit sexy Reiseleiterinnen. Natürlich gibt es auch exklusive Führung durch das Nachtleben, aber die Masse ist einfach gestimmt: Komasaufen statt Reichstag und Museumsinsel ist das Programm der Pub-Crawl-Events. 


Von Gastwirten und Städten werden die Agenturen misstrauisch beäugt. Damit die Rechnung aufgeht, wird häufig jede Menge Stoff jenseits einer Bar zu sich genommen. Anstatt des teuren Schnaps am Tresen, gibt es die Shots zwischendrin auf der Straße. Gewissermaßen ist das die Profi-Variante zum Teenie-Warmtrinken, bevor es losgeht. Geneppt wird man jedenfalls nicht: In Berlin gibt es die 4,5 Stunden Führung ab zehn Euro, inklusive sechs Shots. Eine solide Grundlage für einen lustigen Abend ist damit gelegt. 

Kneipe, Kneipe, Kneipe

Für die Anwohner sind die organisierten Sauf-Touren eine Heimsuchung. Anstatt einzelner Trinker kreuzen die Vergnügungssüchtigen in Pulks von bis zu 40 Trinkern auf, die sich an jeder Ecke einen Jägermeister im Plastikbecher zu Gemüte führen. Kommen zu den Free Shots noch ein bis zwei Getränke je besuchter Bar, wundert es nicht, dass am Ende der Tour kaum noch jemand stehen kann. Teure Touren betreuen jeweils nur eine kleine Gruppe und verfrachten die Betrunkenen am Ende der Nacht mit einem Bus wieder ins Hotel. Für die Hostel-Klientel ist das ein unnötiger Luxus, sie blieben dort liegen, wo sie der Guide verlässt. 

Die Tourismusbeauftragten erklären regelmäßig, dass die Saufparaden nicht zum Image ihrer Stadt passen - unternommen wird jedoch nichts. Die Wahrheit ist: Keiner will die feierwütigen Sauftouristen als Gast verlieren. 

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