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Eta-Anschläge in Palma: Wie sicher ist der Urlaub auf Mallorca?

Zum zweiten Mal explodierten innerhalb von zehn Tagen Eta-Bomben in Mallorca. Mitten in der Hochsaison geht die Angst unter Urlaubern um. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur aktuellen Lage.

Von Till Bartels und Swantje Dake

Macht die Eta jetzt Jagd auf Touristen?

Nein, im Visier der baskischen Terroristen sind keine Touristen. Am 30. Juni töte die Autobombe vor einer Kaserne der Guardia Civil in Palmanova zwei Polizisten. Der Sprengkörper war nicht unter einem Mietwagen versteckt, der von Urlauber genutzt wird. Die weitaus schwächeren Explosionen vom Sonntag waren in Restaurants platziert, die auch von Touristen frequentiert werden. Vor der Detonation wurde per Telefonanruf gewarnt.

Ist die Urlaubsreise nach Mallorca noch sicher?

Ja, denn im Gegensatz zu islamischen Ländern wie Ägypten, wo Anschläge bewusst auf Touristen zielten, ging vor den Explosionen am Sonntag eine Warnung im Namen der Eta ein, dass im Yachthafen von Palma mehrere Sprengsätze detonieren werden. So konnte das Gebiet weiträumig abgesperrt werden. Es gab keine Opfer zu beklagen.

Wie ist die Stimmung vor Ort?

Von Panik keine Spur: Nach den Bombenanschlägen auf der spanischen Ferieninsel ist die Stimmung unter den Reisenden weitestgehend gelassen. Nach einer Umfrage unter Reise-Rückkehrern hatten sich viele Urlauber zur Zeit der Anschläge nicht in der Nähe der betroffenen Orte aufgehalten. Sie erfuhren erst später aus den Nachrichten davon. Am Flughafen von Palma gibt es weder verschärfte Kontrollen, noch einen erhöhten Einsatz von Sicherheitspersonal. Überrascht seien sie heute vor dem Abflug über die Gelassenheit der Guardia Civil gewesen, so ein Familienvater nach seiner Rückkehr nach Berlin. "Auf Mallorca herrscht schon wieder Business as usual," so sein Eindruck.

Trifft der Terrorismus nicht auch den Tourismus?

Ja, die drei Anschläge am Sonntag werden in Spanien als gezielte Provokation der Eta eingestuft, die in erster Linien dem spanischen Staat gilt und der Wirtschaft schaden will. Für das in diesem Jahr von einem herben Rückgang bei den Urlauberzahlen gebeutelte Reiseziel Mallorca sind die Anschläge ein weiterer Schock.

Das zweite Attentat innerhalb von zehn Tagen trifft den Tourismus mehr als nur symbolisch. Einziger positiver Nebeneffekt: Die neuen Schlagzeilen überdecken die negativen Nachrichten über Schweingerippe-Infektionen von Mallorca-Urlaubern in den vergangenen Wochen.

Der Reiseveranstalter TUI rechnet nicht damit, dass die Buchungszahlen für Mallorca nun einbrechen. Nach den Anschlägen vom Sonntag habe es bislang noch keine Anruferwelle von Kunden gegeben, die ihre schon gebuchte Reise stornierten wollten, sagte eine TUI-Sprecherin in Hannover. Es sei auch nicht wahrscheinlich, dass das noch passiert.

Ist mit weiteren Anschlägen zu rechnen?

Experten wie der Professor Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik schließen weitere Anschläge nicht aus. Dies sei Teil einer Sommeroffensive mit hoher Öffentlichkeitswirkung, die die ETA in der Vergangenheit bereits mehrfach betrieben habe - auch mit Anschlägen in Ferienorten.

"Es ist eine empfindliche Stelle, an der man die spanische Regierung treffen kann", sagt auch Sabine von Oppeln vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, die sich besonders mit separatistischen Bewegungen in Europa beschäftigt. Denn Spanien ist von den Steuereinnahmen aus dem wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus angewiesen. Auch wenn die ETA nach Einschätzung der Wissenschaftlerin ihre Ziele wohl kaum erreichen kann, wird die Aufmerksamkeit auf den Konflikt wohl länger andauern als sonst.

Brechen Mallorca-Urlauber ihre Reisen vorzeitig ab?

Zur Zeit machen rund 170.000 Deutsche Urlaub auf der Baleareninsel. Die Zahl derjenigen, die aus Angst vor weiteren Anschlägen auf den Urlaub auf der spanischen Ferieninsel verzichten wollten, werde überschaubar bleiben, so die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Es gebe keinerlei Anzeichen, dass eine nennenswerte Zahl von den Urlaubern, die derzeit auf Mallorca sind, vorzeitig abreisen wollten.

Auch die Fluggesellschaft Air Berlin, die derzeit 380 Mal in der Woche von Deutschland nach Mallorca fliegt, sieht bei Mallorca-Reisenden noch keine Zweifel. "Eine allgemeine Verunsicherung" mache sich nicht breit, sagte eine Sprecherin. Nur vereinzelt seien Flüge nach Mallorca in den vergangenen Tagen storniert worden.

Warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Mallorca?

Nach dem erneuten Anschlag auf der Ferieninsel Mallorca hat das Auswärtige Amt Reisenden vor Ort geraten, Menschenansammlungen zu meiden, die Anweisungen der örtlichen Sicherheitsbehörden zu befolgen und sich umsichtig zu verhalten. Eine ausdrückliche Reisewarnung ist das jedoch nicht. "Es ist noch nicht die Situation, dass wir von Reisen nach Mallorca dringend abraten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Touristen, die sich bereits auf der Insel befinden, müssen erneut mit Behinderungen durch Maßnahmen der spanischen Sicherheitsbehörden rechnen. Bei weiteren Fragen sollten sich Touristen an ihren Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft wenden.

Kann ich meine Reise stornieren?

Nein, zumindest nicht kostenfrei. Die Reiseveranstalter orientieren sich an den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. Gibt das Ministerium keine Reisewarnung aus, fehlt die rechtliche Voraussetzung für kostenlose Stornierung oder Umbuchung.

Nach dem ersten Anschlag vor eineinhalb Wochen gaben sich die deutschen Reiseveranstalter noch optimistisch, dass dies ohne langfristige Folgen bleiben würde. Nach den Explosionen von Sonntag blieben der Flughafen und auch die Seehäfen offen. Nach dem ersten Attentat wurde der Flughafen für gut zwei Stunden gesperrt. Es kam zu Verzögerungen im Flugverkehr, Stornierungen von Urlaubern gab es hingegen nur vereinzelt.

Welche Ausweichziele bieten sich an?

Wer nur einen Flug nach Palma gebucht hat und noch keine Unterkunft verbindlich gebucht hat, kann auf Nummer sicher gehen, indem er auf eine andere Baleareninsel ausweicht. Das Risiko eines Anschlags auf einer der wesentlich kleineren Inseln wie Menorca, Ibiza und Formentara gilt als unwahrscheinlich. Die Fährschiffe der Reedereien Balearia und Isomar fahren mehrmals täglich aus den Häfen von Palma und Alcúdia zu den Nachbarinseln.

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