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Gestrandet auf Madeira Winde stürzen Flughafen Funchal ins Chaos

Die Insel ist ein Traum. Der Weg dorthin für manchen Fluggast traumatisch. Madeira im Atlantik. Bei Touristen berühmt für ihr Klima und die beeindruckende Landschaft. Bei Piloten für eine der weltweit anspruchsvollsten Landebahnen. Versuch eins, Versuch zwei, Versuch drei. Sitzt man in einer Maschine wie dieser, kommt selbst der abgebrühteste Fluggast ins Schwitzen. Der Flughafen von Madeira liegt direkt neben der Steilküste am Meer. Das sorgt für oft unberechenbare Scherwinde. Kurz vor der Landung muss das Flugzeug zudem eine scharfe Kurve fliegen. Und dann ist da noch das äußerst wechselhafte Wetter. Kommt all das zusammen, kann es, wie in diesem Fall, schon mal etwas länger dauern, bis der Vogel unten ist. Auf Youtube zeugen unzählige Videos von spektakulären Durchstartmanövern. Die wacklige Landung dieser Maschine der Schweizer Airline Edelweiß ist also alles andere als eine Ausnahme. Im Gegenteil: Piloten, die auf Madeira landen wollen, müssen ein spezielles Training absolvieren. Berühmt ist der Flughafen übrigens auch als Meisterwerk der Ingenieurskunst. Denn die Verlängerung der Landebahn musste auf gigantischen Stelzen gebaut werden. In dem Sinne: Schönen Urlaub, aber erstmal einen guten Flug!
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Braun gebrannt und gut erholt wollten sie Madeira Richtung Heimat verlassen - aber dann kam für Tausende Urlauber alles anders. Seit dem Wochenende toben an der Küste Winde. Fast alle Flüge von und nach Funchal wurden annulliert. Infos gibt es kaum - und der Zorn wächst.

Wegen heftiger Winde an der Küste sind auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira tausende Urlauber gestrandet. Seit dem Wochenende gibt es auf dem Flughafen chaotische Zustände. Allein am Sonntag seien bis zum Abend 56 Verbindungen annulliert worden, berichteten portugiesische Medien unter Berufung auf den Flughafenbetreiber ANA. Betroffen waren 5500 Passagiere - und auch zum Wochenbeginn war keine Entspannung der Lage in Sicht. 

Am Montag startete nach Auskunft von gestrandeten Urlaubern zunächst keine einzige Maschine vom Airport Funchal, am Vormittag landeten schließlich zwei Flugzeuge aus Großbritannien. Informationen dazu, ob und wann sich die Lage ändern sollte, gebe es nicht, beklagten die Fluggäste.

Winde sind seit Donnerstag bekannt

"Die Situation ist sehr belastend", sagte der Anwalt Axel Kiermeyer aus Hamburg, der mit seiner Ehefrau eigentlich am Sonntag zurück in die Heimat fliegen wollte. "Wenn ich meine Klienten so behandeln würde, wie die Fluggesellschaften die Passagiere hier ... so darf man mit Kunden nicht umgehen", erzürnte sich der 43-Jährige über den mangelnden Informationsfluss. "Der Urlaubseffekt ist jedenfalls völlig dahin", sagte Marko, ein Lehrer aus Kiel. Deutsche Airlines planten Betroffenen zufolge auch für Montag keine Flüge.

Verspätete und annullierte Flüge auf der Anzeigetafel des Flughafens Funchal:   Wegen starker Winde wurden zahlreiche Flüge zur und von der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira gestrichen.
Verspätete und annullierte Flüge auf der Anzeigetafel des Flughafens Funchal: 
Wegen starker Winde wurden zahlreiche Flüge zur und von der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira gestrichen.
© Martina Rathke/DPA

Unverständnis herrsche besonders darüber, dass die drohenden Winde seit Donnerstag bekannt waren, die Airlines sich aber nicht auf die Situation eingestellt hätten, erklärte eine Deutsche am "Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo". Der Flughafen war erst vor wenigen Monaten auf den Namen des berühmten Inselsohnes umgetauft worden. 

Besonderer Flughafen Funchal

Der Anflug gilt als extrem schwierig, da sich die Landebahn direkt am Steilhang zwischen Atlantik und Bergen befindet. Wegen der Küstenlage wird der Flughafen oft von heftigen winden heimgesucht. Nach Angaben einer Mitarbeiterin ist es deshalb nicht ungewöhnlich, dass es in Funchal zu Ausfällen kommt. Mehrere Maschinen seien seit Sonntag auf der Nachbarinsel Port Santo gelandet, wo es windstiller sei, so portugiesische Zeitungen. Die Urlauber wurden anschließend mit Fähren nach Madeira gebracht.  

Viele verzweifelte Touristen schliefen derweil in Funchal auf dem Boden der Terminals. Andere suchten sich privat eine Unterkunft in der Hauptstadt Funchal und pendelten seit dem Wochenende zwischen Hotel und Flughafen, um auf neue Infos zu warten. "Das ist allerdings sehr teuer, allein eine Taxifahrt in die Stadt kostet jedes Mal 45 Euro", sagte eine Betroffene. Einige Airlines hätten Busverbindungen organisiert, andere ließen die Passagiere völlig im Stich, hieß es.

Die "Blumeninsel" Madeira liegt etwa 950 Kilometer südwestlich von Lissabon und ist vor allem auch bei Deutschen sehr beliebt. Wann die Winde nachlassen und wieder Normalität einkehren sollte, war am Montag noch nicht abzusehen. 

DPA

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