Glasgow und Edinburgh Günstig zu den schönen Schwestern


Schottland gilt gemeinhin als teuer. Zwar kann man in Hostels und Jugendherbergen relativ günstig übernachten, aber das ist nicht jedermanns Sache. Es geht auch anders. Wer sparsam, aber trotzdem stilvoll reisen will, muss den Trip nur gut planen und flexibel sein: Scotland on a budget.
Von Silke Haas

Florin und Suzan sind Ende 30 und sich einig, dass sie aus dem Alter raus sind, in dem es egal ist, wo man schläft. Einmal im Jahr fahren die Freundinnen zusammen in Urlaub. Nur sie beide. Eine Auszeit vom Alltag, die erschwinglich sein muss. Dieses Jahr soll es nach Schottland gehen. Nicht etwa zum Wandern oder Monstersuchen in die Wildnis, sondern zum Sightseeing in die Stadt. Genauer in Schottlands größte Städte. Glasgow und Edinburgh. Die ungleichen Schwestern. Edinburgh die Liebliche, Schöne, von Natur und Architektur Bevorzugte. Glasgow die schwarze, unansehnliche Arbeiterstadt. Eines haben beide jedoch gemeinsam: Wer nicht aufpasst, lässt hier viel Geld.

Das fängt bei der Anreise an. Am Günstigsten geht es mit einer der vielen Billigfluglinien. Die bieten im Internet Flüge nach Glasgow schon für ein paar Cent an, selbstverständlich zuzüglich Steuern und Gebühren. Klicken, warten, Klicken, vergleichen und viel Geduld zahlen sich aus: Wer das richtige Angebot findet, kann für 15 Euro nach Schottland fliegen.

Die meisten Billigflieger landen in Glasgow, ein guter Ausgangspunkt für einen Kurztrip. Glasgow gilt als die Wilde. Eine Stadt mit bewegter Vergangenheit, die sich immer wieder neu erfinden musste. Lange war ihr Gesicht schmierig-schwarz vom Kohlenruß, sie war schmutzig und stank. Offene Kohlenfeuer in Wohnungen wurden erst 1955 gesetzlich verboten. Doch die einstige Arbeiterstadt mit proletarischem Charme wusch den Dreck von den Gebäuden und präsentiert sich heute stolz als Designer-, Kultur- und Kongressstadt. Mit Erfolg. 1990 wurde Glasgow Europäische Kulturhauptstadt. Nicht London, nicht Edinburgh. 1999 erhielt Glasgow den Europäischen Designpreis.

Übernachten in der dekorierten Metropole ist kostspielig. In der Hauptsaison, Ostern, Mitte Mai bis September und zu Silvester, ist es am Teuersten, und die Unterkünfte sind oft ausgebucht. In der übrigen Zeit gibt es Schnäppchen. Viele Herbergen bieten Sonderpreise bei Internet-Buchungen. Florin und Suzan haben ein günstiges B&B im Internet gefunden. Glasgow ist perfekt, um kostenlos schottische Architektur, Kunst und Kultur kennen zu lernen. Der Eintritt zu den städtischen Museen ist frei und der Blick auf die herausgeputzten Gebäude sowieso.

Kelvingrove - ein Museum zum Mitmachen

Und zum Gucken gibt es genug: Die Glasgow School of Arts, die Merchant City, das Kelvingrove Museum, The Lighthouse, das Science Center und vieles mehr. "Gäbe es einen Preis für Veränderungen, dann hätte Glasgow ihn gewonnen" sagt Stewart Noble. Er muss es wissen, schließlich zeigt er Touristen schon seit vielen Jahren die schönen Seiten seiner Stadt. Ganz besonders am Herzen liegt ihm Kelvingrove Art Gallery and Museum. Seit vergangenem Sommer strahlt der Sandsteinbau wieder in sattem Rot und seine unzähligen Zinnen und Türmchen blitzen in der Sonne.

Im Inneren erwartet den Besucher eine hochkarätige Mischung aus antiken und modernen Kunstwerken und Kuriositäten. Ausgestopfte Tiere tummeln sich neben Kostbarkeiten aus der Antike, dem Jugendstil und der Moderne. Kelvingrove zwingt seine Besucher nicht, die Schätze in musealer Demut zu bestaunen. Hier kann man mitmachen, anfassen, kombinieren und spielerisch lernen, wie Maler Farben zu Licht und Schatten werden lassen.

Inzwischen gilt die Stadt am River Clyde als der Shopping-Geheimtipp. "Glasgow is great", findet die Londonerin Sarah Roberts. Denn vor allem im Viertel rund um die Universität, dem Westend, kann man exklusive Klamotten zum Schnäppchenpreis erstehen. Auf und neben der Byres Road liegen die meisten Geschäfte. Junge Designer verkaufen ihre Kreationen in kleinen Boutiquen. Künstler und Kunsthandwerker bieten ihre Werke in kuriosen Geschäften an. Die traditionellen Pubs, Restaurants und Take-Aways zum Beispiel in der Ashton Lane haben Studenten freundliche Preise.

Grandiose Aussicht über den Dächern von Glasgow

Etwas vornehmer geht es in der über zwei Kilometer langen Fußgängerzone zu, die sich Z-förmig von der Sauchiehall Street durch die Buchanan Street bis zur Argyle Street zieht. Zwischen kleinen Geschäften, glitzernden Passagen und Filialen internationaler Ketten im Einheitslook, verblüffen immer wieder architektonische Sahnestücke.

Jugendstil pur präsentieren die beiden "Willow Tea Rooms" in der Sauchiehall Street und der Buchanan Street. Der Glasgower Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh hat sie für eine Freundin entworfen. Tee und Scones schmecken sind lecker, und die Aussicht auf die Arbeiten eines Meisters des Jugendstil gibt es umsonst dazu.

Mehr über Rennie Mackintoshs Leben und Werk zeigt eine Ausstellung im Lighthouse, dem schottischen Zentrum für Architektur, Design und Stadtplanung in der Mitchell Lane. Auch wer für Jugendstil, Architektur und Design nicht viel übrig hat, sollte The Lighthouse besuchen und mit dem kostenlosen Fahrtsuhl die Aussichtsplattform des Mackintosh Towers erklimmen. Die Aussicht über die Dächer von Glasgow ist grandios.

Inzwischen gilt die Stadt am River Clyde als der Shopping-Geheimtipp. "Glasgow is great", findet die Londonerin Sarah Roberts. Denn vor allem im Viertel rund um die Universität, dem Westend, kann man exklusive Klamotten zum Schnäppchenpreis erstehen. Auf und neben der Byres Road liegen die meisten Geschäfte. Junge Designer verkaufen ihre Kreationen in kleinen Boutiquen. Künstler und Kunsthandwerker bieten ihre Werke in kuriosen Geschäften an. Die traditionellen Pubs, Restaurants und Take-Aways zum Beispiel in der Ashton Lane haben Studenten freundliche Preise.

Grandiose Aussicht über den Dächern von Glasgow

Etwas vornehmer geht es in der über zwei Kilometer langen Fußgängerzone zu, die sich Z-förmig von der Sauchiehall Street durch die Buchanan Street bis zur Argyle Street zieht. Zwischen kleinen Geschäften, glitzernden Passagen und Filialen internationaler Ketten im Einheitslook, verblüffen immer wieder architektonische Sahnestücke.

Jugendstil pur präsentieren die beiden "Willow Tea Rooms" in der Sauchiehall Street und der Buchanan Street. Der Glasgower Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh hat sie für eine Freundin entworfen. Tee und Scones schmecken sind lecker, und die Aussicht auf die Arbeiten eines Meisters des Jugendstil gibt es umsonst dazu.

Mehr über Rennie Mackintoshs Leben und Werk zeigt eine Ausstellung im Lighthouse, dem schottischen Zentrum für Architektur, Design und Stadtplanung in der Mitchell Lane. Auch wer für Jugendstil, Architektur und Design nicht viel übrig hat, sollte The Lighthouse besuchen und mit dem kostenlosen Fahrtsuhl die Aussichtsplattform des Mackintosh Towers erklimmen. Die Aussicht über die Dächer von Glasgow ist grandios.

Wer es noch opulenter mag, kommt am George Square auf seine Kosten. Hier stehen die City Chambers, das viktorianische, mit Kuppeln gekrönte Rathaus. Reinschauen ist erwünscht. Zwei bombastische Marmortreppenhäuser, eines in Blau, das andere in Rosa, zeugen vom Reichtum der ehemaligen Handelsstadt. Kostenlose Führungen finden zwei Mal täglich statt.

Edinburgh, die Schöne mit mythischer Vergangenheit

Mit dem Zug fahren die Freundinnen nach Edinburgh. Günstiger wurde die Fahrt, weil sie ihre Tickets schon in Deutschland gekauft haben. Sie verlassen den Bahnhof und sind sofort beeindruckt. In der Abendsonne leuchtet das markanteste Wahrzeichen der Stadt: Edinburgh Castle. "Jeder ehrliche Schotte hält diesen Punkt für den schönsten in der Welt", schrieb Theodor Fontane begeistert vom Anblick der Burg.

Trutzig thronen die grauen Gebäude auf einem erloschenen Vulkan, zum Castle vereint von einer mächtigen Burgmauer. Heiß umkämpft, niedergebrannt und immer wieder aufgebaut, ist das Castle heute Schottlands meist besuchte Sehenswürdigkeit. Auch der Eintritt ist mit £ 11 recht herrschaftlich. Zu teuer, finden Florin und Suzan. Ihr Programm steht im Großen und Ganzen fest und ist bereits bezahlt. Programmdirektor ist ihr Edinburgh-Pass. Für zwei Tage kostet er 36 Pfund und verschafft freien Eintritt zu zahlreichen Museen und Attraktionen. Zudem bieten einige Restaurants den Pass-Inhabern Rabatte. Nach dem Essen kann man sich der literarischen Pub-Tour anschließen oder auf eine von Schauspielern organisierte Geisterjagd gehen.

Die Royal Mile, hier spielt sich das Leben ab

Vor der Burg pulsiert die Hauptschlagader Edinburghs, die Royal Mile. Sie besteht aus den Straßen Castlehill, Lawnmarket, High Street, Canongate und führt zum Palace of Holyroodhouse. Touristenläden und bunte Pubs wechseln sich mit kleinen Geschäften ab. Suzan steht auf die süßen Seiten des Lebens. Das Fudge House in der Canongate ist ihr Paradies. Fudge ist eine zart schmelzende Liaison aus Zucker, Butter, Milch oder Sahne, die süchtig machen kann.

Florin wird ein paar Häuser weiter im Cadenhead's Whisky Shop glücklich. Er ist der älteste unabhängige Abfüller Schottlands. Abfüller kaufen in den Destillen einzelne Fässer auf und lagern sie, bis genau der richtige Moment gekommen ist, den Whisky zu genießen. Cadenhead's Abfüllungen gelten als besondere Raritäten, die man kostenlos probieren darf. Ein günstiges und authentisches Mitbringsel ist eine Whiskyflasche im Miniformat.

Zwar verlangen die meisten Museen Eintritt, aber Sehenswertes muss auch in Edinburgh nichts kosten. Die Stadt bezaubert mit ihren traumhaften Ausblicken. Die verschiedenen Seiten des Castles oder das glitzernde Wasser am Ende der Royal Mile. Aber spannender, sind die mittelalterlichen Closes, die von der Royal Mile abzweigende Gassen. Winzige Durchgänge führen auf pittoreske Hinterhöfe. Die vielleicht schönsten sind Lady Stair's Close, White Horse Close, Old Fishmarket Close und Advocate's Close.

Politik in einem unkonventionellem Bau

Am Ende der Royal Mile steht das schottische Parlament, das 2004 von Königin Elizabeth II. eröffnet wurde. Ein moderner, unruhiger, fast lebendiger Bau; mit diagonalen Formen und schrägen Mauern aus Holz, Stahl, Glas und Beton ist er ein krasser Gegensatz zu den geometrischen Grundrissen der alten Gebäude und den sanften Hügeln der Salisbury Crags im Hintergrund.

Der spanische Architekt Enric Miralles hat den unkonventionellen Bau entworfen, der auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei verwirklicht wurde. "Aber drinnen sind nicht nur Flaschen", sagt augenzwinkernd Andrew McCoy. Er wohnt in der Nähe und freut sich über das neue Parlament. Die Architektur ist spannend. Wer genau hinsieht, kann typisch schottische Motive wie Boote, das Andreaskreuz und jugendstilähnliche Ornamente entdecken.

Im Pub bleibt niemand allein

Wenn es dämmert zeigt Edinburgh sein geheimnisvolles Gesicht. Die bei Tage so freundlichen Häuser scheinen enger zusammen zu rücken. Die Durchlässe werden schmaler und schwärzer. Schatten zucken durch die Gassen. Der Glaube an Hexen und Geister ist auf einmal gar nicht mehr abwegig.

Um die Stimmung wieder aufzuhellen, ist ein Pub-Besuch genau das Richtige. Die schottischen Pubs sind schon am frühen Abend in der Regel gut besucht. Nach Feierabend trifft man sich hier auch unter der Woche auf ein Pint. Pub-Kultur wird groß geschrieben. Es wird geplaudert, geklatscht und kritisiert und zu fortgeschrittener Stunde auch gern gesungen. Spätestens nach dem ersten Pint sitzt kein Fremder mehr alleine an der Bar, sondern mitten in der Runde. An Gesprächsstoff mangelt es nicht: Zu Wetter, Whisky oder Schottlands Souveränität hat jeder etwas zu sagen. Was auch immer gut ankommt: In Edinburgh - Witze und Sticheleien gegen die Glaswegians und umgekehrt in Glasgow gegen die Edinburgher. Wie es sich für zwei richtige Schwestern gehört, Neid und Zank gehört dazu.


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