Ibiza-Krise Ecstasy, Hasch und Dauer-Techno


Sinkende Besucherzahlen und steigender Drogenkonsum - Europas Party-Insel steckt in der Krise. Um nicht noch weiter hinter Mallorca zurückzufallen, wollen die Behörden der Feierwut nun Grenzen setzen.

Massen von jungen Leuten drängeln sich auf der Tanzfläche. Die renommiertesten Discjockeys der Welt legen die Platten auf. Aus den Lautsprechern dröhnen heiße Rhythmen. Feuerschlucker, Trapezkünstler und Go-go-Girls sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Bis zum Morgengrauen wird in Ibizas Discotheken gefeiert. Die spanische Ferieninsel ist - wie in jedem Sommer - wieder zu Europas Party-Metropole geworden.

Dennoch herrscht auf Ibiza eine gedrückte Stimmung. Den Einheimischen ist nicht nach Feiern zumute. Der Tourismus - die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Insel - steckt in einer Krise. Während die große Nachbarinsel Mallorca einen Boom erlebt, gehen auf Ibiza die Besucherzahlen zurück. Familien mit Kindern bleiben weg, weil ihnen die Insel zu laut und zu schrill ist. Aber auch so mancher Techno-Fan will von heißen Disco-Nächten auf Ibiza nichts mehr wissen. Eintrittspreise von bis zu 60 Euro, wie sie manche Tanzschuppen bei Sonderfesten verlangen, übersteigen das Budget vieler junger Leute.

Dealerinsel Ibiza

Zudem haben die Drogen das Image Ibizas angekratzt. Anfang des Monats sorgte der Tod eines 27-jährigen Iren nach der Einnahme von Ecstasy für Schlagzeilen. 25 weitere Disco-Besucher wurden an einem einzigen Wochenende mit Drogenvergiftungen in Krankenhäuser gebracht. Die Insel der Hippies und der rauschenden Feste scheint zu einem Drogenparadies geworden zu sein. Krankenhausärzte klagen darüber, dass Dealer Ecstasy und andere Drogen vor den Tanzschuppen offen anbieten, ohne dass die Polizei eingreift.

Für die spanische Regierung brachten die Drogenvorfälle das Fass zum Überlaufen. In einer Krise mit sinkenden Urlauberzahlen könne Ibiza sich den Ruf einer Rauschgifthölle nicht leisten, meinte der Repräsentant der Madrider Zentralregierung auf den Balearen, Ramón Socías. Er erließ einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem schärfere Kontrollen in der Disco-Szene vorsieht. Die vor fünf Jahren aufgelöste Drogenpolizei wird reaktiviert. Die Reiseunternehmen werden aufgefordert, Ibiza in der Werbung nicht mehr als Ort grenzenloser Orgien anzupreisen.

Stopp für Non-Stopp-Partys

Vor allen aber wollen die Behörden den Feiernden eine Zwangspause verordnen. Es soll verhindert werden, dass rund um die Uhr getanzt und gezecht wird. Die Verantwortlichen sehen nämlich in den Endlos- Feiern eine Ursache des Drogenkonsums. Derzeit gehen die hartgesottenen Party-Fans, wenn bei Morgengrauen die Discotheken schließen, in die "After Hours". Das sind Bars, die dann öffnen, wenn in anderen Lokalen die Lichter ausgehen. "Non-Stopp-Feiern bis in den nächsten Tag steht man allein mit Cola nicht durch", sagt Ibizas Bürgermeister Xico Tarrés. "Dazu muss man andere Mittel einnehmen."Eine Sperrstunde soll den Drogenkonsum reduzieren. Die Insel will nicht mehr das "Sodom und Gomorrha des Mittelmeers" sein, wie sie in der britischen Sensationspresse bezeichnet wurde. "Ibiza steht vor einer schweren und turbulenten Zeit des Wandels", befürchtet der Präsident des Hotelierverbands, Pedro Matutes. Die Tourismusbranche geht davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die Insel neue Märkte erschlossen und die Krise überwunden haben wird. "Die Party scheint zu Ende zu gehen", meint ein Kneipenbesitzer in Sant Antoni in seinem halb leeren Lokal. "Es war eine höllische und zugleich tolle Zeit. Aber nichts währt ewig."

Hubert Kahl/DPA DPA

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