Maut in Italien
Bei Stau gibt's Geld zurück. Auch für Deutsche – nur leider …

Italien Maut Autobahn
Vertrauter Anblick für Italien-Reisende: Stau auf der Autobahn bei Bozen

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Wer auf einer italienischen Autobahn zu lange im Stau steht, bekommt Maut erstattet. Das gilt auch für Ausländer, also etwa Deutsche. Allerdings nerven bürokratische Hürden.

Italien lässt sich gut mit der Regionalbahn erkunden. Sogar zum Preis einer Autofahrt – etwa vom Brenner nach Florenz: Die Autobahnmaut für diese 450 Kilometer kostet 35 Euro, genauso viel wie ein drei Tage gültiges „Italia in tour“-Billet. Viel langsamer ist die Schienenverbindung auch nicht unbedingt, jedenfalls dann nicht, wenn der Wagen zusammen mit anderen Urlaubern im sommerlichen Stau hängenbleibt.

Aber, und jetzt kommt die überraschende Nachricht: Wer auf einer mautpflichtigen Autostrada im Verkehr festhängt, bekommt ab sofort Geld zurück. Wird die normale Fahrzeit deutlich überschritten, müssen die Autobahnbetreiber ihren Kunden die Gebühr teilweise oder sogar komplett zurückzahlen.
 

Zwei Stunden Stau = Hälfte der Maut zurück

Wie viel Geld erstattet wird, hängt von der Wartezeit ab. Minimum sind zehn Minuten Verzögerung auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern. Bis zu zwei Stunden Stau gibt es die Hälfte der Maut zurück, die gesamte Summe wird ab drei Stunden Verspätung erstattet.

„Wer Maut bezahlt, hat Anspruch auf einen effizienten Service. Wird dieser Service nicht vollständig erbracht, sollte er auch nicht vollständig bezahlt werden müssen“, sagte Nicola Zaccheo, Chef der für die Autobahnen zuständigen Behörde, in der ARD.

Was fair klingt, hat leider einen Haken. Denn die Rückerstattung ist an eine klare Bedingung geknüpft: Nur wenn der Stau durch eine Autobahnbaustelle verursacht wurde, gibt es Geld. Nicht aber, wenn sich der Verkehr an Unfallstellen, liegen gebliebenen Autos oder Behinderungen durch schlechtes Wetter vorbeischlängeln muss. Auch Notbaustellen sind ein Ausschlusskriterium.

Und: Vor der Entschädigung kommt die übliche Bürokratie. Wer Geld zurückwill, muss es beim jeweiligen Autobahnbetreiber beantragen, von denen es in Italien mehr als 20 gibt. Das heißt: Man sollte wissen, welche Firma gerade für den Stauabschnitt zuständig ist. Eine App, in der alle Betreiber zusammengeschlossen sind, kommt wohl erst Ende dieses Jahres.

Bekommen auch Deutsche in Italien Stau-Geld zurück?

Bleibt die Frage: Haben auch Ausländer ein Recht auf den Stau-Ausgleich? Schließlich müssen auch Deutsche auf dem Weg nach Südtirol oder in die Toskana Maut zahlen und kostbare Urlaubsstunden im Stau verbringen. Die Antwort lautet: Ja, das Recht schon – aber in der Praxis wird daraus eher nichts.

Denn um sich in der benötigten App registrieren zu können, ist eine italienische Steuernummer Voraussetzung – die können sich zwar auch Nicht-Italiener besorgen, aber das ist umständlich. Benötigt wird sie von jemandem, der in Italien etwa eine Immobilie kaufen oder einen Mobilfunkvertrag abschließen will. Der ADAC rät, die Mautbelege aufzubewahren, damit „man sie dann digital über die Online-Plattform hochladen kann“, so der deutsche Automobilclub.

Die neue Entschädigungsregelung wurde von der Regierung in Rom vorangetrieben. Italiens Verbraucherschutzverband glaubt aber nicht daran, dass alles funktioniert. Vor allem fürchtet er, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Mautgebühren ausgleichen werden.

Europaweit verlangen Italien und Frankreich die höchste Maut: Pro gefahrenem Kilometer werden nach Angaben von Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig. Andere Länder wie Österreich oder die Schweiz setzen auf Vignetten, also Zeitkarten für einen bestimmten Zeitraum.

Quellen: ADAC, Tagesschau, DPA, Italia in Tour, Auswärtiges Amt

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