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Loch Ness: Ungeheuer schrecklich vermisst

Erst zwei Sichtungen in diesem Jahr: Die Schotten sorgen sich um das Ungeheuer von Loch Ness. "Nessies" Tod wird nicht mehr ausgeschlossen. Es gibt aber auch plausiblere Erklärungen für den Schwund.

Normalerweise löst die Abwesenheit von Ungeheuern keine große Sorge aus. Anders am Loch Ness in den Highlands von Schottland: Das sagenumwobene See-Ungeheuer "Nessie" wird dort immer seltener gesichtet. Nun geht die Angst vor einem leeren Loch um. In diesem Jahr wurden erst zwei Sichtungen gemeldet, berichtete am Samstag die Zeitung "The Times", im vergangenen Jahr waren es nur drei. Vor zehn Jahren lag die Zahl nach Berechnungen des Blatts noch bei knapp 20.

Für den Tourismus der Region ist das ein schwerer Schlag, lebt er doch von angeblichen "Nessie"-Beobachtungen und den darauf folgenden Schlagzeilen. Vor allem zur Saure-Gurken-Zeit sorgte "Nessie" einst zuverlässig für Gesprächsstoff und somit Werbung. "Es ist eine potenzielle Krise", sagt Mikko Takala, der vier Webkameras am Loch Ness betreibt und Gründungsmitglied des offiziellen Loch Ness Monster Fan Clubs ist. Umgerechnet rund neun Millionen Euro beschert "Nessie" der Tourismusindustrie pro Jahr. Weit mehr als 200.000 Besucher reisen nach Medienangaben jährlich zu dem See, um dem Ungeheuer aufzulauern.

Alles soll im 6. Jahrhundert angefangen haben, als das Seetier angeblich zum ersten Mal gesichtet wurde. Richtig berühmt wurde "Nessie" aber erst 1933, als das erste Bild von dem Wasserwesen entstand. Seitdem ranken sich um "Nessies" Existenz unzählige Theorien. Mal soll es sich um eine gigantische Robbe handeln, mal um einen Zirkuselefanten, mal um eine Luftspiegelung und mal um unübliche Wellenmuster. Um das Geheimnis zu lüften, soll sich sogar die Regierung der früheren Premierministerin Margaret Thatcher mit Delfinen auf die Suche nach dem sagenhaften Ungetüm gemacht haben.

Nun gibt es auch für die sinkende Zahl der Monsterjäger die vielfältigsten Erklärungen. Steve Feltham, der das Loch seit 16 Jahren beobachtet, ist sicher, dass dort einst bis zu 30 mysteriöse Kreaturen lebten, die Überalterung aber auch hier um sich gegriffen hat. "Heute sind es nur noch ein halbes Dutzend." Auch Umweltverschmutzung oder die Flieger der Luftwaffe könnten den Lebewesen zugesetzt haben. "Nessies" Tod wird nicht mehr ausgeschlossen.

Eine plausiblere Erklärung hat der Naturforscher Adrian Shine. Für ihn ist die zunehmende Skepsis der Menschen der wahre Grund: Die Leute glaubten einfach nicht mehr alles, was sie sehen. "Ich denke, wir leben in einem pragmatischeren Zeitalter, und den Leuten wird immer bewusster, welche Sinnestäuschungen es am Wasser geben kann."

Annette Reuther/DPA / DPA
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