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Suonen im Wallis: Wasserwanderung am Abgrund

Im Schweizer Kanton Wallis fließen Suonen. Früher dienten sie als Wasserleitungen. Heute weisen die uralten Konstruktionen den horizontalen Weg durch Felswände - ein Abenteuer für Schwindelfreie.

Von Katharina Finke

Suonen

Die Bisse de Clavau im Westen vom Wallis

Die Sonne scheint, die Weinreben zeigen sich in voller Pracht und die Blätter der Bäume wechseln ihre Farbe. Ein traumhaftes Bild für eine Herbstwanderung. Doch ohne die Suonen wäre das nicht möglich. Die kleinen Kanäle aus Holz oder Stein wurden vor Jahrhunderten in das Gebirge gegraben, um das Quellwasser der Berge in die sonnigen Täler zu transportieren. Dabei mussten Abschnitte an blankem Fels entlang überwunden werden. Die Erbauer und Betreiber der Suonen begaben sich oft in Lebensgefahr. Immer wieder kam es zu tödlichen Unfällen.


Heute sind diese Wege heiß begehrt unter adrenalinsüchtigen Bergsteigern. Oft sind es nur wenige Meter, bei denen man auf einem schmalen Holzbrett balanciert. Die Pulsfrequenz steigt. Auf der einen Seite der Kanal, auf der anderen der Abgrund. Das Herz flattert. Aber keine Sorge: Zur Sicherheit wurden Seile angebracht. Schwindelfrei sollte man dafür aber trotzdem sein. Die spektakulärste Wanderung führt entlang der "Bisse du Ro" von Crans-Montana und dauert drei Stunden. Einziger Nachteil hierbei: In den Kanälen fließt kein Wasser mehr.

Wem das zu gefährlich ist oder mit Kinder unterwegs ist, wandert im Oberwallis. Die dreistündige Wanderung durchs Grächner Plateaus führt durch den Wald, über Naturwiesen mit Bergblumen zu einem Bauernhof. Außerdem gibt es hier gleich vier traditionelle Suonen zu bestaunen. Die Leitungen "Bineri", "Dieri", "Chilcheri" und "Eggeri" sind heute eine Rarität. Denn bei der Mehrheit der Suonen wurde Holz und Stein durch Eisen und Metall ersetzt. Insbesondere im französischen Unterwallis, in dem die Wasserkanäle auch unter dem Namen "le bisse" (Bissen) bekannt sind. Dadurch kann das Wasser zwar besser reguliert werden, strömt allerdings längst nicht so spektakulär durch die Kanäle wie früher.


Weiter westlich, in der Nähe von Sion, liegt das Naturreservat Mont D'Orge. Im Tal befindet sich der gleichnamige See und an den Hängen leuchten die roten Schätze der Reben. Hier wandert man durch die Weinberge, an den Suonen "Lentine" und "Mont D'Orge"entlang. Auch wenn für die Bewässerung der Weinberge heute Maschinen eingesetzt werden, sind sie die Suonen immer noch Wasserspender.

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