HOME

400 Meter über dem Abgrund: Alptraum in den Alpen: 33 Menschen müssen Nacht in Seilbahn verbringen

Dramatische Rettungsaktion am Montblanc: Nach einer Panne saßen 110 Menschen in einer Seilbahn fest. Viele konnten nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit befreit werden und mussten in mehr als 3000 Metern Höhe ausharren.

Ein Rettungshubschrauber startet in Richtung der festsitzenden Seilbahngondeln

Ein Rettungshubschrauber startet in Richtung der festsitzenden Seilbahngondeln. 33 Passagiere, unter ihnen ein Kind, verbrachten die Nacht in mehr als 3000 Metern Höhe bei eisigen Temperaturen.

In einer Seilbahn hoch über den Gletschern des Mont-Blanc-Massivs mussten 33 Menschen die Nacht zu Freitag verbringen. Grund war ein technischer Defekt. Die Behörden hatten den Rettungseinsatz in den französischen Alpen am Donnerstagabend unterbrochen, nachdem 77 Fahrgäste aus ihrer prekären Lage in mehr als 3000 Metern Höhe befreit werden konnten. Dies waren mehr als zunächst bekannt, weil es Rettern auch gelang, Menschen abzuseilen. Die meisten wurden allerdings per Hubschrauber aus den Gondeln der blockierten Seilbahn befreit.

Passagiere mussten bis Freitagmorgen ausharren

Die sehr aufwändige Bergungsaktion per Hubschrauber habe aus Sicherheitsgründen in den Nachtstunden unterbrochen werden müssen, hatte der Präfekt des Départements Haute-Savoie, Georges François Leclerc, am Donnerstagabend erklärt. "Wir haben alles getan, was uns möglich ist." An manchen Stellen schweben die Kabinen, die jeweils Platz für vier Personen bieten, 400 Meter über dem Abgrund.

Am Freitagmorgen konnten dann auch die in den Gondeln verbliebenen Passagiere befreit werden. Die Bahn sei wieder in Gang gesetzt worden, teilte die Betreiberfirma mit. Technikern sei es am Morgen gelungen, verhedderte Kabel, die die Panne ausgelöst hatten, zu entflechten, berichtete der Radiosender France Info. Die 33 Menschen seien in Sicherheit. Alle hätten wieder festen Boden unter den Füßen.

In einer Gondel war ein zehnjähriges Kind

Insgesamt 110 Passagiere waren am Donnerstagnachmittag in der Seilbahn, die im Mont-Blanc-Massiv die Aiguille du Midi mit der Pointe Helbronner verbindet, steckengeblieben. Ihre Gondeln wurden angehalten, nachdem sich zwei Kabel der Bahn verheddert hatten. An der Bergungsaktion waren vier Hubschrauber aus Frankreich und Italien beteiligt.

Die Seilbahn von der Aiguille du Midi zur Pointe Helbronner (Archivbild)

Die Seilbahn von der Aiguille du Midi zur Pointe Helbronner (Archivbild). Die Gondeln laufen über eine Länge von fünf Kilometern auf eine maximale Höhe von 3842 Metern.

Den Eingeschlossenen, die während der Nacht bei eisigen Temperaturen in den Gondeln ausharren mussten, wurden Decken, Wasser und Energienahrung zur Verfügung gestellt. In einer der festsitzenden Kabinen war nach Behördenangaben ein zehnjähriges Kind. Ein Gendarm stieg in die Gondel, um dort mit der Familie die Nachtstunden zu verbringen.

"Die letzte Stunde war sehr, sehr lang"

Einer der Geretteten berichtete im Radiosender France Bleu Pays vom Ablauf der Aktion. Das Abseilen mit dem Hubschrauber sei sehr schwierig gewesen: "Ich habe die Augen geschlossen, um an etwas anderes zu denken", sagte er. An Bord der Kabine hatte sich zuvor zunehmend Ungeduld breit gemacht. "Die letzte Stunde war sehr, sehr lang."

Die Ursache der Panne ist nach Angaben der Betreiber noch unklar. Der Montblanc in Frankreich an der Grenze zu Italien ist mit 4810 Metern der höchste Berg der Alpen.

mad / DPA / AFP
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity