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Luftverschmutzung Skopje – eine Stadt versinkt im Smog

Smog in Skopje
Nicht nur Nebel: Skopje gehört zu den Städten mit der stärksten Luftverschmutzung weltweit.
© Nake Batev/ / Picture Alliance
Skopje, die Hauptstadt Nordmazedoniens, ist die Stadt mit der größten Schadstoffbelastung in Europa. Mindestens drei Monate im Jahr können die Bewohner nicht lüften oder nach draußen gehen. Was muss passieren, damit der Smog aus der Stadt verschwindet?
Von Emily Linow

Eine dicke Wolkenschicht hängt über Skopje. Viele Tage im Jahr sieht es hier aus, als wäre es nebelig. Die Abgase und schlechte Luft sind erdrückend und schwer. Skopje liegt in einem Tal auf dem Balkan. Die Hauptstadt Nordmazedoniens mit ihren über 500.000 Einwohnern ist von Bergen umgeben. Vor allem im Winter führt das zu gesundheitlichen Belastungen in der Stadt. Denn dann wird die verschmutzte Luft von den Bergen eingeschlossen. Die warme Luft von außen schiebt die kalte, schwere Luft ins Tal und sie kann nicht entweichen. Die Folge: Durch die Kessellage der Stadt müssen die Bewohner im Smog leben. 

Wie entsteht der Smog?

Skopje wird regelmäßig auf dem ersten Platz der Städte mit der größten Luftverschmutzung in Europa eingestuft, manchmal führt sie auch weltweit die Negativliste an und landet zeitweise noch vor Peking und Neu-Delhi, welche als Smoghochburgen bekannt sind. 2018 überstieg die Luftverschmutzung in Skopje ganze 202 Tage lang die EU-Richtwerte. Sieben Monate dieses Jahres herrschten damit Luftverhältnisse, die meist gesundheitsschädlich waren.

Zum Vergleich: In Stuttgart wird Feinstaubalarm ausgelöst, sobald die Werte winziger, gesundheitsschädigender Schadstoffpartikel eine Belastung mit 80 Milligramm pro Kubikmeter überschreiten. Im Winter in Skopje liegt allein der Durchschnittswert schon etwa 2,5 Mal so hoch. Teilweise werden mehr als 600 Milligramm pro Kubikmeter gemessen.

Skopje ist eine arme Stadt – das Durchschnittsgehalt im Monat liegt bei etwa 250 Euro. Geheizt wird oftmals nicht nur mit Holz, sondern auch mit Plastik. Durch dieses Plastik gelangen Schadstoffe in die Luft. Außerdem fahren viele mit sehr alten Autos, weil der Nahverkehr schlecht ausgebaut ist. Die sind zwar günstig, entsprechen in Sachen Abgaswerten aber nicht den hierzulande geltenden Vorgaben. Dazu kommen die Kraftwerke und Fabriken, die ungehindert große Mengen verpestete Luft in die Umwelt stoßen. Denn weil Nordmazedonien kein EU-Mitgliedsstaat ist, muss sich das Land nicht an die dort geltenden Richt- und Höchstwerte halten.

Welche Auswirkungen das vor allem im Winter hat, erklärt der 16-jährige Kosta Barsov der BBC: "Wenn ich mit meinem Hund rausgehe, muss ich mich danach umziehen, weil meine Kleidung stinkt.“ Nach dem Studium will er, wie viele andere junge Menschen, Skopje verlassen. "Es ist deprimierend“, sagt Barsov der BBC. "Für drei Monate im Jahr können wir nicht wirklich Zeit draußen verbringen oder lüften.“ Viele sehen einen Wegzug als einzige Lösung, denn eine Verbesserung der Umstände ist nicht in Sicht.

Grüner Kreis erwünscht!

Die App "AirCare" ist das wichtigste Werkzeug für die Bewohner, sich über den wechselnden Grad der Luftverschmutzung in der Stadt zu informieren. Die App stellt die Qualität der Luft im Umfeld des Benutzers dar. Zeigt sie einen grünen Kreis an, ist die Qualität der Luft gut, gelb bedeutet, die Luft ist verschmutzt, aber noch im Rahmen der  EU-Vorgaben. Rot oder dunkler steht für eine derart hohe Luftverschmutzung, dass sie der Gesundheit schaden könnte. Viele Bewohner Skopjes leiden an Husten und Atemnot. Auch Atemwegsinfektionen und Tumore gehören zu den Krankheitsbildern. Besonders leiden Kinder, deren Lungen können den geringen Sauerstoffgehalt nicht verarbeiten, wie die BBC berichtet.

Etwas weiter oben sieht es schon besser aus. Eli Pesheva wohnt am Berg. Dorthin war sie gezogen, nachdem Teile ihrer Familie aufgrund der Luftverschmutzung gesundheitliche Probleme bekommen hatten. Der BBC berichtet Pesheva, dass sie im Winter, wenn sie aus dem Zentrum nach Hause fahren, dien Smog durchbrechen. "Es ist wie durch die Wolken in den Himmel zu fahren.“ Der Smog sieht teilweise aus wie eine dicke Wolkendecke, die tief über der Stadt hängt – wird er hinter sich gelassen, ist die Luftqualität ungleich klarer, das Atmen wird leichter.

Keine Rettung in Sicht

Eli Pesheva setzt auf die Jugend, fürchtet aber, dass immer mehr der Stadt den Rücken kehren. Zur BBC sagt sie: "Wenn du etwas nicht magst, musst du dafür kämpfen es zu ändern“. Viele tun das inzwischen. Sie haben sich Umweltinitiativen angeschlossen, demonstrieren oder hängen Geräte zur Messung der Luftqualität zu Hause auf.  

Dass sich am Zustand bald etwas ändert, ist nicht abzusehen. Ein wichtiger Schritt wäre der Eintritt in die EU. Das Land arbeitet daran. Dann müsste sich die Industrie an die Vorgaben der EU halten und den Schadstoffausstoß regulieren. Das wäre ein Anfang. Allerdings müsste die Politik an vielen weiteren Stellschrauben, wie der Belastung durch Autos, drehen, um den Smog in der Stadt dauerhaft in den Griff zu kriegen.

Quellen: BBC / Aljazeera


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