Spanien "Vamos a la playa": Am liebsten am Meer


35 Grad - im Schatten - und Madrid ist dabei, zur Geisterstadt zu werden. Gut die Hälfte der drei Millionen Einwohner der spanischen Hauptstadt brechen zeitgleich in die Ferien auf.

Nach der zwölften Fuhre im Aufzug sind Carlos und María José startklar. Die vier Kinder sitzen endlich ohne zu quengeln im Auto, das Gepäck ist im Kofferraum und auf dem Dach verstaut. "Wir fahren zwei Wochen zu meinen Schwiegereltern nach Alicante, die haben dort ein Haus", sagt der 37-jährige Bankangestellte, während ihm der Schweiß von der Stirn tropft. Es sind 35 Grad - im Schatten - und Madrid ist gerade dabei, wie in jedem Sommer zur Geisterstadt zu werden. Gut die Hälfte der drei Millionen Einwohner der spanischen Hauptstadt brechen dieser Tage nahezu zeitgleich in die Ferien auf.

In Spanien und am Strand

Carlos und María José erfüllen dabei alle Stereotypen: 81 Prozent aller Spanier verbringen ihren Urlaub im eigenen Land, 62 Prozent sagen "vamos a la playa" (wir fahren an den Strand), ebenso viele tun dies im eigenen Auto und 44 Prozent kommen bei Verwandten oder Freunden unter. Das ist statistisch belegt. "Etwas anderes könnten wir uns auch gar nicht leisten", sagt Carlos und deutet auf seine im klimatisierten Auto wartende Großfamilie. "Außerdem freuen sich Oma und Opa auf die Enkel" - und die Eltern somit auf etwas ungestörte Zweisamkeit.

Mallorca für die Königsfamilie

Selbst die Königsfamilie unterscheidet sich bei ihren Urlaubsgewohnheiten im Prinzip nicht von ihren Landsleuten: Jahr für Jahr verbringen Juan Carlos I. und Sofía ihre Sommerferien auf Mallorca. Dabei sind stets auch Kronprinz Felipe sowie dessen Schwestern Elena und Cristina mit ihren Ehemännern und den fünf Kindern dabei. Freilich sind die Umstände etwas anders: Sie reisen im Privatjet oder Hubschrauber an und residieren im vornehmen Marivent- Palast in Palma.

Oder aufs Dorf

Für eine andere typische Variante des Urlaubs in Spanien stehen Florentino und Concha. "Vamos a mi pueblo" (wir fahren in mein Dorf), sagt der 58-jährige Handwerker, der wie Millionen seiner Landsleute in den 60er und 70er Jahren auf der Suche nach einem besseren Leben vom Lande in die Stadt zog. Florentino kommt aus einem kleinen Ort in Asturien im Norden Spaniens. "Dort ist es im Sommer nicht so heiß, das Leben ist billiger, und einen schönen Fluss gibt es auch." Die beiden Söhne finden das eher langweilig - "mit Domino-Spielen in der Dorfkneipe haben wir nichts am Hut" -, doch Geld, um woanders hin zu fahren, haben sie auch nicht. Und so hoffen sie auf das Dorffest, das jedes Jahr zur Ferienzeit stattfindet.Unter den Spaniern, die weniger auf den Geldbeutel schauen müssen und lieber ins Ausland reisen, stehen Kreuzfahrten oder Tripps nach Prag und Paris hoch im Kurs - dort wird Spanisch im Sommer schon fast zur zweiten Amtssprache, heißt es. In dieser Gruppe wird auch mehr Wert auf Komfort gelegt: "Lieber bleibe ich zehn Tage in einem Fünf- Sterne-Hotel als zwei Wochen in einer billigeren Herberge", sagt der Bauingenieur Carlos Marín.


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