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Sperrstunde: Briten dürfen ohne Ende trinken

Trinkfreudige Nachteulen dürfen sich freuen: Rund 90 Jahre nach ihrer Einführung ist die zuletzt heftig umstrittene Sperrstunde in britischen Pubs gefallen. Bis nach Mitternacht dürfen die Wirte nun ausschenken.

Am Mittwochabend mussten die Kneipenwirte in England und Wales zum letzten Mal Punkt 23.00 Uhr die Zapfhähne zudrehen. Eine Stunde später, mit in Kraft treten der neuen Lizenzierungsgesetze um Mitternacht, durfte das Ale und Lager dann wieder in die Pint-Gläser fließen. Während der britische Bier- und Pub-Verband die Liberalisierung feierte, warnte die Opposition noch einmal vor verheerenden Folgen für die Volksgesundheit und die Arbeitsproduktivität im Königreich.

Die Aufhebung der Sperrstunde hatte die Labour-Regierung bereits 2003 beschlossen. Der Ausschank-Stopp eine Stunde vor Mitternacht war 1915 während des Ersten Weltkriegs verfügt worden. Damit sollte verhindert werden, dass Arbeiter in kriegswichtigen Fabriken angetrunken zur Frühschicht erschienen.

"Koma-Trinken" soll eingedämmt werden

Der 24-Stunden-Verkauf von Alkohol ist nun im Prinzip auch in Supermärkten und anderen Geschäften erlaubt. Jedoch nur, wenn sie eine besondere Lizenz erhalten haben. Allerdings bemühten sich zunächst recht wenige Kneipen und Läden um die bei Kritikern verschrienen "24-Stunden-Sauf-Lizenzen". 359 Pubs und Clubs wurde die entsprechende Genehmigung erteilt. Zehntausende weitere erhielten wunschgemäß Lizenzen für nur leicht verlängerte Öffnungszeiten, meist um jeweils zwei bis drei Stunden von Freitag bis Sonntag. In der Millionenmetropole London werden Touristen und Einheimische nach Angaben des "Evening Standard" künftig in bis zu 5000 Pubs, Bars und Clubs bis nach Mitternacht Alkohol trinken können.Die oppositionelle Konservative Partei hatte dennoch argumentiert, dass es bei einer Aufhebung der Sperrstunde noch mehr jener Alkohol- Krawalle geben würde, für die das Insel-Königreich berüchtigt sei. Die Labour-Regierung erklärte, dass sich künftig weniger Pub-Besucher durch eine Sperrstunde gedrängt fühlten, rasch betrunken zu werden. Die Liberalisierung der Kneipenöffnungszeiten helfe, das verbreitete "Koma-Trinken" einzudämmen.

Auffanglager für Betrunkene

Im nordenglischen Newcastle haben sich die Rettungskräfte für extrem trinkfreudige Gesellen etwas Besonderes einfallen lassen: In einer Art Auffanglager für Betrunkene stehen an Wochenenden mitten im historischen Quayside-Viertel Liegen zum Ausnüchtern bereit. Dort kümmert sich medizinisches Personal um mögliche "Schnapsleichen".Parallel zur Aufhebung der Sperrstunde startete die Polizei aber auch eine "Weihnachtskampagne gegen Trunkenheit und Rowdytum". Ausgestattet mit einem Sonder-Budget von umgerechnet 3,7 Millionen Euro will sie "massiv" gegen betrunkene Randalierer vorgehen. Ihnen drohen Geldstrafen von 80 Pfund (knapp 120 Euro). Im vergangenen Jahr mussten während einer ähnlichen Kampagne mehr als 3600 Menschen Bußgelder zahlen.

DPA / DPA
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