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Benzinpreise Frust am Zapfhahn

Monat für Monat mussten Autofahrer mehr Geld an der Tankstellenkasse lassen. Bis August stiegen die Preise seit Jahresbeginn für den Liter Super um sieben Cent. Benzinspartipps hatten Hochkonjunktur.

Experten sind sich einig: ein Ende des hohen Öl- und damit des hohen Benzinpreises ist nicht in Sicht - im Gegenteil. Unterschiedlich sind die Ansichten bei der Frage: Wie schlimm wird es? So hält der Chef der IfW- Abteilung für Umwelt- und Ressourcenökonomie, Professor Gernot Klepper, einen weiteren Anstieg der Rohölpreise auf mehr als 100 Dollar pro Barrel durchaus für denkbar. Das Szenario, in welchem die Preise weiter explodieren, skizzierte er so: "Wir müssen uns nur vorstellen, dass die Weltwirtschaft um drei oder vier Prozent pro Jahr wächst, die Gewalt im Irak auf den wichtigsten Ölförderer Saudi-Arabien übergreift und sich die politische Lage in Russland verschlechtert."

Auch Sandra Ebner, die Ölexpertin der Deka-Bank, glaubt das sich die Rohölknappheit fortsetzen wird. Allerdings sieht sie den Preis für ein Barrel Rohöl (rund 159 Liter) "nur" auf 70 Dollar steigen.

Bei oberflächlicher Betrachtung waren die Zerstörungen durch den Sturm "Katrina" die Ursache der Preisrallye: In den USA fielen gleich acht gigantische Raffinerien aus, das waren etwa 12 Prozent der US-Verarbeitungskapazität. Es sollte einige Wochen dauern, bis die Wirbelsturm-Folgen ausgemerzt waren. Aus den Golf-Raffinerien werden große Teile der US-Ostküste versorgt. So machte "Katrina" nur deutlich, wo die Schwäche der US-Energieversorgung liegt: Seit Jahrzehnten wurden keine neuen Raffinerien gebaut, weil die Konzerne den Kampf mit Umweltauflagen scheuten und das Geld lieber in Ölbohrungen steckten, was mehr Profit versprach. Weil aber der Benzinverbrauch steigt und steigt, kamen die Werke an ihre Grenzen und müssen praktisch rund um die Uhr auf voller Kraft laufen.

Keine Trendwende erwartet

Der unstillbare Benzindurst - die USA sind der größte Energieverbraucher der Welt - saugt Europa leer: In Rotterdam lag der Preis für eine Tonne Benzin am 23. August auf 849 Dollar. Am Rotterdamer Markt bildet sich der Preis auch für Deutschland, obwohl die Versorgung der Tankstellen über deutsche Raffinerien läuft. Doch die klassische Berechnung für die Preise lautet: Rotterdamer Preis plus Fracht. Selbst wenn eine deutsche Raffinerie billiger produzieren könnte, würde das nicht den Tankstellenpreis senken. Denn warum sollte man in Deutschland das Benzin für weniger verkaufen als in Rotterdam zu erzielen wäre?

<em>Spi</em>

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