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Namensstreit: Im Kloster Andechs tobt der Bier-Krieg

Im bierseligen Kloster Andechs geht es neuerdings zu wie bei den Guldenburgs und Balbecks: Über die Namensrechte "Der Andechser" ist ein heftiger Streit entbrannt. Den Klosterbrüdern sind dabei offenbar alle Mittel heilig.

Der Kampf der Andechser Klosterbrüder um den Namen ihres berühmten Bieres treibt immer seltsamere Blüten: Man stelle sich vor, in den zehn Wirtshäusern von Bremen bis Burghausen mit dem klangvollen Namen "Der Andechser" fließt aus dem Zapfhahn nicht das weltberühmte süffige Bier der Klosterbrüder vom "Heiligen Berg", sondern ein x-beliebiges Gebräu. Weil die Patres aus Bayern im Kampf um den Besitz der Gaststätten den Kürzeren zogen, gehen sie mit harten Bandagen gegen die "irreführende oder missbräuchliche Verwendung" ihres Namens vor.

Doch sie haben schlechte Karten. Denn offensichtlich sind dem Kloster die Rechte an der Marke "Der Andechser" durch die Lappen gegangen. Der Slogan "Wo Andechs draufsteht, ist auch Andechs drin" könnte daher schon bald der Vergangenheit angehören. Zwischen den Mönchen und dem neuen Oberhaupt der Wirtshaus-Familie tobt der Krieg ums beliebte Andechser Bier.

Kloster auf Expansionskurs

Dabei müssten die Klosterbrüder um ihren jungen Abt Johannes Eckert eigentlich heilfroh sein, dass in möglichst vielen Gasthäusern Bier aus der weltberühmten Stätte im schönen Oberbayern schäumt, sichert ihnen dies doch die Existenz ihrer beiden Klöster in Andechs und München. Dafür packten die Brauerei-Manager und der starke Mann einer eigens gegründeten Gastronomie AG, der Ulmer Geschäftsmann Rainer Staiger, auch mehrere Jahre mit vereinten Kräften an. Die Mönche und Staiger waren zu je 42 Prozent an der Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von zuletzt zehn Millionen Euro beteiligt, die der Reihe nach Häuser in Augsburg, Bremen, Burghausen, Dillingen, Goslar, Hildesheim, Nürnberg, Regensburg, Ulm und Wiesbaden eröffnete.

Dies war freilich noch zu Zeiten, als der umtriebige Pater Anselm Bilgri auf dem "Heiligen Berg" das Sagen hatte. Der Ordensmann und Sohn einer Münchner Wirtsfamilie steigerte den Ausstoß der Brauerei mit sieben Sorten Bier auf 115.000 Hektoliter im Jahr. Zudem ging er Partnerschaften mit namhaften Lebensmittel-Produzenten ein. Das Kloster wurde unter Bilgris Ägide zum erfolgreichsten Wirtschaftsbetrieb eines Ordens im deutschsprachigen Raum.

Doch dann wurde im Sommer 2003 nicht der geschäftstüchtige Mönch zum neuen Abt und damit obersten Chef von Andechs gewählt, sondern der junge Pater Eckert vom Münchner Mutterkloster St. Bonifaz. Der bayerisch-barocke Bilgri und der streng spirituelle Eckert konnten von Anfang an nicht miteinander, und so häuften sich die Differenzen über den künftigen Kurs auf dem "Heiligen Berg". In diesem Sommer hängte Deutschlands bekanntester Mönch das Mönchsgewand in den Schrank und trat aus dem Kloster aus. Zufall oder nicht: Kurz darauf stellte der von Eckert als Aufpasser in die Gastronomie AG entsandte Pater Korbinian Linsenmann einen "fragwürdigen" Insolvenzantrag, wie Staiger es nennt.

"Der Abt sitzt am Zapfhahn"

Mehr noch: Die Klosterbrüder strebten die alleinige Kontrolle über die Gaststätten an. Dafür spricht auch, dass die Gefolgsleute des erst 35 Jahre alten Abtes den "Andechser"-Wirten unverhohlen drohten, ihnen kein Bier mehr zu liefern, sollten sie weiterhin mit Staiger kooperieren. "Der Abt sitzt am Zapfhahn", polterte der für die Brauerei zuständige Pater Valentin bei einer Zusammenkunft der Gaststätten-Pächter hinter Klostermauern.

Damit sind die Klosterbrüder erst einmal aus dem Geschäft. Sie lassen nach Auskunft ihres Sprechers Martin Glaab aber bereits juristisch prüfen, ob die "Kloster Andechs Gastronomie AG", die in keiner Verbindung mehr mit dem Kloster steht, den Namen des Klosters überhaupt noch tragen darf. Letztlich werden also die Gerichte darüber befinden müssen, wie es mit der sprichwörtlichen Andechser Gastlichkeit weitergeht.

Paul Winterer, DPA / DPA